Chemieanlagen auf dem Werksgelände von BASF in Ludwigshafen | dpa

Hohe Wachstumsraten Chemie-Industrie auf Rekordjagd

Stand: 18.08.2021 14:13 Uhr

Die deutsche Chemie-Industrie lässt die Corona-Krise dank hoher Wachstumsraten hinter sich und steuert auf ein Rekordjahr zu. Zu schaffen macht der Branche allerdings der rasant gestiegene Strompreis.

Die deutsche Chemie-Industrie hat ihre Bilanz für das erste Halbjahr 2012 vorgelegt. In den sechs Monaten bis Juni kletterte der Umsatz der drittgrößten deutschen Industriebranche um zwölf Prozent auf den Rekordwert von 111 Milliarden Euro, wie der Verband der Chemischen Industrie (VCI) berichtete. Dazu trugen neben der guten Nachfrage im In- und Ausland auch kräftig anziehende Preise (plus 4,7 Prozent) bei.

Rekorde bei Umsatz und Investitionen

Für das laufende Jahr rechnet VCI-Präsident Christian Kullmann trotz angespannter Lieferketten und Engpässen bei Vorprodukten mit einem Umsatzrekord von 211 Milliarden Euro. Der bisherige Bestwert stammt aus dem Jahr 2018 mit 203 Milliarden Euro, während im Corona-Jahr 2020 nur knapp 190 Milliarden Euro erlöst wurden.

"Zum zweiten Mal nach 2018 wird unsere Industrie in diesem Jahr die Schallmauer von 200 Milliarden Euro durchbrechen und mit einem Umsatzrekord das Vorkrisenniveau deutlich übertreffen", sagte Kullmann.

Auch bei den Investitionen für Sachanlagen sei ein Rekord zu erwarten. Der Chemieverband geht von einem Anstieg auf knapp neun Milliarden Euro nach 8,4 Milliarden Euro im Vorjahr aus. Der Grund: Aufgeschobene Projekte aus dem Vorjahr werden nachgeholt und Kapazitäten ausgeweitet.

Jedes fünfte Unternehmen an Kapazitätsgrenze

Die Produktion stieg im ersten Halbjahr um 5,9 Prozent. Im zweiten Halbjahr könnte sich die Dynamik allerdings etwas abschwächen. Für das Gesamtjahr 2021 rechnet der VCI mit einem Produktionsanstieg von 4,5 Prozent. Aktuell stößt jedes fünfte Unternehmen Verbandsangaben zufolge bei der Produktion bereits an seine Kapazitätsgrenzen.

Laut VCI profitierten fast alle Produktbereiche von dem Aufschwung. Besonders groß fiel das Plus bei der Grundstoffchemie aus: Die Produktion von Kunststoffen (Polymeren) stieg um über 20 Prozent. Einzig bei chemischen Konsumgütern wie Seifen, Wasch- und Reinigungsmitteln gab es einen Mengenrückgang.

Branche sieht Handlungsbedarf beim Strompreis

Die größten Investitionshemmnisse sind einer VCI-Mitgliederbefragung zufolge hohe Kosten (Steuern, Abgaben, Baukosten), langsame Genehmigungsverfahren und hohe Energiekosten. Vor der Bundestagswahl fordert die Industrie daher schnellere Genehmigungen, geringere Steuern und mehr Forschungsförderung.

Akuten Handlungsbedarf sieht der VCI zudem beim Strompreis, der für die Unternehmen derzeit drei Mal so hoch sei wie im Vorjahr. Das treffe besonders den Mittelstand hart.

Für die Klimawende werde es absehbar viel mehr Strom brauchen, der aber gleichzeitig künstlich verteuert werde, klagte Kullmann. Die für 2022 beschlossene Senkung der Umlage für Erneuerbare Energien (EEG) könne bestenfalls ein Anfang sein. "Das EEG muss so schnell wie möglich weg."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. August 2021 um 12:00 Uhr.