Logo des Autoherstellers BMW am Gebäude der Konzernzentrale in München | dpa

Autokonzern im Wandel Warten auf einen BMW mit "Wow-Effekt"

Stand: 12.05.2021 13:10 Uhr

Bei der Hauptversammlung verweist BMW auf gute Zahlen. Doch meistert der Konzern auch den Wandel der Branche? Im Rennen um den wachsenden E-Auto-Markt vermissen einige Aktionäre einen BMW mit "Wow-Effekt".

Von Sebastian Hanisch, BR

BMW-Chef Oliver Zipse trat selbstbewusst vor die Aktionäre bei der Online-Hauptversammlung. "Wir haben die Auswirkungen der Pandemie gemeistert. Wir haben ein solides Konzernergebnis erwirtschaftet. Unser globales Geschäftsmodell ist robust", fasste er das Jahr 2020 zusammen.

Der Autohersteller hatte zuvor sehr gute Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres vorgelegt. Nachdem im vergangenen Jahr in der Corona-Krise zwischenzeitlich sogar die Bänder stillstanden, konnte der BMW bei Absatz und Gewinn nun deutlich zulegen. Schon im vergangenen Jahr bewegten sich die Zahlen wieder deutlich nach oben. Trotz der Erfolgsmeldungen sind die Aussichten für den Konzern nicht ungetrübt.

Rohstoffkrise bahnt sich an

Da ist zum einen die sich anbahnende Rohstoffkrise. Während man noch zuvor aus dem Konzern hörte, dass BMW den weltweiten Engpass bei den Halbleitern einigermaßen gut im Griff habe, schlug die Mikrochip-Knappheit vor zwei Wochen auf die Produktion durch. An den Standorten Regensburg und Oxford standen zumindest für wenige Tage die Bänder still.

Längst sind es aber nicht nur die Halbleiter, die in der Branche für Probleme sorgen. Viele Rohstoffpreise explodieren derzeit. Finanzvorstand Nicolas Peter erwartet hier Belastungen für den Konzern. "Dies gilt insbesondere für Rhodium, Palladium und Stahl", erklärte Peter vor der Hauptversammlung. Rhodium beispielsweise, das in Katalysatoren verwendet wird, vervierfachte sich im vergangenen Jahr im Preis etwa.

Nachholbedarf bei der Elektromobilität

Gleichzeitig steckt der Konzern im größten Transformationsprozess der vergangenen Jahrzehnte. Zipse kündigte - nicht zum ersten Mal - deutliche CO2-Einsparungen an. Dabei liefern sich die Autokonzerne weltweit ein Wettrennen, um beim Thema Elektromobilität ganz vorne dabei zu sein. Noch Ende des Jahres will BMW zwei neue vollelektrische Modelle ausliefern: den E-SUV iX und das Sport-Coupé i4.

Mit diesen und weiteren Modellen wollen die Münchner weiter Boden gut machen - vor allem gegenüber dem US-Konkurrenten Tesla. Kürzlich kaufte sich BMW zusammen mit Ford beim US-Unternehmen Solid Power ein, das neuartige Feststoffbatterien entwickelt. Die sollen eine deutlich höhere Energiedichte ermöglichen - und zwar bei vergleichsweise günstigen Produktionskosten. Bis die Technologie im Autobau serienreif ist, werden aber noch einige Jahre vergehen.

BMW setzt weiter auf Technologieoffenheit

Schon Zipses Vorgänger, Harald Krüger, setzte beim Thema Antriebe auf eine Strategie der Flexibilität: Egal ob Elektroantrieb, Diesel, Benzin oder Wasserstoff - der Konzern, der weltweit Produktionsstätten hat, sollte perspektivisch je nach Nachfrage den "passenden Antrieb" liefern. Auch heute setzt der Konzern neben der E-Mobilität auf eine Weiterentwicklung möglichst sauberer Verbrenner.

Zudem wird bei BMW auch der Wasserstoffantrieb weiterentwickelt. Der "i Hydrogen NEXT" soll ab 2022 in Kleinserie gehen. Dabei produziert eine mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzelle den benötigten Strom für den Antrieb. Hinzu kommen synthetische Kraftstoffe, die BMW weiterentwickelt. Zipse bekannte sich explizit zu dieser Technologieoffenheit. Das Problem: Sie bedeutet für den Konzern auch hohe Forschungs- und Entwicklungskosten.

Aktionäre zwischen Zufriedenheit und Enttäuschung

Der große Konkurrent für alle deutschen Autohersteller ist beim Thema E-Mobilität der US-Hersteller Tesla, dessen Marktkapitalisierung etwa beim Zehnfachen von BMW liegt. Um ihn erfolgreich anzugreifen, brauche es neben einer erfolgreichen Antriebsstrategie nun vor allem ein Auto mit einem "Wow-Effekt", wie es Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. ausdrückt.

"BMW hinkt einfach hinterher. Der Markt glaubt im Moment noch nicht, dass eine Umstellung auf diese Elektrizität gelingt. Und man hat eben auch nicht das Gefühl, dass da Autos rauskommen, die so anders sind und so toll sind, dass sie der Markt mit einem Wow-Effekt aufnimmt", so Bergdolt. Sie fasst die Stimmung vieler Aktionäre zusammen, die mit dem Corona-Krisenmanagement von BMW insgesamt zufrieden sind, jetzt aber mehr erwarten.

Die kritischen Stimmen werden bei der Hauptversammlung heute voraussichtlich nicht überwiegen. Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre allerdings beantragt, den Vorstand nicht zu entlasten, weil BMW zu wenig für wirklich klimafreundliche Autos tue. Die Dividendenausschüttung lehnt der Verband ebenfalls ab. Die passe nicht damit zusammen, dass BMW während der Krise vom Kurzarbeitergeld profitiert habe.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 27. Juli 2020 um 15:00 Uhr.