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Monsanto-Altlasten in den USA Bayer erneut zu Schadenersatz verurteilt

Stand: 11.11.2021 08:22 Uhr

Bayer hat vor einem US-Gericht eine erneute Niederlage wegen Altlasten aus der Monsanto-Übernahme erlitten. In einem Schulgebäude waren Schüler und andere dem Umweltgift PCB ausgesetzt.

Ein US-Geschworenengericht hat Bayer zu einer Zahlung von insgesamt 62 Millionen Dollar verurteilt. Fast 200 Personen, darunter Schüler, Eltern und Angestellte, hatten Bayer wegen der angeblichen Kontamination mit PCB verklagt. Sie hatten erklärt, in einem Schulgebäude im Bundesstaat Washington der Chemikalie ausgesetzt gewesen zu sein. Es handelt sich um das zweite Urteil gegen Bayer im Zusammenhang mit PCB am Sky Valley Education Center in Monroe. Ein Verfahren, an dem Lehrer beteiligt waren, endete im Juli mit einem Urteil in Höhe von 185 Millionen Dollar gegen Bayer.

Ob der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern den Schadenersatz wird zahlen müssen, steht noch nicht fest. Bayer hat gegen beide Urteile Berufung eingelegt: "Wir gehen davon aus, dass die vom Berufungsgericht zu klärenden Fragen sich in beiden Fällen ähneln werden, da die Fehler in Bezug auf die rechtliche Bewertung und die Beweiswürdigung gleich sind", teilte das Unternehmen mit.

Das "dreckige Dutzend"

Bayer behauptet zur Verteidigung, dass in der Schule nur sehr geringe PCB-Werte festgestellt worden seien und es keinen Beweis dafür gebe, dass die Chemikalie Ursache der gesundheitlichen Probleme der Kläger sei. "Zudem haben auch die Blutproben der Kläger normale Mengen an PCB aufgewiesen, die gemäß der Angaben des Centers for Disease Control and Prevention (CDC) dem Durchschnitt der US-Bevölkerung entsprechen."

Die Kläger führen dagegen ihre Beschwerden wie Asthma und kognitive Beeinträchtigungen auf PCB zurück, das in den Vorschaltgeräten für Leuchtstofflampen in Sky Valley gefunden wurde. Bayer hatte bereits erklärt, die Komponenten seien von Kunden von Monsanto installiert worden und hätten schon vor Jahrzehnten ausgetauscht werden müssen.

Monsanto hatte PCB, das etwa in Transformatoren, als Hydraulikflüssigkeit oder als Weichmacher in Lacken und Dichtungen eingesetzt wurde, von 1935 bis 1977 hergestellt. Die Chemikalie, die zu den zwölf als "dreckiges Dutzend" bekannten organischen Giftstoffen zählt, wurde 1979 in den USA verboten und 2004 schließlich weltweit.

Monsanto-Altlasten

Wie auch der milliardenschwere Streit über mutmaßliche Krebsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat sind die PCB-Verfahren ein teures Erbe des 2018 für über 60 Milliarden Dollar von Bayer übernommenen US-Saatgutriesen Monsanto.

Bayer hat wegen PCB in den USA noch andere rechtliche Probleme, denn es gibt weitere Klagen wegen angeblicher Umweltschäden durch PCB. Monsanto wird beschuldigt, jahrzehntelang verheerende Folgen der Schadstoffe für Natur und Lebewesen verschwiegen zu haben.

Eigentlich hatte sich Bayer bereits im Rahmen eines Vergleichs zur Beilegung des größten PCB-Verfahrens in den USA auf eine Zahlung von 650 Millionen Dollar geeinigt. Doch der zuständige Richter wies den Kompromiss zurück.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. November 2021 um 12:40 Uhr in der Wirtschaft.