Unmontierte Mercedes-Sterne im Daimler-Werk in Rastatt | REUTERS

Wegen Chipmangels Tausende bei Daimler in Kurzarbeit

Stand: 21.04.2021 15:54 Uhr

Der weltweite Chipmangel belastet zunehmend die europäischen Autobauer. So muss Daimler Tausende Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken - und Peugeot baut bei einem Modell wieder analoge Tachos ein.

Daimler muss an zwei Standorten Tausende Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Grund ist nicht der schleppende Absatz, sondern der anhaltende Mangel an elektronischen Bauteilen. Betroffen ist ein Großteil der Beschäftigten der Mercedes-Werke in Rastatt und Bremen. Daimler teilte am Mittwoch mit, in den beiden Fabriken werde die Pkw-Produktion gedrosselt und Kurzarbeit zunächst von 23. April bis Anfang Mai beantragt.

Im Bremer Werk sind mehr als 12.000 Mitarbeiter beschäftigt, in Rastatt rund 6500. Ausgenommen von der Kurzarbeit sind nach Unternehmensangaben an beiden Standorten Mitarbeiter in "strategischen Projekten" und sogenannten Grundfunktionen. Dazu zählt Daimler etwa die Bereiche Instandhaltung und Versorgung sowie Qualifizierungsthemen. Zunächst hatten lokale Medien über die Kurzarbeitspläne an den jeweiligen Standorten berichtet.

Unterbrechung zur Unzeit

Die Produktionsunterbrechung trifft das Bremer Werk offenbar zu einer Unzeit. Die Auftragslage sei gut, zitiert der "Weser Kurier" einen Sprecher der IG Metall. Zudem sei die im dortigen Werk produzierte neue C-Klasse betroffen, die im Februar vorgestellt wurde und demnächst an die Kunden ausgeliefert werden soll. Bereits im Januar waren die Bremer Daimler-Mitarbeiter zu einer Pause gezwungen worden. Ursache waren auch damals fehlende Halbleiterkomponenten.

Daimler äußerte sich auf Anfrage nicht im Detail zu der Frage, ob nun auch für weitere Werke Kurzarbeit geplant sei. Man sei im Austausch mit den Chip-Lieferanten und passe "falls nötig" die Fahrweisen in einzelnen Werken an, hieß es lediglich. Die Situation sei volatil, man fahre auf Sicht.

Auch VW, Ford und Peugeot betroffen

Die weltweiten Lieferengpässe bei Elektronik-Chips zwingen auch andere Autobauer zu Unterbrechungen der Produktion. So stehen bei Ford in einigen Werken die Bänder still, bei Volkswagen in Emden ist die Produktion für zwei Wochen unterbrochen. Tausende Beschäftigte wurden in die Kurzarbeit geschickt.

In Frankreich greift der zum Stellantis-Konzern gehörende Autobauer Peugeot zu einem ungewöhnlichen Mittel: Wegen des Chipmangels werden von Mai an bei dem Modell 308 anstelle der eigentlich vorgesehenen digitalen Tachometer wieder analoge Tachos eingesetzt. Digitale Armaturenbretter bleiben stärker gefragten Fahrzeugen wie dem SUV 3008 vorbehalten. Die Kunden sollen deshalb einen Preisabschlag erhalten, berichtete der französische Nachrichtensender LCI. Das aktuelle Modell des Peugeot 308 läuft im Herbst aus. Die nächste Generation des Kompaktwagens soll dann wieder einen digitalen Tacho bekommen - vorausgesetzt, dass bis dahin genügend Chips zur Verfügung stehen.

Eine Prognose zu den geschäftlichen Auswirkungen des Chipmangels wagen die Autobauer bisher nicht, weil die Lage auf dem Chipmarkt zu unübersichtlich sei. Nach Einschätzung von Analysten hat den Konzernen der Engpass bisher aber mehr genützt als geschadet: Das Neuwagenangebot wurde dadurch geringer, während in China und den USA die Nachfrage hoch ist. So konnten höhere Preise durchgesetzt werden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. April 2021 um 16:00 Uhr.