Ein Prototyp des chinesischen Passagierflugzeugs C919 startet zu einem Testflug in Shanghai | via REUTERS

Chinas Passagierjet C919 hinkt Zeitplan hinterher

Stand: 19.06.2021 07:29 Uhr

Chinas im eigenen Land entwickelte Passagiermaschine C919 soll Airbus und Boeing Konkurrenz machen. Doch noch fehlt die Zulassung - und auch für die erste Auslieferung gibt es weiter keinen Termin.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Chinas Staatsführung hat in den vergangenen Jahren viele Milliarden in die Entwicklung und den Bau eigener Passagierflugzeuge investiert. Große Hoffnungen liegen auf der C919. Dieses Mittelstrecken-Flugzeug des staatlichen Herstellers Comac soll künftig bis zu 190 Passagiere befördern können. In Sachen Größe und Ausstattung ist die C919 vergleichbar mit dem Airbus A320 und der 737 von Boeing.

"Technisch gesehen ist die C919 eigentlich ein internationales Flugzeug", sagt David Yu, Luftfahrtanalyst und Wirtschaftsprofessor an der Shanghaier New York University. Viele Einzelteile der Maschine kämen aus den USA und aus Europa. "Zusammengebaut wird das dann eben in Shanghai. Ja, die C919 ist ein chinesisches Flugzeug, aber mit einem bedeutenden Anteil ausländischer Bauteile", sagt Yu.

Zulassung in China noch in diesem Jahr möglich

Ihren Jungfernflug hatte die C919 vor vier Jahren. Ab wann die Maschine ausgeliefert wird, ist aber noch unklar. Das Projekt liegt mehrere Jahre hinter dem Zeitplan zurück, was aber bei allen Herstellern weltweit normal ist, wenn sie neue Flugzeugmodelle entwickeln.

Bisher hat die C919 nicht einmal eine offizielle Zulassung der chinesischen Aufsichtsbehörde für Zivilluftfahrt (CAAC). Wenn diese Zulassung erteilt ist - und das könnte noch dieses Jahr passieren -, wird die Maschine wohl trotzdem erstmal nur in China fliegen. Denn noch ist unklar, ob auch die zuständigen Luftfahrtbehörden in Europa (EASA) und den USA (FAA) die Maschine zulassen werden.

Das in China entwickelte Passagierflugzeug C919 startet zu seinem Jungfernflug (Archivbild von 2017) | picture alliance / Andy Wong/AP/dpa

2017 startete die C919 zu ihrem Jungfernflug - der Beginn der Auslieferung ist derzeit noch offen. Bild: picture alliance / Andy Wong/AP/dpa

Erstmal wohl nur im Inland unterwegs

Dennoch: Selbst wenn der chinesische Mittelstreckenjet wohl erstmal nur auf Inlandsstrecken in der Volksrepublik fliegen darf, werde das an Airbus und Boeing nicht spurlos vorbeigehen, sagt Luftfahrtanalyst Yu. "Asien und vor allem China sind der größte Wachstumsmarkt für die Flugzeugbranche. Schaut man sich außerdem noch an, wer das Flugzeug bestellt hat - vor allem chinesische Fluggesellschaften und Leasingfirmen -, dann wird klar: Der C919 wird den Marktanteil von Airbus und Boeing in China reduzieren", so Yu.

In China gehören alle Fluggesellschaften und sogar Leasingfirmen dem Staat - oder sie unterstehen den Weisungen der kommunistischen Führung. Diese kann also letztlich darüber entscheiden, welcher Flugzeugtyp von wem gekauft wird. Auch das ist ein klarer Vorteil für den staatlichen chinesischen Hersteller Comac.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Juni 2021 um 17:20 Uhr in der Sendung "Wirtschaft am Mittag".