Helmut Gottschalk

Gottschalk als Vetter-Ersatz Commerzbank findet Aufsichtsratschef

Stand: 29.03.2021 10:22 Uhr

Die Commerzbank hat nach einer schwierigen Suche einen neuen Aufsichtsratschef gefunden: Helmut Gottschalk, früherer Chefkontrolleur der DZ Bank. Mit ihm könnte nach turbulenten Monaten Ruhe einkehren.

Die Commerzbank hat einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden gefunden. Der ehemalige Aufsichtsratschef der DZ Bank, Helmut Gottschalk, solle neuer Chefkontrolleur werden, teilte die Commerzbank mit. Demnach ist vorgesehen, dass Gottschalk auf der Hauptversammlung, die kurzfristig anberaumt werden dürfte, von den Aktionären als neues Aufsichtsratsmitglied und anschließend von dem Kontrollgremium zum Chef gewählt werden wird.

Die Personalie schürt die Hoffnung, dass das Führungschaos bei der Commerzbank beendet wird. Gottschalk folgt in seiner neuen Funktion auf Hans-Jörg Vetter nach, der sein Amt am 16. März nach nur wenigen Monaten überraschend aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt hatte.

Erfahrung als Bank-Aufsichtsratschef

Gottschalk hat bereits Erfahrung mit einem herausgehobenen Kontrollposten einer großen deutschen Bank. Er bekleidete ein solches Amt bereits von 2010 bis 2018 bei der DZ Bank. Als Aufsichtsratschef des Spitzeninstituts der Volks- und Raiffeisenbanken galt er als gut vernetzt in der Branche. Unter ihm schafft es die DZ Bank, die mehrmals gescheiterte Fusion mit der Düsseldorfer WGZ Bank über die Bühne zu bekommen.

Weiterer Posten zu besetzen

Offen bleibt vorerst ein weiterer Posten im Aufsichtsrat. So hatte sich vergangenen Mittwoch Andreas Schmitz mit sofortiger Wirkung zurückgezogen. Der einstige Vorstandssprecher und Aufsichtsratschef der Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt saß erst seit Anfang des Jahres im Aufsichtsrat der Commerzbank. Schmitz war als möglicher Nachfolger von Vetter gehandelt worden.

Laut Reuters erfolgte der Schritt, da es gegen Schmitz bereits seit 2016 Ermittlungen im Rahmen des "Cum-Ex"-Steuerskandals gibt. Die Nachrichtenagentur hatte sich bei ihrem Bericht auf so genannte Insider berufen. Schmitz äußerte sich dazu nicht.

Neuer Vorstandschef seit Jahresanfang

Die Commerzbank hat turbulente Monate hinter sich. So war Vetter erst im August 2020 an die Spitze des Commerzbank-Aufsichtsrats gerückt. Zuvor hatten sein Vorgänger Stefan Schmittmann und der damalige Vorstandschef Martin Zielke überraschend ihre Rücktritte bekannt gegeben und damit die Commerzbank in eine Führungskrise gestürzt.

Der seit Jahresanfang amtierende neue Vorstandschef Manfred Knof hat der Commerzbank einen harten Sparkurs verordnet. Gemäß der neuen Strategie soll die Zahl der weltweiten Vollzeitstellen im Konzern bis Ende 2024 von zuletzt knapp 40.000 auf 32.000 fallen.

In Deutschland ist sogar jeder dritte Arbeitsplatz betroffen. Betriebsbedingte Kündigungen will die Bank dabei so weit wie möglich vermeiden. Das Filialnetz soll auf 450 Standorte fast halbiert werden. Nach einem Milliardenverlust 2020 will Vorstandschef Knof die Bank mit dem Umbau wieder nachhaltig in die schwarzen Zahlen bringen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. März 2021 um 17:24 Uhr.