Logo des Unternehmens BioNTech an einem Gebäude | picture alliance/dpa

Starke Quartalszahlen BioNTech schreibt Milliardengewinn

Stand: 09.08.2021 14:56 Uhr

Das florierende Impfstoffgeschäft hat den Gewinn von BioNTech im zweiten Quartal auf knapp 2,8 Milliarden Euro in die Höhe katapultiert. Die Mainzer treiben derweil auch die Krebsforschung voran.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Der Mainzer BioNTech-Konzern hat von der schnellen Steigerung der weltweiten Versorgung mit seinem gemeinsam mit Pfizer entwickelten Covid-19-Impfstoff maßgeblich profitiert. Laut vorläufigen Zahlen sprang der Umsatz im zweiten Jahresviertel nach oben - auf 5,3 Milliarden Euro nach 41,7 Millionen Euro im Vorjahr.

Der Nettogewinn schoss auf knapp 2,8 Milliarden Euro empor. Im Vorjahreszeitraum hatten hohe Forschungs- und Entwicklungskosten das an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq notierte Unternehmen noch tief ins Minus gedrückt. Unterm Strich verbuchte BioNTech damals einen Verlust von 88,3 Millionen Euro.

Meilenstein von einer Milliarde Impfdosen erreicht

BioNTech und Pfizer haben bis zum 21. Juli rund eine Milliarde Dosen des hierzulande unter dem Handelsnamen "Comirnaty" vertriebenen Covid-19-Impfstoffs in mehr als 100 Länder oder Regionen weltweit ausgeliefert. "Wir sind stolz darauf, diesen Meilenstein nach nur sechs Monaten erreicht zu haben und mit unserer proprietären mRNA-Technologie für die Menschen einen Unterschied bewirkt zu haben", sagte Ugur Sahin, CEO und Mitbegründer von BioNTech.

BioNTech und Pfizer rechnen damit, bis Jahresende bis zu drei Milliarden Dosen herzustellen. Im kommenden Jahr sollen die Produktionskapazitäten auf bis zu vier Milliarden Dosen anschwellen.

Neue Studie zur Delta-Variante

Derzeit profitiert das Unternehmen auch davon, dass in Ländern wie Israel bereits die Drittimpfungen mit dem Impfstoff anlaufen. BioNTech und Pfizer vertreten die Ansicht, "dass eine Auffrischungsimpfung oder dritte Dosis von BNT162b2 das Potenzial hat, die höchste Schutzwirkung gegen alle derzeit getesteten Varianten, einschließlich Delta, aufrechtzuerhalten".

Die Notwendigkeit einer solchen dritten Impfung ist allerdings nicht unumstritten: So sehen etwa die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) derzeit noch keine ausreichende Datengrundlage für so genannte "Booster-Impfungen" mit einem unangepassten Impfstoff.

Derweil entwickelt das Unternehmen auch eine neue, an die neue Coronavirus-Variante angepasste Version seines Covid-19-Impfstoffs, die auf das vollständige Spike-Protein der Delta-Variante abzielt. Bereits im laufenden Monat soll mit den klinischen Studien begonnen werden - vorausgesetzt die Behörden stimmen zu.

Neue Krebs-Therapien vorangetrieben

Bereits bei Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal 2021 hatte BioNTech-Chef Sahin betont, er wolle die Forschung in der Krebstherapie vorantreiben. Tatsächlich hat sich BioNTechs Onkologie-Pipeline seither weiterentwickelt: Derzeit befinden sich dem Unternehmen zufolge 15 Produktkandidaten in 18 laufenden Studien. Sahin rechnet damit, "in den kommenden Jahren eine Reihe von neuen Produktkandidaten auf den Markt zu bringen".

Die Therapien richten sich unter anderen gegen das maligne Melanom ("schwarzer Hautkrebs"). Der deutschen Krebsgesellschaft zufolge ist das maligne Melanom bei Männern der fünfthäufigste und bei Frauen der vierthäufigste solide Tumor.

Doch die potenzielle Anwendbarkeit der mRNA-Technologie ist damit noch lange nicht erschöpft. Das Unternehmen forscht auch an Therapien gegen Malaria. Zudem soll im dritten Quartal 2021 eine Phase-1-Studie mit einem Grippeimpfstoff beginnen.

Positive Kursreaktion

An der Börse kommen die frischen BioNTech-Zahlen positiv an - wenn auch mit etwas Verzögerung. Auf der Handelsplattform Tradegate gewannen die Papiere zuletzt 5,2 Prozent auf 348,50 Euro. Damit blieben sie allerdings klar unter ihrem erst vor wenigen Tagen erreichten Rekordhoch.

Zuletzt hatten Spekulationen unter anderem in der "New York Times" über eine endgültige US-Zulassung des Corona-Impfstoffs von Pfizer und BioNTech noch im September die Aktienkurse beider Unternehmen in die Höhe getrieben. Bislang handelt es sich in den USA - im Gegensatz zur Europäischen Union - nur um eine Notfallzulassung.

Der Börsenwert von BioNTech überstieg daraufhin zeitweise die Schwelle von 100 Milliarden Dollar. Anfang August markierte die BioNTech-Aktie bei 433,90 Dollar (366,70 Euro) ein Rekordhoch. Zum Vergleich: Beim Börsengang im Oktober 2019 wurde die BioNTech-Aktie zu 15 Euro ausgegeben.

Über dieses Thema berichteten am 09. August 2021 tagesschau24 um 16:00 Uhr und NDR Info um 16:41 Uhr.