BioNTech-Gründer Ugur Sahin | REUTERS

BioNTech-Hauptversammlung Impfstoff wirksam gegen Mutanten

Stand: 22.06.2021 18:13 Uhr

BioNTech-Chef Sahin nutzt die Hauptversammlung des Impfstoffherstellers zur Verbreitung froher Botschaften: Die Produktion werde gesteigert, außerdem schütze der Impfstoff auch gegen Virusvarianten.

Angesichts der wachsenden Verbreitung der als gefährlicher betrachteten Delta-Variante des Coronavirus fragen sich viele Menschen, wie es diesbezüglich um die Wirksamkeit der verschiedenen Impfstoffe bestellt ist.

Für das Produkt von BioNTech gibt Vorstandschef Ugur Sahin auf der heutigen Hauptversammlung eine vorsichtige Entwarnung: "Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass eine Anpassung unseres Impfstoffs an kursierende Varianten notwendig ist", sagte er.

Das heiße nicht, dass das Unternehmen die Entwicklung einstelle: BioNTech arbeitet laut Sahin an flexiblen Verfahren in den Bereichen Technologie, Produktion und Zulassung.

Ständige Analyse

Um vorbereitet zu sein und schnell reagieren zu können, falls eine dritte Dosis zur Auffrischung bestehender Impfungen oder eine Anpassung an einen neuen Virusstamm erforderlich werden sollte, analysiere BioNTech ständig die Wirksamkeit des Impfstoffs auch gegen neu auftretende Varianten, erklärte der Vorstandschef.

Auch zum Thema Auffrischungsimpfung äußerte sich Sahin: Noch wisse man nicht, wann und wie oft eine Auffrischung nötig sein werde. Er gehe aber davon aus, "dass eine dritte Impfung für die Auffrischung der Immunität von hohem Wert ist", sagte Sahin. Das Wissen über das Coronavirus nehme stetig zu. "Wir beobachten, dass die Immunität mit der Zeit nachlassen wird und neue Varianten entstehen."

Sahin gegen Patentfreigabe  

Die von US-Präsident Joe Biden und anderen Politikern ins Gespräch gebrachte Forderung nach einer Freigabe von Patenten, um eine lizenzfreie Impfstoffproduktion in Entwicklungsländern zu ermöglichen, wies der BioNTech-Chef zurück. Es sei wichtig, den Impfstoff weltweit "so schnell und so umfassend wie möglich" zur Verfügung stellen zu können. Doch dabei seien aktuell Rohstoffe, nicht aber Patente der "limitierende Faktor".

BioNTech arbeite gemeinsam mit Partnern daran, den Impfstoff günstig an Entwicklungsländer abzugeben. Eine Patentfreigabe würde jedoch keine zusätzlichen Impfstoffmengen bringen. Die Produktion des Vakzins sei sehr komplex und bestehe aus rund 50.000 Arbeitsschritten.

Produktion wird gesteigert

Während der Hauptversammlung äußerte sich Sahin auch zur Produktion: Der BioNTech-Chef bekräftigte, dass das Unternehmen zusammen mit seinem US-Partner Pfizer in diesem Jahr eine Produktionskapazität von bis zu drei Milliarden Impfdosen anstrebt.

Im kommenden Jahr 2022 sollen es mehr als drei Milliarden werden. Dabei werde BioNTech mindestens die Hälfte herstellen. Bisher haben BioNTech und Pfizer mehr als 700 Millionen Dosen ihres Covid-19-Impfstoffs in über 100 Länder weltweit geliefert.

Dividende ist möglich

Von den Milliardenumsätzen, die mit dem Corona-Impfstoff, erwirtschaftet worden sind, sollen auch die Aktionäre profitieren. Finanzchef Sierk Poetting sagte, im nächsten Geschäftsjahr solle geprüft werden, ob und in welcher Höhe eine Dividende möglich sei.

Strategische Priorität für das Jahr 2021 habe aber die Reinvestition des Kapitals, um Innovationen in verschiedenen Therapiebereichen und Technologien sowie unsere Unternehmensentwicklung weiter voranzutreiben, so Poetting. Das Mainzer Biotechnologie-Unternehmen erzielte im ersten Quartal dieses Jahres einen Nettogewinn von 1,1 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 2,05 Milliarden Euro.

Neue Produktionsstätten

Auch abseits der Hauptversammlung gab es Neuigkeiten von BioNTech. Der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur gibt grünes Licht für zwei weitere Produktionsstätten zur Herstellung des gemeinsamen Corona-Impfstoffs von Biontech und Pfizer.

Eine wird demnach im schleswig-holsteinischen Reinbek von Allergopharma, der Muttergesellschaft von Dermapharm, betrieben, die andere im Schweizerischen Stein von Novartis Pharma. Die Arbeit könne umgehend aufgenommen werden, da keine Zustimmung der EU-Kommission nötig sei.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Juni 2021 um 17:22 Uhr.