Werner Baumann |

Glyphosat-Debakel Bayer macht zehn Milliarden Verlust

Stand: 25.02.2021 09:34 Uhr

Wegen des Agrargeschäfts und der Monsanto-Übernahme muss Bayer einen Verlust von mehr als zehn Milliarden Euro verbuchen. Das weitere Schicksal des Chemie- und Pharmakonzerns hängt nun von einem US-Richter ab.

Endlich einen Schlussstrich unter das Glyphosat-Drama ziehen - das dürften sich viele Bayer-Manager, Angestellte und Aktionäre wünschen. Doch das Leverkusener Pharma- und Agrarchemie-Unternehmen schleppt immer noch enorme Altlasten mit sich herum, die aus der 63 Milliarden Euro teuren Übernahme von Monsanto im Jahre 2018 resultieren.

Dividende gekürzt

Die Folgen belasten den DAX-Konzern bis heute massiv. Wie sehr, das zeigt ein Blick auf den Aktienkurs, der sich binnen drei Jahren in etwa halbiert hat.

Wie sehr, zeigt aber auch ein Blick in die Jahresbilanz, die das Unternehmen am Donnerstagmorgen vorgelegt hat. Demnach verbuchte Bayer im vergangenen Jahr unter dem Strich einen Verlust von 10,5 Milliarden Euro. Daher müssen sich auch die Aktionäre des Pharma- und Chemiekonzerns mit weniger Dividende zufriedengeben. Sie sollen nur noch 2,00 Euro je Anteilsschein erhalten nach 2,80 Euro im Vorjahr.

Milliardenschwere Abschreibungen

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) belief sich auf minus 16,2 Milliarden Euro. Darin enthalten sind Abschreibungen in Höhe von 23,3 Milliarden Euro. Diese standen nach Angaben des Unternehmens insbesondere in Verbindung mit "Rückstellungen für die getroffenen Vereinbarungen in Bezug auf die Rechtskomplexe Glyphosat, Dicamba, PCB und Essure".

Allein das in den USA ausgehandelte Monsanto-Vergleichspaket würde die Leverkusener bis zu rund 11,6 Milliarden Dollar kosten, inklusive der bis zu 9,6 Milliarden Dollar für bestehende Klagen.

Glyphosat |

Mit dem Pflanzenschutzmittel Glyphosat hat sich Bayer jede Menge Rechtsrisiken ins Haus geholt.

Unsicherheitsfaktor Chhabria

Doch ob es wirklich zu diesem Vergleich kommt und Bayer einen Großteil der US-Rechtsstreitigkeiten abhaken kann, das hängt nun am zuständigen US-Bundesrichter Vince Chhabria. Chhabria hatte bereits im Juni 2020 den ersten Vergleichsvorschlag abgelehnt und moniert, Bayer habe zu wenig Geld für künftige Klagen eingeplant. Die Leverkusener besserten ihr Angebot nach und hoffen nun, dass es sehr bald zu einer mündlichen Anhörung und schließlich der Zustimmung des Richters zu dem Vergleich kommen wird.

Doch ob das tatsächlich passieren wird, ist schwer vorhersehbar. Dem 51-jährigen Chhabria eilt der Ruf eines im besten Sinne unabhängigen Richters voraus, der sich im Laufe des Verfahrens bereits mit beiden Seiten angelegt hat.

Richter Vince Chhabria |

Der US-Richter Vince Chhabria

Investitionen in die Zukunft

Jenseits des ewigen Glyphosat-Dramas konnte Bayer zuletzt wieder vermehrt mit positiven Meldungen aufwarten. So will Bayer dem Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac bei der Produktion seines Impfstoffs helfen. Allerdings steht hier die Zulassung noch aus. Anfang der Woche kündigten die Leverkusener überdies an, den Frauenanteil in Führungspositionen in den nächsten vier Jahren auf 50 Prozent zu erhöhen.

Zudem investierte der DAX-Konzern im vergangenen Jahr massiv in vielversprechende Wachstums-Bereiche wie Zell- und Gentherapien, kaufte dazu unter anderen das Biotech-Unternehmen Asklepios BioPharmaceutical.

Verhaltener Ausblick

"Unsere operative Stärke in diesen unruhigen Zeiten zeigt, dass sich unsere Geschäfte auch in der Pandemie als widerstandsfähig erweisen", sagte der Vorstandsvorsitzende Werner Baumann am Donnerstag bei der Bilanz-Pressekonferenz. "Wir haben das vergangene Jahr auch genutzt, um die Weichen für künftiges Wachstum zu stellen."

Für 2021 erwartet Bayer ein solides operatives Wachstum und ein stabiles Ergebnis zu konstanten Währungskursen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Februar 2021 um 10:00 Uhr in den Nachrichen.