Ein Brief wird in einen Briefkasten geworfen. | dpa

Telekommunikation und Post Mehr Beschwerden in der Pandemie

Stand: 16.12.2021 14:44 Uhr

Seit Corona werden Telekommunikations- und Postdienste besonders stark genutzt. Laut Behörden stieg auch die Zahl der Beschwerden über verloren gegangene Pakete oder den Missbrauch von Rufnummern deutlich.

Von Jörg Sauerwein, WDR

In den vergangenen zwei Jahren war das Telekommunikationsnetz besonders stark gefragt. Und immer wieder mal läuft es nicht so, wie es sich die Nutzer vorstellen - so auch diesmal bei der Online-Pressekonferenz von Bundesnetzagentur und Monopokommission: Sie musste wegen Leitungsproblemen zeitweise unterbrochen werden.

Insgesamt aber ist die Lage beim Netzausbau aus Sicht der Bundesnetzagentur trotzdem besser als ihr Ruf: "In der Breite hat Deutschland durchaus ein gutes Versorgungsniveau", sagt Behördenchef Jochen Homann. "Für über 62 Prozent der Haushalte waren Mitte des Jahres Gigabitgeschwindigkeiten verfügbar; sogar annähernd 90 Prozent hatten Zugang zu Anschlüssen mit 100 Megabit pro Sekunde."

Vorhandene Infrastruktur teilweise ungenutzt

Das sieht auch Jürgen Kühling so, der Vorsitzende der Monopolkommission. Das Problem sei schon jetzt eher, dass längst nicht alle Möglichkeiten ausgenutzt würden, die es jetzt schon gebe. "Es ist so, dass nur 30 Prozent der verfügbaren Glasfaseranschlüsse tatsächlich genutzt werden", so Kühling. Es gebe also eher das Problem, dass die vorhandenen Infrastrukturen zum Teill nicht genutzt werde, "als dass wir nur ein Problem haben, die Infrastrukturen weiter voranzubauen".

Auch im Mobilfunk habe sich die Flächenversorgung deutlich verbessert und könne sich im internationalen Vergleich inzwischen sehen lassen, heißt es von der Bundesnetzagentur - auch wenn es gerade in ländlichen Regionen immer noch weiße Flecken gebe.

Anzahl der Beschwerden mehrt sich

Für Ärger bei vielen Verbrauchern sorgt unter anderem der Missbrauch von Rufnummern. Bei der Bundesnetzagentur sind schon bis Ende November mehr als 138.000 schriftliche Beschwerden und Anfragen eingegangen. "Wenn sie das vergleichen mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum, da waren es 84.000, dann kriegen sie einen Eindruck, wie stark hier die Zahl gestiegen ist", erläutert Homann. "Das ist schon ziemlich enorm." 

Es waren vor allem Beschwerden wegen unerlaubter Werbefaxe, in denen zum Beispiel für Masken und Corona-Schnelltests geworben wurde. Noch mehr Beschwerden gab es über Spam-Nachrichten per SMS. Häufig wurden darin Links verschickt, mit denen Kriminelle dann zum Beispiel versuchen wollten, an Daten heranzukommen.

Beschwerdemöglichkeit spricht sich herum

In absoluten Zahlen sind die Beschwerden im Post- und Paketbereich zwar noch deutlich geringer, steigen aber auch spürbar an. Einerseits wissen inzwischen immer mehr Menschen von der Möglichkeit einer Beschwerde - zum Beispiel wegen beschädigter oder verloren gegangener Pakete. Andererseits ist in diesem Jahr eine Postgesetz-Novelle in Kraft getreten. Sie verpflichtet alle Postunternehmen, an Schlichtungsverfahren bei der Bundesnetzagentur teilzunehmen. Schon bis Ende September gab es deshalb mit gut 2800 Beschwerden über 50 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Behörde sei darüber froh, so Homann, mit diesem Instrument den Bürgerinnen und Bürgern helfen zu können, vor allem in "den Fällen, wo der Verbraucher gar nicht erst vor Gericht geht, weil es am Ende ihm zu riskant ist, was da auf dem Spiel steht möglicherweise an Kosten für ihn".

Konkurrenz belebt das Geschäft

Für den Paketmarkt sehen Bundesnetzagentur und Monopolkommission die Marktsituation durchaus positiv. Es gebe ausreichend Konkurrenz zur Deutschen Post - erst recht, seitdem der Onlinehändler Amazon seine eigene Zulieferung immer weiter ausbaue.

Nicht so glücklich ist die Monopolkommission allerdings bei den Briefen. Da habe die Post nach wie vor ein "Quasi-Monopol". Deshalb fordert die Kommission eine Reform des Postgesetzes. Beim Preis für das Porto bei einem Standardbrief liegt die Post aber nach einer Untersuchung der Bundesnetzagentur derzeit noch unter dem internationalen Durchschnitt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. Dezember 2021 um 14:41 Uhr.