Mitarbeiter wird bei Lanxess gegen Covid-19 geimpft (Archivbild) | dpa

Impf-Booster Betriebsärzte sind wieder im Spiel

Stand: 19.11.2021 15:55 Uhr

Nach der STIKO-Empfehlung für Impf-Booster für alle ab 18 wird mit einem Ansturm auf Arztpraxen gerechnet. Auch die Betriebsärzte kommen wieder ins Spiel. Viele Unternehmen fahren ihre Kapazität wieder hoch.

Von Tim Diekmann, SWR Stuttgart

Wer sich in diesen Tagen um einen Impftermin bemüht, der muss schnell feststellen, dass das - je nach Region - alles andere als einfach ist. Denn während zur Hochphase der Impfkampagne im Sommer Impfzentren, Haus-und Betriebsärzte gleichzeitig die Immunisierung mit dem Corona-Vakzin angeboten hatten, sind es jetzt vor allem Arztpraxen und Betriebe, die mit reduzierter Kapazität weiterimpfen.

Tim Diekmann

Betriebe fahren Impfkapazitäten hoch

Einer dieser Betriebe ist der Ventilatorenhersteller ebm-papst in Mulfingen bei Heilbronn. Weil die Nachfrage an Erst- und Drittimpfungen im Unternehmen seit einigen Wochen rasant steigt, werden in diesen Tagen wieder Konferenzräume leergeräumt und zum hauseigenen Impfzentrum umgebaut. Dabei wurde das schon vor Wochen geschlossen und Impfungen zuletzt nur noch in kleinerer Zahl in Sanitätsräumen des Unternehmens angeboten.

Doch die zunehmenden Einschränkungen für Ungeimpfte und parallel anlaufende Auffrischungsimpfungen verändern die Lage: "Wir stehen momentan vor großen Herausforderungen", berichtet Hauke Hannig von ebm-papst auf Anfrage von tagesschau.de. Man spüre im Unternehmen die steigende Nachfrage an Erst-, aber vor allem auch an Booster-Impfungen, auch deshalb, weil Impfzentren in der Region längst geschlossen seien.

Auch der Technologiekonzern Bosch und der Autobauer Daimler aus Stuttgart wollen bald wieder mehr Betriebsimpfungen anbieten. Während Daimler ab Januar seine Mitarbeiter mit Booster-Impfungen versorgen will, hat Bosch bereits Mitte Oktober mit Auffrischungsimpfungen begonnen. Bundesweit verabreichte das Unternehmen nach eigenen Angaben seit Beginn der Impfkampagne im Sommer 60.000 Impfdosen.

Zahl der Impfungen in Betrieben unklar

Unternehmen dürfen ihren Beschäftigten seit Anfang Juni Impfungen anbieten, als sogenannte dritte Säule der Impfkampagne nach Impfzentren und Arztpraxen. Laut Robert Koch-Institut (RKI) sind bis zum 17. November bundesweit rund 115 Millionen Impfdosen verabreicht worden - ein Großteil davon in Impfzentren (55 Prozent) und Arztpraxen (43 Prozent). Lediglich 2,5 Millionen Impfdosen - und damit rund zwei Prozent - wurden laut RKI von Betriebsärzten verimpft. Weil viele Betriebsärzte aber nach Angaben des Verbandes der Betriebs- und Werksärzte (VDBW) auch als Kassenärzte arbeiten, würden Impfungen oftmals zusammengezählt und anders verbucht. "Die Zahl der betriebsärztlichen Impfungen wird demnach vermutlich deutlich höher sein", sagt der baden-württembergische VDBW-Landesvorsitzende Stephan Schlosser.

Forderung nach Unterstützung aus der Politik

Über zu wenig Arbeit könnten sich die Betriebsärzte im Land nicht beschweren, so Schlosser: "Wir arbeiten seit dem Sommer unglaublich viel und werden jetzt - bei steigenden Infektionszahlen - neben den Impfungen auch immer öfter beratend von den Betrieben hinzugezogen. Etwa, wenn es um neue betriebliche Hygieneregeln geht oder wenn positiv getestete Beschäftigte wissen wollen, wie es weiter geht." Kritik übt der Verbandsvertreter an der Politik: "Wir müssen jetzt die 'Überraschung' bewältigen, dass sechs Monate nach der Zweitimpfung plötzlich eine Auffrischungsimpfung ansteht." Der hohen Nachfrage könne man nur begegnen, wenn Politik und Verwaltung den Betrieben jetzt maximale Unterstützung zukommen ließen, so Schlosser. Dabei gehe es vor allem um "logistische und planerische Aufgaben", also etwa um das komplizierte Registrieren von Impfungen bei den Behörden.

In Mulfingen bei ebm-papst hofft man, schon bald wieder bis zu 200 Mitarbeiter am Tag gegen das Coronavirus impfen zu können. Nur so könne man die Sicherheit im Betrieb erhöhen und einen Weg zurück zur Normalität finden, so Sprecher Hannig. Doch der Weg in die Normalität scheint in weiter Ferne: Zuletzt hatten sich so viele Mitarbeiter wie noch nie mit dem Coronavirus infiziert. Es kam zu Produktionsausfällen. Die jetzt verabschiedete 3G-Regelung am Arbeitsplatz biete zusätzliche Sicherheit, so ebm-papst, mit der man weitere Infektionen verhindern könne. Man habe zudem die Möglichkeit, Klarheit über die tatsächliche Impfquote im Betrieb zu erhalten. Und das hilft dann sicher auch bei den Planungen für die zweite große Impfkampagne im Betrieb ab Dezember.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. November 2021 um 19:00 Uhr.