Mitarbeiter eines Lieferdienstes auf dem Fahrrad | dpa

Boom der Lieferdienste Immer mehr Konkurrenz für Lieferando

Stand: 26.01.2021 11:30 Uhr

Der Trend, sich im Lockdown Essen oder Lebensmittel nach Hause bringen zu lassen, hat den Dienst Lieferando stark wachsen lassen. Aber die Zahl der Wettbewerber in dem Geschäft steigt.

Von Iris Marx, rbb

Fast jeder kennt es: Beim Zubereiten der Lieblingsspeise fällt auf, dass etwas fehlt. Oft ist es nur eine Kleinigkeit wie Eier oder eine Zitrone. Wer im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg wohnt, der muss dann zu später Stunde nicht mehr den nächsten Supermarkt oder "Späti" aufsuchen. Er kann solche kleineren Einkäufe bequem per App erledigen.

Iris Marx

An sieben Tage der Woche zwischen neun Uhr morgens und Mitternacht versprechen die Macher von "Gorillas" eine sehr schnelle Lieferung. Teilweise braucht es gerade einmal zehn Minuten, bis die fehlende Zutat da ist. Aber auch größere Bestellungen sind möglich. Kosten: 1,80 Euro.

Der Bringdienst ist seit dem vergangenen Frühjahr unterwegs und baut sein Liefergebiet auf größere Städte wie Köln und Hamburg aus. "Wir planen demnächst noch weitere Großstädte ins Programm zu nehmen, vielleicht sogar auch außerhalb von Deutschland", sagt Mitgründer Kagan Sümer tagesschau.de.

Lieferando-Umsatz stark gestiegen

"Jede Krise birgt auch Innovationen", ist sich Sümer sicher. Die Corona-Pandemie hat den Bringdiensten zu einem sehr großen Schub verholfen, der aber anhalten werde. "Die Menschen gewöhnen sich an die Annehmlichkeit, etwas geliefert zu bekommen." Zudem hätten viele, wenn sie wieder normal arbeiten, zum Einkaufen weniger Zeit. "Unser Modell wird daher auch nach der Krise noch wachsen", so Sümer.

Die Zahlen, die der Branchenriese "Lieferando" Mitte des Monats veröffentlich hat, sind eindeutig. 2020 stieg der Umsatz der Lieferando-Mutter "Just Eat Takeaway" im Vergleich zum Vorjahr um mehr als die Hälfte auf etwa 2,4 Milliarden Euro, wie der Konzern mitteilte. Im vierten Quartal ging der Umsatz sogar um 60 Prozent nach oben.

Die Liste der Konkurrenten wächst. Auch das finnische Start-Up "Wolt" will von dem großen "Lieferhype" profitieren und lockt mit besonders ausgewählten Restaurants. Investoren steckten 258 Millionen Euro in "Wolt", auch Mark Zuckerbergs "Iconiq Capital" soll dazugehören.

Kritik an Arbeitsbedingungen

Negativ-Schlagzeilen über fragwürdige Arbeitsbedingungen in der Branche scheinen sich nicht auszuwirken. Vor allem Lieferando muss sich hierfür immer wieder rechtfertigen. Und nicht nur der Branchenriese kämpft gegen Vorwürfe aus seiner Belegschaft. Ebenso geriet der Online-Getränkelieferdienst Flaschenpost in die Kritik.

Doch auch hier scheint dies den Wert des Unternehmens nicht gemindert zu haben. 800 Millionen bis zu einer Milliarde Euro soll der Oetker-Konzern für den Bringdienst bezahlt haben, der - nach eigenen Angaben - innerhalb von zwei Stunden Getränke an Durstige in mittlerweile 23 Städte liefert. Die Übernahme ist bereits vom Kartellamt abgesegnet.

Viele Restaurants werden selbst aktiv

Inzwischen wollen auch einige Gastroketten und kleinere Restaurants das Feld nicht völlig den großen Lieferdiensten und Start-Ups überlassen. Das Lieferbedürfnis der Menschen bedienen sie immer häufiger selbst. In Berlin gehört "Peter Pane" dazu, und auch die Burger-Kette "Hans im Glück" versorgt die Hauptstädter bis zur Haustür.

Schon lange ist es nicht nur Pizza und anderes Fastfood, das bereits zubereitet auf die heimischen Tische kommt. Auch die Sterne-Gastronomie hat bei dem Thema inzwischen weit weniger Berührungsängste als früher.

Billy Wagner, Inhaber des Sterne-Lokals Nobelhart & Schmutzig, nannte die Krise im Interview mit tagesschau.de vor einiger Zeit sogar eine Chance. Auch sein ganz besonderes Essen kann online bestellt werden. "Wir haben uns von dem Gedanken leiten lassen, dass immer gegessen wird - nur jetzt eben anders: dass die Leute nicht zu uns kommen, sondern wir zu den Leuten gehen", so Wagner im Oktober.