Blick auf einen Teil der BP-ETAP-Plattform in der Nordsee. | picture alliance / empics

Milliardengewinne BP im Ölrausch

Stand: 02.08.2022 13:02 Uhr

Die aktuellen Geschäftsergebnisse des britischen Ölkonzerns BP setzen die Serie enormer Gewinne in der Branche fort: Der hohe Ölpreis sorgt für Milliardenerträge in der BP-Bilanz.

Bei Ölpreisen von 100 Dollar und mehr je Barrel (159 Liter) schwellen bei den Vertretern der Ölindustrie die Gewinne an: BP meldet heute das beste Ergebnis seit 14 Jahren.

Gewinn überrascht auch die Experten

Der zuletzt deutlich gestiegene Ölpreis, aber auch hohe Margen im Raffineriegeschäft sorgten beim britischen Ölkonzern BP im zweiten Quartal für eine Verdreifachung des Gewinns gegenüber dem Vorjahresquartal auf 8,5 Milliarden Dollar. Damit wurden Analystenschätzungen übertroffen. "Das Unternehmen läuft gut und wird zunehmend stärker", kommentierte BP-Chef Bernard Looney.

Für die Aktionäre ist das eine gute Nachricht. Sie sollen eine um zehn Prozent auf 6,006 Cent pro Aktie erhöhte Dividende erhalten. Darüber hinaus will der Konzern wie geplant 60 Prozent seiner überschüssigen Barmittel für Aktienrückkäufe zu verwenden.

Branche mit Sonderkonjunktur

Die führenden westlichen Öl- und Gaskonzerne profitieren von explodierenden Energiepreisen im Zuge des Ukraine-Krieges. Sie kommen im zweiten Quartal zusammen auf eine Gewinnsumme von 59 Milliarden Dollar. So meldeten zuletzt die BP-Wettbewerber Exxon Mobil und Shell Rekordgewinne, TotalEnergies konnte seinen Gewinn ebenfalls verdreifachen.

Bei Verbrauchern und der Opposition in Großbritannien stoßen die hohen Gewinne allerdings auf heftige Kritik. Denn die Preise für Strom und Gas werden dort ebenso wie in Deutschland deutlich steigen. Das Beratungsunternehmen Cornwall Insight rechnet damit, dass ein durchschnittlicher Haushalt von Oktober an 3358 Pfund (4009 Euro) pro Jahr und von Januar an 3615 Pfund im Grundtarif zahlen muss.

Übergewinnsteuer in der Diskussion

In Deutschland erhält die Diskussion über eine Übergewinnsteuer bei Konzernen, die von der Energiekrise und steigenden Preisen für Öl und Gas profitieren, durch die Gewinne der Ölmultis einen neuen Impuls. Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken hält laut einem heute erschienenen Interview in der "Augsburger Allgemeinen" an der Forderung nach einer solchen Extra-Steuer fest.

Die Gegenfinanzierung von Entlastungen der Verbraucherinnen und Verbraucher "kann auch durch eine Übergewinnsteuer für Unternehmen erfolgen, die ohne eigene zusätzliche Leistung von der Krise profitieren", so Esken. Eine Steuer auf krisenbedingte übermäßige Gewinne von Unternehmen wird allerdings vom Koalitionspartner FDP abgelehnt. 

Vorrang für Versorgungssicherheit?

Die hohen Gewinne der Ölkonzerne ermöglichen den Unternehmen prinzipiell allerdings auch, in Geschäftsfelder wie erneuerbare Energien zu investieren. BP-Chef Looney etwa hatte bei seinem Amtsantritt 2020 versprochen, den Konzern schnell von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien umzustellen. BP und der norwegische Energiekonzern Equinor bauen gemeinsam riesige Windfarmen vor der Küste von New York und Massachusetts. Bis 2030 sollen diese gut 50 Gigawatt Leistung bringen - das wäre mehr als die derzeitige gesamte Kapazität der britischen Windkraftanlagen zusammen. Bisher gilt Großbritannien als größter Offshore-Windmarkt weltweit.

Das Unternehmen will nun aber auch seine Ausgaben für die Förderung und Verarbeitung von Öl und Gas um 500 Millionen Dollar erhöhen. Damit reagiere man auf die globale Versorgungskrise, so Looney.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. August 2022 um 14:00 Uhr.