Betriebsärzte warten in einer Halle des Unternehmens Liebherr auf impfwillige Mitarbeiter | dpa

Vor Start in den Firmen Betriebsärzte klagen über zu wenig Impfstoff

Stand: 02.06.2021 16:33 Uhr

Seit Monaten warten die Betriebsärzte darauf, gegen Corona impfen zu dürfen. Am kommenden Montag ist es nun soweit. Doch die Menge der zugeteilten Dosen hält ihr Verbandspräsident für zu gering.

Von Lothar Gries, tagesschau.de

Gut 700.000 Impfdosen der Hersteller BioNTech/Pfizer sollen den 6000 an der Impfkampagne teilnehmenden Betriebsärzten ab Montag zur Verfügung stehen. Jeder teilnehmende Mediziner soll mindestens 102 Impfdosen von BioNTech/Pfizer erhalten. "Eine sehr bescheidene Menge", moniert der Präsident des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW), Wolfgang Panter im Gespräch mit tagesschau.de. Bestellen konnten die Mediziner nämlich fast achtmal soviel, maximal 804 Dosen.

Dennoch begrüßt es Panter, dass die Betriebsärzte nun "endlich" auch impfen dürfen, so wie sie es seit Wochen gefordert haben. "Deshalb betrachten wir den Eintritt der Betriebsärzte in die Impfkampagne mit einem lachenden und einem weinenden Auge", so Panter.

Doch wer geimpft werden möchte, braucht weiterhin Geduld - auch in den Firmen. Denn an den geringen Mengen Impfdosen, die Betriebsärzten zur Verfügung gestellt werden, dürfte sich vorerst nichts ändern. Zwar dürfen die Mediziner für die 24. Kalenderwoche (ab dem 14. Juni) 300 Dosen pro Kopf bestellen. Doch Verbandspräsident Panter rechnet damit, dass kaum mehr als 100 Dosen pro Mediziner ausgeliefert werden. "Es steht einfach noch nicht genügend Impfstoff zur Verfügung", sagt Panter. Damit dürfte sich die ursprüngliche vom Verband geäußerte Hoffnung, dass die Werksmediziner pro Monat fünf Millionen Beschäftigte impfen könnten, kaum erfüllen.

Ministerium entscheidet über Verteilung

Über die Verteilung des Impfstoffs entscheidet das Bundesgesundheitsministerium. Der Verband der Betriebsärzte hat laut Panter keinen Einfluss darauf. Laut dem letzten Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) sollen Betriebsärzte anfangs nur geringe Impfstoffmengen bekommen. Insgesamt sollen Arztpraxen und Betriebsärzte im Juni laut Bundesgesundheitsministerium wöchentlich mehr als drei Millionen Dosen von BioNTech/Pfizer erhalten. Das meiste davon geht an die Hausärzte, die im Vergleich zu den Betriebsärzten mit 55.000 auch in der Überzahl sind.

Panter ist jedoch zuversichtlich, dass sich das Mengenproblem im Lauf des Sommers lösen lässt, zumindest was den BioNTech-Impfstoff betrifft. Das Unternehmen habe seine Prozesse im Griff und könne seine Produktion wie geplant "drastisch steigern", sagt Panter. Der Verbandspräsident moniert gleichzeitig die aus seiner Sicht viel zu geringe Vergütung der Betriebsärzte. Die vorgesehenen 20 Euro pro Impfling seien eine "nicht angemessene" Bezahlung.

Zufrieden mit der Anzahl der Impfdosen hatte sich zuvor Verbands-Vizepräsidentin Anette Wahl-Wachendorf gezeigt. Die mehr als 700.000 Dosen für die Betriebsärzte seien "deutlich besser als erwartet und im Vergleich zum Start der Hausarztkampagne", sagte sie der "Rheinische Post". "Bisher scheint es mit Logistik und Versorgung über die Apotheken im Großen und Ganzen gut zu laufen."

Bereits zahlreiche Modellprojekte

Bereits im Mai, in einigen Fällen sogar noch früher, hatte es in zahlreichen Betrieben Modellversuche für Impfungen durch Betriebsärzte gegeben. So wurden etwa in Niedersachsen in fünf ausgewählten Unternehmen, darunter Rossmann, VW und Salzgitter AG, erste Mitarbeiter durch diese Mediziner geimpft. Dazu hatte das Land insgesamt 11.700 BioNTech-Dosen zur Verfügung gestellt. Auch in anderen Bundesländern wurden entsprechende Projekte gestartet.

Mittelständler wie der Landmaschinenhersteller Krone sind selbst tätig geworden. Deren Betriebsärzte, die auch niedergelassene Ärzte sind, hatten sich erfolgreich um nicht abgerufene AstraZeneca-Dosen bemüht. Bereits im Winter waren 10.000 Einwegspritzen besorgt worden.

Fälle wie bei Krone sind allerdings die Ausnahme. Viele Mittelständler haben keine Möglichkeit, ein eigenes Impfzentrum aufzubauen wie Großunternehmen. So wurde bei Volkswagen in Wolfsburg eine komplette Veranstaltungshalle zu einem Impfzentrum umgerüstet, mit insgesamt vier Impfstraßen. Hier können nach Angaben des Unternehmens bis zu 15.000 Beschäftigte pro Woche geimpft werden - vorausgesetzt, es gibt genügend Impfstoff.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Juni 2021 um 17:00 Uhr.

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