Bob Dylan | dpa

Millionen-Geschäft Bob Dylan verkauft Songrechte

Stand: 08.12.2020 15:11 Uhr

Lizenzgebühren für Bob-Dylan-Songs kassiert künftig der Musikkonzern Universal. Der legendäre US-Musiker hat die Rechte an seinen Songs abgegeben - was auch mit der Pandemie zu tun hat.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

"All along the Watchtower" ist ein Dylan-Klassiker. Jedes Mal, wenn dieser Song für kommerzielle Zwecke verwendet wird, hat Bob Dylan damit - vereinfacht gesagt - Geld verdient, denn bisher hat er die Rechte an diesem und anderen seiner 600 Songs selbst gehalten.

Katharina Wilhelm ARD-Studio Los Angeles

Nun aber kann das Musikarchiv des Plattenlabels Universal Music mit den Lizenzgebühren, den sogenannten Royalities, Geld verdienen. Denn Universal hat einen Millionendeal mit Dylan abgeschlossen. Dieser hat für mutmaßlich 300 Millionen US-Dollar die Rechte seiner Songs aus den vergangenen 60 Jahren abgetreten.

Einer der meistgecoverten Künstler der Welt

"Für Künstler, die seit vielen Jahrzehnten großartige Lieder herausbringen und damit auch viel Geld verdient haben, ist jetzt ein ausgezeichneter Zeitpunkt zum Verkauf", sagte Larry Miller, Professor für Musikwirtschaft der New York University, im Radiosender NPR. Der Zeitpunkt, damit ist auch die Pandemie gemeint. Denn mit Konzerten können Künstler derzeit kein Geld verdienen, seit reihenweise Tourneen und Auftritte weltweit pausieren müssen.

Was stattdessen Geld einbringt, sind eben die Lizenzgebühren. Sei es, weil ein Song bei einem Streamingdienst abgerufen, in der Werbung verwendet wird oder weil ein anderer Künstler ihn neu aufnimmt oder Teile daraus benutzt. Um die 6000 Mal sollen Bob Dylans Lieder schon neu interpretiert worden sein, sein Klassiker "Knockin' on Heaven's Door" unter anderem von Guns'n Roses.

Entsprechend gut läuft zur Zeit das Geschäft mit dem Verkauf und Ankauf von Musikrechten. Auch Sängerin Stevie Nicks verkaufte kürzlich die Rechte an ihren Songs für 100 Millionen Dollar. Als die Songrechte des verstorbenen Popmusikers Michael Jackson im Jahr 2016 verkauft wurden, erhielten dessen Erben 750 Millionen Dollar dafür. Teil dieses Katalogs waren allerdings auch Rechte für Songs der Beatles, die sich Jackson gesichert hatte.

Musikrechte als profitable Geldanlage

Songrechte können zu einer Wertanlage werden. Das sieht man beispielsweise an dem Erfolg des Fonds Hipgnosis. Dahinter steht eine Gruppe von Musikmanagern; darunter auch Merck Mercuriadis, der 40 Jahre lang im Musikgeschäft arbeitete, unter anderem für Virgin Records.

Gut ausgewählte Songs seien sehr zuverlässige Wertanlagen, sagte Mercuriadis in einem Fernsehinterview mit dem Wirtschaftssender Bloomberg: "Menschen hören Musik - egal, ob es ihnen gut geht oder sie mit schwierigen Situationen wie jetzt konfrontiert sind. Musik wird immer konsumiert."

Etwa 13.000 Songs umfasst der Fonds von Hipgnosis, darunter Hits der Popsänger Justin Bieber oder Ed Sheeran. Der Fonds soll in den nächsten Jahren auf 1,2 Milliarden Dollar wachsen und 20 Prozent der weltweiten Musikrechte besitzen. Ohrwurm- oder Evergreen-Investition könnte man dieses Geschäftsmodell nennen. Wie erfolgreich ein Song über viele Jahre sein kann, das zeigt gerade zur Weihnachtszeit "Last Christmas" von Wham.

Weniger Aufwand mit Lizenzgeldern

Was aber hat der verkaufende Künstler davon? Bob Dylan hat sich zu dem Verkauf selbst nicht geäußert. Die Erklärung ist wahrscheinlich schlicht: Er hat auf diese Weise sehr einfach viel Geld mit seinem musikalischen Erbe verdient. Wie leicht der Singer-Songwriter aus seinem Können Geld machen kann, zeigte sich schon viel früher - so zum Beispiel 2005, als er einen Vertrag mit der Kaffeehauskette Starbucks schloss, um eine Compilation mit zehn frühen Aufnahmen zu produzieren und exklusiv zu veröffentlichen.

Letztendlich bedeutet es auch einen gewissen Aufwand, Einnahmen durch Lizenzgelder zu erhalten. Es ist ein möglicherweise anstrengender bürokratischer Prozess, den man mit den Komplettverkauf abtritt. Und nicht zuletzt ist Bob Dylan mittlerweile 79 Jahre alt: Vielleicht war es für ihn an der Zeit, sein Vermächtnis in konkrete Summen umzuwandeln.

Dieser Beitrag lief am 08. Dezember 2020 um 09:25 Uhr auf B5 aktuell.