Blick in ein neues Großraumbüro | dpa

Maskenpflicht und Homeoffice Firmen wappnen sich für den Corona-Herbst

Stand: 20.09.2021 08:48 Uhr

Die mäßige Corona-Impfquote lässt manche Experten sorgenvoll auf den Herbst blicken. Um gut durch die kalte Jahreszeit zu kommen, müssen sich Betriebe schon jetzt darauf vorbereiten. Ein Überblick.

Von Jens Eberl, WDR

"Wie sich das Pandemiegeschehen im Herbst und Winter entwickeln wird, bleibt schwer vorhersehbar", sagt Gunnar Kilian, der Konzernpersonalvorstand von Volkswagen. Und mit dieser Meinung dürfte er nicht alleine sein. Die Unternehmen bereiten sich auf verschiedene Szenarien vor. Bei Volkswagen setze man in der kommenden Herbst-Winter-Phase weiter auf eine Kombination aus Impfungen, Tests und Corona-Schutzmaßnahmen. Seit dem Beginn des Impfstarts an den VW-Standorten hat das Unternehmen nach eigenen Angaben allen Beschäftigten ein Impfangebot gemacht. Die neuen Regelungen sehen punktuelle Lockerungen vor. So hätten Beschäftigte jetzt wieder die Möglichkeit, in einem klar definierten Rahmen an den Arbeitsplatz zurückzukehren, Meetings in Präsenz durchzuführen und so wieder mehr persönlichen Kontakt zu haben.

Jens Eberl

Freiwillige Rückkehr aus dem Homeoffice

Bei Adidas können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit Anfang Juli auf freiwilliger Basis wieder auf dem Campus in Herzogenaurach arbeiten. "Maximal 2000 der rund 5300 Mitarbeitenden" dürften sich dort gleichzeitig in der Konzernzentrale aufhalten, sagt Unternehmenssprecher Stefan Pursche. "Es gelten Hygiene- und Schutzmaßnahmen wie beispielsweise Abstandsregeln und Maskenpflicht in den Gebäuden außer am Schreibtisch".

Bis zu 50 Prozent der Arbeitsplätze können bei der Allianz belegt werden, bei "Open Space"-Räumlichkeiten seien es bis zu 30 Prozent, so das Versicherungsunternehmen. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnten aber weiterhin frei entscheiden, ob sie zur Arbeit ins Büro kommen oder von zu Hause arbeiten möchten. Die tatsächliche Büro-Anwesenheitsquote betrage derzeit durchschnittlich etwas mehr als 20 Prozent.

Zukunft: "Hybrides Arbeiten"

Siemens empfiehlt der Belegschaft weiterhin, von zu Hause aus zu arbeiten, wenn dies möglich ist, und Dienstreisen auf das nötige Minimum zu reduzieren. Aktuell seien die weltweiten Büros im Schnitt zwischen fünf und 15 Prozent belegt, so der Konzern.

Die Telekom hat ihre Homeoffice-Empfehlung im Juli beendet. Dem Unternehmen zufolge soll es aber kein Zurück in die alte Welt geben. "Die Zukunft unserer Arbeit ist hybrid, und wir wollen die Vorzüge des Büros und die Vorzüge des mobilen Arbeitens bestmöglich miteinander verbinden", heißt es von dem DAX-Konzern. Die Telekom will ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber mit Veranstaltungen und Aktionen motivieren, wieder in den Büros zu arbeiten. Die Belegung der Büros werde aus Vorsorgegründen bis auf Weiteres bei 50 Prozent gedeckelt sein.

Auch Thyssenkrupp setzt auf "hybrides Arbeiten". "Dieser Prozess ist aus unserer Sicht unumkehrbar", so ein Unternehmenssprecher. "Ein vollständiges Zurück in die 'Vor-Corona-Zeit' wird es bei Thyssenkrupp nicht mehr geben. Jetzt beginnt dafür die entsprechende Erprobungsphase". Für Standorte wie Essen gelte eine Obergrenze für die mögliche Anwesenheit der Belegschaft von maximal 50 Prozent.

Nach wie vor Abstand und Masken

Beim Immobilienkonzern Deutsche Wohnen gibt es nach wie vor eine Pflicht zum Tragen eines medizinischen Mund- und Nasenschutzes in allen Büroflächen mit Ausnahme des eigenen Arbeitsplatzes. Kostenlose Schnelltests seien möglich. Unter Einhaltung des vorgegebenen Hygienekonzepts könnten die Büros seit 1. Juli wieder genutzt werden.

Das Wohnungsunternehmen Vonovia hat für die Unternehmenszentrale und die bundesweiten Bürostandorte derzeit eine maximale Auslastung von 30 Prozent festgelegt. "Wir stellen fest, dass unsere Kolleginnen und Kollegen nach Monaten der Arbeit von zu Hause aus sehr gerne wieder im Büro arbeiten wollen. Die Nachfrage ist sehr groß", so Unternehmenssprecher Marcel Kleifeld. "Wenn es die Entwicklung zulässt, werden wir die maximale Auslastung unserer Büros bald auf 50 Prozent erhöhen." Besprechungen fänden ohnehin weiter überwiegend digital statt.

Kein Unterschied zwischen Geimpften, Genesenen und Ungeimpften

Der Konsumgüterhersteller Henkel setzt nach wie vor auf strenge Hygiene-Maßnahmen. Neben einer Maskenpflicht in den Gebäuden gelte weiterhin auch die Einhaltung von Sicherheitsabständen. Nach Angaben eines Unternehmenssprechers gibt es dabei keine Ausnahmen für bereits geimpfte, genesene oder getestete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Betrieb könne derzeit eine Auslastung zwischen 50 und 80 Prozent ermöglicht werden. Die tatsächliche Belegung schwanke aber stark.

Der Chemiekonzern BASF geht im Unternehmen von einer Impfquote von 75 bis 80 Prozent aus. Dennoch gelten nach wie vor ein strenge Hygiene- und Abstandsregeln. "Ebenso gilt weiterhin, dass Mitarbeitende mit Erkältungssymptomen konsequent zu Hause bleiben müssen. Sofern die aktuell geltenden Hygiene- und Abstandsregeln in den Teams sichergestellt werden können, können Mitarbeitende in Absprache mit ihren Vorgesetzten an ihrem Arbeitsplatz vor Ort arbeiten", heißt es vom Konzern.