Blick in einen Buchladen in Frankfurt am Main | Bildquelle: dpa

Lockdown und Online-Konkurrenz Buchhandel befürchtet schwieriges Jahr

Stand: 08.01.2021 09:26 Uhr

Kaum hatten sich die Buchhandlungen vom ersten Lockdown erholt, kam der zweite - ausgerechnet kurz vor Weihnachten. Das schlägt sich in der Jahresbilanz der Branche nieder.

Von Alex Jakubowski, HR

Buchhändlerin Andrea Tuscher ist gerade auf dem Sprung: Sie will bestellte Ware an ihre Kunden in Offenbach und Umgebung ausliefern. "Früher haben wir ein bis zweimal die Woche Bücher ausgefahren, jetzt in Lockdown-Zeiten sind zwei Boten täglich unterwegs", sagt sie. Eigentlich ist sie noch im Urlaub, aber die Kundenbindung sei für ihren Buchladen wichtig - auch wenn sich die Botengänge wegen der Benzinkosten und Löhne für die Lieferanten wirtschaftlich kaum rechnen.

Kommenden Montag will sie ihren Buchladen auch wieder für den Abholservice öffnen. Der sei unabdingbar für die Branche, betont der Börsenverein des deutschen Buchhandels und appelliert an Sachsen, dort die kontaktlose Abholung zu erlauben. Der Freistaat ist zur Zeit das einzige Bundesland, das das verbietet.

Unterm Strich steht ein dickes Minus

Der zweite Lockdown belastet den Buchhandel erneut. Der Umsatzrückstand aus dem Frühjahr konnte in den vergangenen Monaten zwar stetig verringert werden, das Geschäft in den Buchläden vor Ort schließt das Jahr 2020 laut Börsenverein allerdings mit einem Minus von 8,7 Prozent ab. Über alle Vertriebswege hinweg - also Buchläden und Online-Handel, aber auch Bahnhofsbuchhandlungen und Kaufhausabteilungen - sind es Minus 2,3 Prozent.

"Angesichts der am Dienstag beschlossenen Verlängerung des Shutdowns steht der Buchbranche ein weiteres schwieriges Jahr bevor", meint Karin Schmidt-Friderichs, die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Lichtblick: Kinder- und Jugendbücher

Bei der Reiseliteratur ging der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 26,1 Prozent zurück. Andere Segmente sind weniger betroffen. Bei der Belletristik ist es ein Rückgang von 1,6 Prozent, bei Sachbüchern ein Minus von 1,3 Prozent. Kinder- und Jugendbücher wurden dagegen sogar mehr gekauft. Der Verband spricht von einem Zuwachs von 4,7 Prozent - bezogen auf alle Vertriebswege.

Im stationären Handel, den Buchläden vor Ort, ging der Verkauf jedoch selbst in diesem Segment zurück - um 6,3 Prozent. Es ist zu vermuten, dass der Zuwachs über alle Vertriebswege hinweg vor allem dem Online-Handel zu verdanken ist. Genaue Zahlen hierzu gibt es erst Mitte des Jahres.

Dass die Kunden mehr über das Internet bestellen, vermutet auch Comichändler Gerhard Kurowski vom Frankfurter Comicladen T3 Terminal Entertainment. "Wir selbst haben keinen Online-Shop, deshalb ist unser Geschäft im Dezember massiv eingebrochen. Die Woche vor und die nach Weihnachten sind die stärksten des Jahres. Da fehlt uns jetzt fast 80 Prozent des Umsatzes", so der Geschäftsführer.

Das Weihnachtsgeschäft brach massiv ein

Zwar war der 14. Dezember noch der umsatzstärkste Tag des Jahres - zwei Tage vor den erneuten Ladenschließungen. An diesem Tag wurde 70 Prozent mehr Umsatz im Geschäft vor Ort gemacht und 60 Prozent über alle Vertriebswege hinweg. Dennoch fehlt der Branche das wichtige Weihnachtsgeschäft.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat ging im Dezember 2020 der Umsatz laut Branchen-Monitor Buch um 19,6 Prozent zurück. "Was uns gefehlt hat, war das klassische Stöbern am Büchertisch", meint Buchhändlerin Tuscher. "Das Buch, das man zufällig entdeckt und für Oma oder Onkel noch schnell mitnimmt, kurz vor den Feiertagen."

Stammkunden halten die Läden am Leben

Um über die Runden zu kommen, setzt man im Comicladen in Frankfurt am Main auf die Stammkundschaft. Durch den Kauf von Gutscheinen hilft sie mit, dass der Laden für den Moment liquide bleibt. Den ersten Lockdown hat man so gut überstanden und sich dann über das Jahr einigermaßen erholt. "Im Sommer haben uns aber die Touristen gefehlt, im November hat uns die Zugangsbeschränkung in den Laden beeinträchtigt. Und jetzt der große Verlust im Dezember", so Kurowski. Viel hängt jetzt davon ab, wann die Geschäfte wieder öffnen dürfen. Doch es fällt dem Geschäftsführer und Inhaber derzeit schwer, optimistisch in die Zukunft zu blicken.

Weil Andrea Tuscher viele Schulen und Kanzleien mit Fachbüchern beliefert, ist ihre Jahresbilanz nicht ganz so schlecht. Doch auch sie blickt unsicher nach vorne. "Normalerweise lebt ein Buchladen wie unserer zu Jahresbeginn von den Verkäufen aus dem Dezember. Aber da haben auch wir ein dickes Minus stehen."

Immerhin kann die Buchhändlerin aus Offenbach der Krise einen kleinen positiven Aspekt abgewinnen: "Wenn der Shutdown etwas Schönes hat, dann vielleicht, dass den Kindern wieder mehr vorgelesen wird." Zumindest in ihrem Buchladen hatten Vorlese- und Mitmachbücher für die Kleinen Konjunktur.

Über dieses Thema berichtete SWR2 am 17. Dezember 2020 um 09:42 Uhr.

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