Hauptsitz der Mainzer Pharmafirma Biontech | dpa

Klinische Studie geplant BioNTech will Malaria-Impfstoff entwickeln

Stand: 27.07.2021 09:01 Uhr

Der Mainzer Impfstoff-Hersteller will seine mRNA-Technologie auch für die Entwicklung eines Impfstoffes gegen die gefährliche Tropenkrankheit Malaria nutzen. Das Projekt wird von der EU-Kommission und der WHO unterstützt.

Nachdem BioNTech als erstes Unternehmen weltweit einen Impfstoff gegen das Corona-Virus auf den Markt gebracht hatte, will das Mainzer Unternehmen nun das Know-how bei der mRNA-Technologie auch für die Entwicklung eines Vakzins gegen die heimtückische Malaria-Krankheit einsetzen.

Bis Ende 2022 wolle man eine klinische Studie auf den Weg gebracht haben, sagte Unternehmenschef Ugur Sahin auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen, der Gates-Stiftung und Vertretern der Weltgesundheitsorganisation WHO. "Die Pandemie hat gezeigt, dass Wissenschaft und Innovation das Leben von Menschen verändern können, wenn alle Involvierten auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten", so Sahin.

Wende durch mRNA?

Malaria zählt weltweit zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten: Im Jahr 2019 registrierte die WHO 229 Millionen Erkrankungen und mehr als 400.000 Todesopfer, die meisten von ihnen Kinder unter fünf Jahren. Seit Jahrzehnten suchen Forscher nach einem zuverlässigen Impfstoff - es gibt bislang nur ein nicht hochwirksames Präparat. "Die mRNA-Technologie könnte eine Wende bedeuten", sagte die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen. Ein mRNA-Impfstoff enthält den Bauplan für einen Teil des Erregers, der Körper kann so einen Impfschutz aufbauen. Das Kürzel mRNA steht für Boten-Ribonukleinsäure.

Zur genauen Höhe der Investitionen in das Malaria-Projekt, das Teil der "eradicateMalaria"-Initiative der Kenup-Stiftung ist, wurde noch nichts bekannt. BioNTech will aber die erste Phase der Entwicklung seines Malaria-Impfstoffkandidaten über seine Gewinne aus der Covid-19-Impfstoffproduktion selbst finanzieren. Das Unternehmen will für sein Projekt mehrere Kandidaten untersuchen, von denen der vielversprechendste Ende nächstes Jahres in eine klinische Studie gebracht werden soll. Finanzielle Unterstützung stellte bereits die Europäische Investitionsbank EIB in Aussicht, die BioNTech schon 2019 und 2020 - zuerst für die Entwicklung von Krebstherapien, dann für die Forschung am Covid-19-Impfstoff - mit Krediten unter die Arme griff.

Impfstoff-Produktion in Afrika

BioNTech will in Afrika den Aufbau einer mRNA-Impfstoffproduktion vorantreiben. Vor kurzen hatte das Unternehmen bereits mit der südafrikanischen Biovac einen ersten Produktionspartner für seinen Corona-Impfstoff in Afrika gewonnen. Biovac wird allerdings nur den letzten Herstellungsschritt, also das Abfüllen und Verpacken, übernehmen, die Wirkstoffsubstanz wird aus Europa kommen. Nun prüft BioNTech, wie es in Afrika zusammen mit Partnern oder alleine mRNA-Produktionsanlagen für Impfstoffe aufbauen könnte. Diese sollen dann in unmittelbarer Nähe zu Technologietransferzentren, deren Bau von der WHO verantwortet wird und die eine Impfstoffproduktion in Afrika ermöglichen sollen, errichtet werden. Noch importiert der Kontinent 99 Prozent seiner Impfstoffe.

Gegen Malaria gibt es bislang keinen hochwirksamen Impfstoff. Das bisher am weitesten fortgeschrittene Vakzin Mosquirix wurde vom britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline in jahrzehntelanger Forschung entwickelt und wird seit 2019 in einem Pilotprojekt in Afrika verabreicht. Es hat aber nur eine Wirksamkeit von rund 30 Prozent - mindestens 75 Prozent ist das Ziel der WHO für einen neuen Impfstoff.

An der Börse steigt die Aktie von BioNTech weiterhin. Der Titel wird von den Hoffnungen auf weitere Umsätze und Gewinne aus der Impfstoffentwicklung seit Monaten auf immer neue Höchststände getrieben. Derzeit notiert die Aktie bei rund 240 Euro, damit hat sich ihr Wert binnen eines Jahres verdreifacht.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, es sei noch kein Impfstoff gegen Malaria zugelassen. Das ist falsch. Es gibt ein zugelassenes Präparat, das allerdings als nicht hochwirksam gilt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 27. Juli 2021 um 09:37 Uhr.