Blick in einen Verbindungsprozess (Aluminiumbonden) zwischen Elektronikträger und Halbleiter | dpa

Mehr Unabhängigkeit von China USA pumpen 52 Milliarden in Chipindustrie

Stand: 09.08.2022 20:09 Uhr

Die Förderung der Chipindustrie ist auf der politischen Agenda ganz oben angesiedelt. Nach Europa pumpen jetzt auch die USA hohe Milliardenbeträge in die strategisch wichtige Branche.

Im Wettrennen mit China und Europa greifen die USA ihrer heimischen Chipindustrie mit milliardenschweren Subventionen unter die Arme. Am Dienstag unterzeichnete US-Präsident Joe Biden den rund 52 Milliarden Dollar schweren "US Chips and Science Act". Die Chefs von Micron, Intel, Lockheed Martin, HP und AMD sowie weitere Industrie- und Gewerkschaftvertreter, Abgeordnete und Gouverneure waren bei der Unterzeichnung anwesend. Details der Förderungen müssen noch ausgearbeitet werden.

Mit 52 Milliarden Dollar (knapp 51 Milliarden Euro) soll dem Gesetz zufolge die Produktion von Halbleitern in den USA angekurbelt werden. Ein großer Teil des Geldes fließt demnach auch in die Forschung und Entwicklung. Die Nachfrage nach Halbleitern war während der Corona-Pandemie stark gestiegen, was - verschärft durch Werksschließungen in China wegen dortiger Lockdowns - zu weltweiten Engpässen führte. Die US-Wirtschaft, deren Anteil an der weltweiten Halbleiterproduktion in den vergangenen Jahren zugunsten Asiens stark zurückgegangen war, litt darunter besonders.

Europa hat schon vorgelegt

Erst im Februar hatte die EU-Kommission das europäische Pendant, den "European Chips Act", auf den Weg gebracht. Seither wurden schon milliardenschwere Fabrikprojekte von Intel in Magdeburg und an anderen europäischen Standorten auf den Weg gebracht. Die EU-Kommission hat dabei die besondere Bedeutung der Chipindustrie für die industrielle Wertschöpfungskette betont.

Auch in den USA stehen bereits mehrere Unternehmen in den Startlöchern. So will Qualcomm zusätzliche Halbleiter für 4,2 Milliarden Dollar von GlobalFoundries in New York kaufen. Aktuell leiden vor allem Autohersteller und Elektronikkonzerne unter der andauernden Chipknappheit. Die Lieferengpässe heizen auch die ohnehin schon stark gestiegene Inflation an.

Micron kündigt Investitionen an

Der US-Speicherchip-Hersteller Micron kündigte kurz vor der Unterzeichnung des Gesetzes Investitionen in Höhe von 40 Milliarden Dollar in die Halbleiterproduktion in den USA an. Standorte für neue Werke nannte das Unternehmen zunächst nicht. Es plane aber, "in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts mit der Produktion zu beginnen".

Biden begrüßte die Ankündigung. "Zwei weitere Unternehmen, GlobalFoundries und Qualcomm, haben gestern eine Partnerschaft im Wert von vier Milliarden Dollar angekündigt, um in den USA Halbleiter zu produzieren, die sonst ins Ausland gegangen wären", betonte er zudem.

Allerdings senkte Micron heute wegen einer schwachen Nachfrage nach PCs und anhaltender Lieferengpässe seinen Ausblick. Es werde für das im September startende erste Geschäftsquartal mit einem negativen Geldfluss (free cash flow) gerechnet, teilte das Unternehmen mit. Zugleich dürften Umsatz wie auch Marge "signifikant" sinken. An der New Yorker Technologiebörse Nasdaq kam das nicht gut an. Die Aktie verliert rund fünf Prozent.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. August 2022 um 21:30 Uhr.