Eine Maschine der Fluggesellschaft Condor rollt auf einem Rollfeld | dpa

Ferienflieger findet Investor Attestor steigt bei Condor ein

Stand: 20.05.2021 18:04 Uhr

Der Ferienflieger Condor hat einen neuen Geldgeber gefunden. Der Einstieg von Attestor kommt zu einem wichtigen Zeitpunkt. Denn gerade jetzt laufen die Buchungssysteme dank des Impfforschritts heiß.

Von Michael Immel, ARD-Luftfahrtexperte

Der Ferienflieger Condor kann durchstarten: Nach wochenlangen Verhandlungen ist ein neuer strategischer Partner gefunden. Der Vermögensverwalter Attestor übernimmt die Mehrheit der Anteile von Condor. Alle 4050 Arbeitsplätze bei der Fluglinie bleiben erhalten. "Wir sind stolz, Attestor von Condor als Traditionsunternehmen, das seit 65 Jahren für Urlaub mit Qualität und Service steht, zu überzeugen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterhaben haben beeindruckend unter Beweis gestellt, dass sie jede Extrameile gehen - für Condor als Unternehmen, aber auch für unsere Kunden und Partner", sagt Condor-Chef Ralf Teckentrup.

Michael Immel

"Starke Marke mit bewährtem Geschäftsmodell"

Attestor bringt 200 Millionen Euro frisches Eigenkapital ein und wird darüber hinaus weitere 250 Millionen Euro Eigenkapital für die Modernisierung der Langstreckenflotte von Condor zur Verfügung stellen. Jan-Christoph Peters, Gründer und Inhaber von Attestor, erklärt: "Condor ist eine starke Marke mit einem bewährten Geschäftsmodell in einem attraktiven Markt. Sobald sich der Tourismusmarktwieder erholt, wird Condor als Marktführer im deutschen Ferienflug besonders profitieren."

Attestor übernimmt zunächst 51 Prozent der Anteile von Condor, die restlichen 49 Prozent hält weiterhin die SG Luftfahrtgesellschaft im Auftrag von Bund und Land. Der Investor hat die Option, die verbleibenden Anteile zu einem späteren Zeitpunkt zu erwerben. Um die Arbeitsplätze nachhaltig zu sichern, unterstützen Bund und Land Hessen die Neuaufstellung von Condor mit einer Restrukturierung des KfW-Darlehens. Diese Maßnahme steht noch unter dem Vorbehalt einer EU-beihilferechtlichen Genehmigung. Das verbleibende KfW-Darlehen wird Condor wie vereinbart fristgerecht zurückführen.

Einstieg zur rechten Zeit

Der Einstieg von Attestor kommt zu einem günstigen Zeitpunkt. Denn viele Kunden glauben mit steigendem Impftempo auch an ihren sonnigen Sommerurlaub - vor allem an den Stränden in Südeuropa. Aber auch Fernreiseziele sind wieder gefragt. Buchungssysteme laufen nicht nur bei Condor derzeit heiß. Daher ist es für den deutschen Ferienflieger wichtig, dass er jetzt eine klare Perspektive aufzeigen kann. Denn seit der Trennung von Thomas Cook ist Condor alleine am Markt unterwegs und sucht händeringend frisches Kapital. Ein sogenanntes Schutzschirmverfahren brachte Condor erfolgreich hinter sich, präsentierte die Muttergesellschaft der polnischen LOT als Investor. Doch dann kam Corona und der Deal platzte.

Kraftakt der Beschäftigten

Schon im Schutzschirmverfahren hat Condor-Chef Ralf Teckentrup beim Ferienflieger massiv Kosten gesenkt. Der Airline-Manager machte das Unternehmen fit für die Zukunft. In einem beispiellosen Kraftakt unterstützten die Beschäftigten den einschneidenden Prozess, verzichteten auf rund 30 Prozent ihrer Gehälter. Viele Mitarbeitende haben Teilzeitbeschäftigung ausgeweitet, damit möglichst viele vom Team an Bord bleiben konnten. Condor musste gesundgeschrumpft werden. Die Zahl der Beschäftigten sank um 700 auf 4050.

Der Bund und das Land Hessen haben seit der Thomas Cook-Pleite den angeschlagenen Ferienflieger massiv gestützt. Die Zukunftsfähigkeit sei gegeben, hieß es immer wieder aus Berlin und aus Wiesbaden, denn Condor habe einen traditionsreichen, guten Markennamen, verfüge über gewachsene Verbindungen zu vielen Reiseveranstaltern und habe auch die Kostenstruktur gegenüber Wettbewerbern verbessert.

Streit mit Lufthansa

Der Neustart jetzt aus der Pandemie ist alles andere als leicht. Erst vor wenigen Tagen legten Lufthansa und Condor ihren Streit über Zubringerflüge bei - zumindest für ein Jahr. Was für Kunden mehr Reisesicherheit bedeutet, zeigt der Luftfahrtbranche aber auch, dass ein Verdrängungswettbewerb in vollem Gange ist. Die Kampfansage des großen Rivalen Lufthansa hat Condor mit Unterstützung deutscher Kartellbehörden und der EU-Kommission abgewehrt - vorerst.

Weil Business-Kunden derzeit wenig fliegen, buhlen viele Airlines massiv um die Privatreisenden. Der Lufthansa-Konzern schickt gerade einen neuen Ableger mit dem Namen "Eurowings Discover" an den Start. Eine rein touristische Marke, die ab diesem Sommer das Drehkreuz Frankfurt und Fernreiseziele auf der Langstrecke verbinden soll. Im Herbst sind bereits weitere Kurz- und Mittelstreckenflüge geplant.

Kostenstruktur wie Ryanair

Was Condor für Investoren interessant macht: Der Ferienflieger habe eine Kostenstruktur, die kaum über dem Niveau von Ryanair liegt, sagen Branchenkenner. Und dann ist da noch die Boeing 767-Flotte, die mächtig in die Jahre gekommen ist. Das wird ein spannendes Thema für den Investor, das sich aber auch auszahlen könnte: Würden nämlich die sechzehn Langstreckenflieger durch moderne Airbus A330-900 ersetzt, ließen sich jährlich weit mehr als 100 Millionen Euro sparen.

Gestützt mit KfW-Kredit

Rein formal befindet sich Condor derzeit im Besitz einer Treuhandgesellschaft, die sämtliche Geschäftsanteile an die KfW verpfändet hat. Weltweite Reisebeschränkungen haben das Geschäft für den Ferienflieger aber äußerst schwierig gemacht. Die Luft ist zuletzt auch bei Condor sehr dünn geworden. Die Corona-Hilfen waren endlich.

Das Logo der Fluggesellschaft Condor ist auf einem Smartphone und auf einer Wand dahinter zu sehen | dpa

Nach der Thomas-Cook-Pleite und in der Corona-Pandemie erhielt Condor Staatshilfen. Bild: dpa

Aus dem Corona-Sonderprogramm konnte der Ferienflieger bis zu 550 Millionen Euro abrufen. Rund die Hälfte dieses KfW-Kredits nutzte Condor, um den vorherigen Überbrückungskredit aus dem Schutzschirmverfahren abzulösen. Daneben fielen Kosten für das Rettungsverfahren an.

Blieben also am Ende gerade mal 250 Millionen Euro, um mit der sanierten Airline und vielen am Boden stehenden Flugzeugen aus der Corona-Pandemie zu fliegen. Das verbliebene Geld ist mittlerweile fast aufgebraucht. Kosten laufen aber weiter. Insbesondere der Neustart aus der Pandemie mit dem Hochlauf des Urlaubsgeschäfts kostet Kapital. Da kommt ein neuer Investor für das Unternehmen gerade zur rechten Zeit.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 20. Mai 2021 um 19:00 Uhr.