Fläschchen für Impfdosen des Vakzins von BioNTech/Pfizer | dpa
Hintergrund

Impfstoffhersteller BioNTechs steiler Weg nach oben

Stand: 09.08.2021 13:48 Uhr

Der Corona-Impfstoff ist für BioNTech nicht nur ein medizinischer, sondern längst auch ein enormer wirtschaftlicher Erfolg. Doch die Konkurrenz für das Unternehmen nimmt zu.

Von Sabrina Fritz, SWR

"Und, schon geimpft?" - "Ja!" - "Womit?" - So beginnt oft ein Gespräch übers Impfen gegen das SARS-CoV-2-Virus. In Deutschland werden die meisten auf diese Fragen antworten: BioNTech. Im Heimatland des Mainzer Herstellers sind inzwischen mehr als 75 Millionen Dosen BioNTech/Pfizer ausgeliefert worden. Die anderen Hersteller sind weit abgeschlagen. Weltweit sieht das allerdings ganz anders aus. In großen Ländern wie China, Indien oder Brasilien spielen BioNTech/Pfizer kaum eine Rolle. Diese Länder haben vor allem mit AstraZeneca Verträge abgeschlossen.

Sabrina Fritz

Ein Grund ist der Preis: Eine Spritze mit AstraZeneca bekommt man für rund zwei Dollar, eine Impfung "Made in Germany" kostet fast das Zehnfache. Die hohen Preise sind möglich, weil das Vakzin mit der mRNA-Technik besser schützt und weil derzeit nur zwei Anbieter für ihren mRNA-Impfstoff eine Zulassung erhalten haben: BioNTech/Pfizer und das US-Unternehmen Moderna. Kein Wunder, dass vor allem die USA und Europa bei diesen beiden Unternehmen Hunderte Millionen Impfdosen bestellt haben.

Wie sieht die Zukunft aus?

Für die beiden BioNTech-Gründer Özlem Türeci und Ugur Sahin hat sich nach dem medizinischen auch der wirtschaftliche Erfolg eingestellt. Bereits in den ersten drei Monaten des Jahres stand ein Gewinn von 1,1 Milliarden Euro in der Bilanz. Im zweiten Quartal stieg der Nettogewinn sogar auf knapp 2,8 Milliarden Euro. An der Börse wird ihr Unternehmen inzwischen mit mehr 100 Milliarden Dollar bewertet, deutlich mehr als der Chemieriese BASF.

Aber Investoren interessieren sich vor allem für die Zukunftsaussichten - wie geht es also weiter? BioNTech forscht nun auch an einem Impfstoff gegen Malaria. Nach Einschätzung von Timo Kürschner, der bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) den Pharmamarkt analysiert, lässt sich aber mit einem solchen Impfstoff nicht so viel Geld verdienen, da Malaria vor allem in ärmeren Ländern grassiert. Unterstützung zugesagt haben die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung und die EU. Ein riesiger Durchbruch wäre eine Impfung gegen Krebs - mit diesem Ziel sind Türeci und Sahin einst angetreten. Vorstellbar wäre auch ein Grippeimpfstoff auf mRNA-Basis.

Allerdings haben jetzt auch andere Pharmariesen das Potenzial der mRNA-Impfstoffe erkannt. Der französische Arzneimittelhersteller Sanofi will in das Geschäft einsteigen. Das Vakzin des Tübinger Impfstoffherstellers CureVac erwies sich in ersten Studien als nicht sehr wirksam und hat auch noch keine Zulassung. Allerdings könnte CureVac laut eigenen Angaben bei weiteren Corona-Varianten besseren Schutz bieten. Und selbst der BioNTech-Partner Pfizer hat angekündigt, nicht alle Wege gemeinsam zu gehen. Bei Projekten gegen andere Krankheitserreger und Viren könne man auch alleine mRNA-Impfstoffe entwickeln, hieß es aus den USA.

Großer Vorsprung

Die Konkurrenz ist BioNTech also auf den Fersen. Doch die große Erfahrung, die hohe Liquidität und mögliche Patente verschaffen den Mainzern einen großen Vorsprung. Pharmaexperten schätzen vor allem die Weitsicht der Mainzer; so startete das Unternehmen sehr früh eine Studie für Corona-Impfstoffe bei Kindern.

Außerdem hat der Hersteller eine Zulassung für eine dritte Auffrischungsimpfung bei den amerikanischen und europäischen Arzneimittelbehörden beantragt. Laut BioNTech ist nach sechs bis zwölf Monaten wahrscheinlich eine dritte Impfung notwendig, um den Schutz zu erhalten. Erneut könnte BioNTech Hunderte Millionen Impfstoffdosen verkaufen. Doch die USA wollen wohl erstmal nur Menschen mit einer Immunschwäche das dritte Mal zu impfen. Auch die WHO hat an die Industrieländer appelliert, mit einer Auffrischung für Gesunde zu warten, bis mehr Menschen in anderen Regionen der Welt ihre erste Spritze erhalten haben. BioNTech und Pfizer verkaufen den USA 500 Millionen Dosen zum Selbstkostenpreis - diese sollen dann an ärmere Ländern verteilt werden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. August 2021 um 16:41 Uhr.