Logo der Commerzbank an einer Filiale | dpa

Konzernumbau Commerzbank holt zwei neue Vorstände

Stand: 15.09.2021 16:58 Uhr

Das Stühlerücken beim zweitgrößten deutschen Geldhaus geht weiter. Die Commerzbank beruft zwei neue Chefs für das Privatkundengeschäft und das IT-Ressort. Das Institut steckt mitten im Großumbau, dem viele Stellen zum Opfer fallen.

Die personellen Turbulenzen an der Spitze der Commerzbank setzen sich fort: Nachdem es zuletzt bereits einige Wechsel im Top-Management der Frankfurter Bank gab, kommen nun erneut zwei neue Chefs von außen. Thomas Schaufler, der derzeit bei der österreichischen Bank Erste Group arbeitet, soll neuer Privatkundenchef werden. Nachfolger des bisherigen IT-Vorstands Jörg Hessenmüller werde Jörg Oliveri del Castillo-Schulz, der früher in der Beratungsbranche tätig war. Das teilte die Commerzbank nach einer Aufsichtsratssitzung mit und bestätigte damit entsprechende Medienberichte.

Großprojekt gestoppt

Der bisherige IT-Vorstand Hessenmüller war im Zusammenhang mit einem inzwischen gestoppten Großprojekt unter Druck geraten. Anfang 2019 war er in den Vorstand der Commerzbank aufgerückt, sein Vertrag war erst im Juni um fünf Jahre verlängert worden.

Im Juli hatte die Commerzbank dann bei der Auslagerung der Wertpapierabwicklung an eine Tochter der Großbank HSBC, die der 51-Jährige verantwortet hatte, den Stecker gezogen. Abschreibungen von rund 200 Millionen Euro waren die Folge. Auch deshalb schrieb das Institut im zweiten Quartal Verlust in Höhe von einer halben Million Euro. Dabei ist der neue Konzern-Chef Manfred Knof mit dem Ziel angetreten, die Bank wieder nachhaltig in die Gewinnzone zu führen.

Um den Retailkunden-Bereich hatte sich zuletzt Personalvorständin Sabine Schmittroth übergangsweise gekümmert. Im Juni hatte die Commerzbank entschieden, dass sich die 56-Jährige aber wieder auf Personalthemen fokussieren solle - und startete die Suche nach einem Privatkundenchef.

Der Bankmanager Schaufler ist bei der Erste Group bereits Vorstand für das Privatkundengeschäft. Dafür hatte ihn das österreichische Institut bis Dezember 2023 bestellt.

Hunderte Filialen werden geschlossen

Die Commerzbank steckt derzeit mitten im Umbau und streicht konzernweit rund 10.000 Stellen. In Deutschland ist jeder dritte Job betroffen. Das Geldhaus will zudem bis Ende des Jahres 240 Filialen schließen. Bis Ende 2022 soll das Netz in Deutschland schließlich von derzeit 790 auf 450 Standorte fast halbiert werden.

Bereits im ersten Quartal hatte die Commerzbank 465 Millionen Euro für Abfindungen an mehr als 10.000 nicht mehr benötigte Mitarbeiter zurückgestellt. Insgesamt belaufen sich die Aufwendungen für den Konzernumbau seit Jahresbeginn somit auf 976 Millionen Euro.

Doch die Restrukturierung ist nicht die einzige Herausforderung für Commerzbank-Chef Knof. Denn Ende April hatte der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, dass Banken bei Änderungen von Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) die Zustimmung ihrer Kunden einholen müssen (Az.: XI ZR 26/20). Viele Bankkunden können nun einen Teil zu viel gezahlter Gebühren zurückfordern. Die Folgen: millionenschwere Kosten für die Institute.