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Konzernumbau Commerzbank streicht 2300 Stellen

Stand: 28.12.2020 14:26 Uhr

Die Commerzbank treibt den Konzernumbau voran. Bis 2024 sollen 2300 Stellen wegfallen. Auf Basis einer Einigung mit dem Betriebsrat verbucht die Bank dafür nun Kosten von 610 Millionen Euro.

Die Commerzbank legt im Rahmen ihrer Restrukturierung weiteres Geld beiseite. Für die geplanten Stellenstreichungen habe die Bank im Schlussquartal 2020 Rückstellungen in Höhe von 610 Millionen Euro verbucht, teilte die Bank mit. Dieses Geld sei für den Abbau von 2300 Vollzeitstellen bis zum Jahr 2024 vorgesehen.

Die Kosten des Konzernumbaus und die Belastungen durch die Corona-Krise dürften die Bank im laufenden Jahr tief in die roten Zahlen drücken.

Weitere Maßnahmen angekündigt

"Damit schaffen wir die Basis für zwingend notwendige künftige Einsparungen", erklärte Finanzchefin Bettina Orlopp die Entscheidung. Die Commerzbank, die wegen der Niedrigzinsen und der Digitalisierung unter Druck steht, hat sich mit dem Konzernbetriebsrat auf diese Restrukturierungsmaßnahmen für die Jahre von 2021 bis 2024 geeinigt.

Damit aber nicht genug: Die Bank plane zudem weitere Schritte im Rahmen ihrer neuen Strategie, die im ersten Quartal des neuen Jahres angekündigt werden soll. Einzelheiten dazu müssten noch ausgearbeitet und beschlossen werden, erklärte das Geldinstitut, das rund 39.000 Vollzeitstellen hat.

Bei der Commerzbank, dessen größter Anteilseigner seit der Rettung mit Steuermilliarden in der Finanzkrise 2009 der deutsche Staat ist, laufen seit Monaten Diskussionen über zusätzliche Einsparungen. Erwartet werden angesichts fortschreitender Digitalisierung drastische Einschnitte im Filialnetz und ein weiterer Stellenabbau.

Knof soll den Sparkurs vorantreiben

Schon im September 2019 hatte das Geldhaus den Abbau zahlreicher Stellen angekündigt, Investoren gingen die Pläne aber nicht weit genug. Seit Monaten feilt der Konzern daher an zusätzlichen Sparplänen, dem Tausende zusätzliche Jobs zum Opfer fallen dürften.

Finanzkreisen zufolge sollen dem verschärften Sparkurs, den die Bank eigentlich schon im Sommer auf den Weg bringen wollte, 10.000 Stellen und damit jeder vierte Job zum Opfer fallen. Wegen des Rücktritts von Vorstandschef Martin Zielke zieht sich der Prozess aber in die Länge.

Manfred Knof  | dpa

Manfred Knof soll die Commerzbank ab Januar umstrukturieren. Bild: dpa

Zielke hatte nach harscher Kritik seinen Rückzug angekündigt. Erst der neue Konzernchef Manfred Knof, der sein Amt am 1. Januar 2021 antritt, kann Nägel mit Köpfen machen. Der bisherige Deutsche-Bank-Manager Knof gilt als harter, durchsetzungsstarker Sanierer und als Spezialist für schwierige Aufgaben. In seiner Zeit bei der Allianz trieb er die Digitalisierung voran und trat - auch mittels Stellenstreichungen - auf die Kostenbremse.

2020 tief in der Verlustzone

Bereits im dritten Quartal hatten die Schließung von 200 der 1000 Filialen und ein Altersteilzeitangebot für Mitarbeiter zu Aufwendungen von 201 Millionen Euro geführt. Daraus sowie aus den neuen Rückstellungen summiert sich der Stellenabbau auf 2900 Vollzeitjobs, wie es hieß.

Neben den Kosten für den Konzernumbau setzen der Commerzbank die Corona-Krise, die niedrigen Zinsen und die Digitalisierung zu. Rote Zahlen sind die Folge.

Allein in den ersten neun Monaten des Jahres hatte das Geldhaus einen Verlust von 162 Millionen Euro erwirtschaftet - nach 681 Millionen Euro Gewinn im Vorjahreszeitraum. Von der Bank selbst befragte Analysten hatten zuletzt im Schnitt ein Minus von mehr als 300 Millionen Euro für 2020 vorhergesagt - dabei allerdings nur mit halb so hohen Restrukturierungsaufwendungen gerechnet.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. Dezember 2020 um 14:12 Uhr.