Ein Flugzeug des Typs Boeing 737 Max  | dpa

Wegen 737-Max-Desaster Milliardenstrafe für Boeing

Stand: 07.01.2021 23:31 Uhr

Das Desaster um den Absturzflieger 737 Max kommt den Luftfahrtriesen Boeing teuer zu stehen. Die US-Justizbehörden erheben schwere Vorwürfe gegen den Flugzeugbauer.

Boeing habe wegen Betrugs- und Verschwörungsvorwürfen im Zusammenhang mit dem Skandal Strafzahlungen von mehr als 2,5 Milliarden Dollar zur Beilegung strafrechtlicher Verfahren zugestimmt, teilte das US-Justizministerium in Washington mit.

"Die tragischen Abstürze des Lion-Air-Fluges 610 und des Ethiopian-Airline-Fluges 302 entlarvten ein betrügerisches und irreführendes Verhalten seitens der Mitarbeiter eines der weltweit führenden kommerziellen Flugzeughersteller", betonte dem US-Fernsehsender CNBC zufolge der stellvertretende Generalstaatsanwalt David P. Burns von der Strafabteilung des US-Justizministeriums in einer Mitteilung.

Eine "Kultur des Verheimlichens"

Die US-Justizbehörden beschuldigten den Airbus-Rivalen unter anderem, die Regierung mit irreführenden Angaben dabei behindert zu haben, die Sicherheit im öffentlichen Flugverkehr zu gewährleisten. Das Unternehmen war in den Verdacht geraten, seine bestverkaufte Modellserie 737 Max überstürzt auf den Markt gebracht und die Sicherheit zugunsten niedrigerer Kosten vernachlässigt zu haben.

Ein Untersuchungsausschuss des US-Kongresses kam bereits im März 2020 zu dem Ergebnis, bei Boeing habe eine "Kultur des Verheimlichens" geherrscht.

20 Monate Startverbot

Die US-Flugaufsicht FAA hatte den Krisenjet im März 2019 nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten aus dem Verkehr gezogen. Als Hauptursache der Unglücke galt ein fehlerhaftes Steuerungsprogramm. Boeing hatte die Probleme eigentlich bereits nach dem ersten Absturz beheben wollen. Erst im November 2020, nach über anderthalb Jahren, hatte die FAA wieder grünes Licht gegeben und das Startverbot für die 737 Max aufgehoben.

Nach Bekanntwerden der Milliarden-Strafe fiel die Boeing-Aktie im nachbörslichen US-Handel um zwei Prozent.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Januar 2021 u.a. um 05:30 Uhr.