HNA-Hochhaus in Peking | REUTERS

Unternehmensgruppe HNA Chinesischer Großkonzern vor Zerschlagung

Stand: 29.01.2021 15:09 Uhr

Fluglinien, Banken, Hotels und ein deutscher Regionalflughafen - die Geschäfte des chinesischen Mischkonzerns HNA gelten als schwer durchschaubar. Nun geht dem hochverschuldeten Unternehmen das Geld aus.

Die HNA-Gruppe hatte schon vor Beginn der Covid-19-Pandemie Finanzprobleme. Die weltweit wegen Corona eingebrochenen Tourismus-Einnahmen haben dem chinesischen Unternehmen zusätzlich zugesetzt. Nach Berichten staatlicher Medien konnte HNA zuletzt fällige Schulden nicht mehr zurückzahlen. Demnach haben Kreditgeber von HNA nun bei einem Gericht im südchinesischen Landesteil Hainan beantragt, den Konzern für zahlungsunfähig zu erklären.

Konzern soll entflochten werden

Das bedeutet nicht, dass HNA und die weltweit mehr als 2000 Tochterfirmen den Betrieb einstellen. Vielmehr soll die Unternehmensgruppe umstrukturiert werden. In den chinesischen Medien wird betont, dass staatliche Stellen schon seit Monaten prüfen, wie HNA als Unternehmen neu aufgestellt werden kann.

Die US-Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass versucht werden soll, die Unternehmensteile ohne Luftfahrt-Bezug vom Konzern zu trennen und möglichst zu verkaufen.

Beteiligungen auch in Deutschland

Die Der HNA-Konzern hat seinen Sitz in der südchinesischen Stadt Haikou. Er war in den 1990er-Jahren gegründet worden, zunächst als reiner Luftfahrtkonzern. Bis vor wenigen Jahren kaufte HNA weltweit für viele Milliarden Euro Unternehmen auf, vor allem solche aus der Luftfahrt- und Tourismusbranche, aber auch Aktienpakete anderer Konzerne. So erwarb ein Vermögensverwalter aus Wien im Auftrag von HNA zeitweise zehn Prozent der Anteile der Deutschen Bank, die 2019 aber wieder verkauft wurden.

Zu dem Mischkonzern gehören außerdem unter anderem mehrere chinesische Fluggesellschaften, darunter Hainan Airlines; darüber hinaus 25 Prozent des Hotelkonzerns Hilton und die Mehrheit am Regionalflughafen Hahn in Rheinland-Pfalz.

Druck aus dem In- und Ausland

Für seine undurchsichtige Firmenstruktur wurde HNA immer wieder kritisiert. Die Regierung in Peking, aber auch Aufsichtsbehörden in Übersee geboten dem Expansionsdrang von HNA letztlich Einhalt, die meisten Auslandsbeteiligungen wurden verkauft. Seit drei Jahren hatte sich das Unternehmen wieder auf das Kerngeschäft Luftfahrt und Tourismus konzentriert. Doch dann ließ die Corona-Pandemie die Erlöse einbrechen, so dass dem Unternehmen das Geld auszugehen droht.

Inzwischen ist HNA einer der überschuldetsten Großkonzerne der Welt. Im Februar vergangenen Jahres wurde das Unternehmen de facto von der chinesischen Staatsführung übernommen, genauer gesagt von der Regionalregierung der Provinz Hainan. In den vergangenen Tagen gab es im Management von HNA mehrere Wechsel.

Mit Informationen von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Über dieses Thema berichteten am 29. Januar 2021 B5 aktuell um 20:40 Uhr und SWR aktuell Rheinland-Pfalz um 22:00 Uhr.