Eine Person im Sicherheitsanzug geht am Flughafen von Peking an dem Logo der Olympischen Winterspiele 2022 vorbei | REUTERS

Sorgen der Wirtschaft Neue Lockdowns wegen Olympia?

Stand: 04.02.2022 18:14 Uhr

Wegen Olympia könnte sich Omikron auch in China ausbreiten. Die Wirtschaft erfüllt das mit Sorge, denn Peking setzt auf "Null Covid". Werden wieder Fabriken geschlossen?

Von Bianca von der Au, ARD-Börsenstudio

Die chinesische Führung setzt alles daran, eine Ausbreitung der Omikron-Mutante im Land zu verhindern - auch und gerade während der Olympischen Spiele. Doch ob dies tatsächlich gelingt, ist ungewiss - und was passiert, wenn nicht?

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) malt schon den Teufel an die Wand. Sollten die Olympischen Spiele zum Superspreader-Event werden und die hochansteckende Omikron-Variante in die Volksrepublik tragen? Dann könnte es erneut zum Stocken der globale Lieferketten kommen, warnt der BDI. Wegen der Null-Covid-Strategie in China dürften dann Fabriken, wichtige Frachthäfen oder sogar ganze Städte geschlossen werden.

Omikron könnte neue Abschottung verursachen

Diese Abrieglung würde auch der deutschen Wirtschaft schaden, zumal der Handelsverkehr noch weit vom Normalmaß entfernt sei, so Konjunktur-Experte Klaus-Jürgen Gern vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. "Ich glaube, dass das nicht nur durch die Olympiade, sondern überhaupt wegen der hohen Ansteckungsfähigkeit des Omikron-Virus wahrscheinlich ist, dass die Chinesen immer wieder Ausbrüche haben werden und dass es, solange sie bei ihrer Strategie bleiben, zu erheblichen Lockdowns kommen wird." Die Frage aus Sicht von Gern ist, ob China nicht so langsam von seiner Null-Covid-Strategie abrücken sollte - zumal Omikron zwar hoch ansteckend, aber offenbar weniger gefährlich ist als andere Corona-Varianten.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat bereits zu einem Umlenken aufgerufen, denn er sieht wegen der drohenden Omikron-Gefahr in China eine "bedeutsame Flaute" kommen. Die Chancen, dass Peking reagiert, seien jedoch gering, glaubt Max Zenglein, Chefvolkswirt des Mercator Institute for China Studies. "Es wird die chinesische Covid-Politik sicherlich auf den Prüfstand stellen. Ich glaube allerdings, dass man es schaffen wird, es regional zu begrenzen", so Zenglein. "Aber natürlich: Das Risiko besteht, dass mehrere Bereiche betroffen werden." Allerdings sehe er keinen "Schock-Moment" wie vor zwei Jahren, als die ganze Pandemie begann.

"Die Zeichen stehen auf Konfrontation"

Dass durch die Olympischen Spiele das Risiko einer Verbreitung des Virus in China steigt, sieht auch der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. Kurzfristig könnten dadurch Lieferungen an die deutsche Industrie erneut oder weiter stocken. Langfristig sieht der Ökonom aber eine Gefahr in Chinas Strategie, wirtschaftlich unabhängig vom Westen zu werden. Die Zeichen stünden zunehmend auf Konfrontation, meint Krämer.

Da passe es ins Bild, dass kein Regierungsvertreter aus Deutschland und anderen westlichen Ländern die Eröffnungsfeier in Peking besuchen wird. Zwar glaube er nicht, dass wegen der Teilnahme oder Nicht-Teilnahme von Politikern direkte Auswirkungen für die Wirtschaft zu befürchten seien. "Ganz generell muss man aber sehen, dass der Westen sich immer mehr in einer konfrontativen Situation befindet gegenüber China", warnt Krämer.

Verbünden sich China und Russland?

Die Teilnahme von Russlands Regierungschef Putin an der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Peking entfaltet da eine besondere Symbolkraft. Der Schulterschluss zwischen Putin und Xi Jiping, während die westliche Welt einen Einmarsch Russlands in der Ukraine fürchtet. Diese Olympischen Spiele sind in vielerlei Hinsicht hochbrisant.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Februar 2022 um 12:45 Uhr.