Flugzeuge versprühen das Entlaubungsmittel Agent Orange während des Vietnamkriegs

Vor Gericht in Frankreich Bayer wegen Agent Orange angeklagt

Stand: 26.01.2021 14:31 Uhr

Monsanto wird für Bayer nun auch in Frankreich zu einem Problem. Dort klagt eine 78-Jährige gegen die Hersteller des giftigen Entlaubungsmittels Agent Orange, das im Vietnam-Krieg eingesetzt wurde.

Knapp ein halbes Jahrhundert nach dem Vietnam-Krieg muss sich Bayer vor einem französischen Gericht wegen des giftigen Entlaubungsmittels Agent Orange verantworten. Das wurde einst von Dow Chemical und anderen Firmen wie dem zum Bayer-Konzern gehörenden Chemiekonzern Monsanto hergestellt und von der US-Armee im Kampf gegen den Vietkong eingesetzt. 

46 Millionen Liter des orangefarbenen, dioxinhaltigen Gifts sollen zwischen 1961 und 1971 großflächig über dem Dschungel Vietnams versprüht worden sein - mit verheerenden Folgen für die Menschen. Viele bekamen Krebs, Neugeborene litten unter fehlenden Gliedmaßen und anderen Missbildungen.

Krebs und Herzprobleme

Zu den Betroffenen gehört auch die heute 78jährige Klägerin Tran To Nga. Sie kämpfte als junge Frau an der Seite des Vietkong gegen die Amerikaner und erlebte dabei hautnah die Wirkung der gefürchteten Entlaubungsmittel. Heute leidet Tran To Nga unter anderem an Herzproblemen, ebenso wie ihre Tochter. Zudem hatte sie Krebs. Eine weitere Tochter starb früh an einem angeborenen Herzfehler. Die Frau lebt seit Jahren in Frankreich und ist französische Staatsbürgerin. 2004 wurde sie sogar vom damaligen Staatspräsidenten Jacques Chirac mit der Ehrenlegion ausgezeichnet.

Doch die US-Chemiekonzerne blieben unbehelligt. Auf Empfehlung des Friedensaktivisten und Agent-Orange-Experten André Bouny erstattete Frau Tran 2014 erstmals Anzeige gegen Dow Chemical und Monsanto und forderte Schadensersatz für die vielen Millionen vergifteten Vietnamesen. Nach Angaben der vietnamesischen Opfervereinigung Vava sind 4,8 Millionen Vietnamesen mit Agent Orange in Berührung bekommen

Dennoch schafften es die Unternehmen, die Eröffnung eines Verfahrens jahrelang zu verzögern. Bis zu diesem Montag, als vor dem Landgericht von Evry, einem südlichen Vorort von Paris, die ersten Plädoyers gegen Dow und Monsanto begannen.

Ist das Gericht nicht zuständig?

Tran To Nga und die von ihr unterstützen Ngo's wollen die Firmen dafür zur Verantwortung ziehen, dass sie im Vietnamkrieg Millionen Liter des hochgiftigen Herbizids an die US-Armee verkauft haben. Die Unternehmen streiten die Zuständigkeit des Gerichts in Evry ab. 

Der Anwalt von Monsanto, Jean-Daniel Bretzner, argumentierte, die USA hätten Agent Orange für die nationale "Verteidigung" eingesetzt, ein ausländisches Gericht könne sich deshalb nicht mit der Sache befassen. Der Ausgang des Verfahrens ist also völlig ungewiss. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, wäre es das erste Mal in der Geschichte, dass ein vietnamesisches Opfer entschädigt wird.

Prozess kommt zur Unzeit

Für Bayer kommt der Prozess zur Unzeit, ist doch der im vergangenen Jahr geschlossene Vergleich über zehn Milliarden Dollar, mit dem der Konzern die meisten Glyphosat-Klagen in den USA loswerden wollte, noch immer nicht in trockenen Tüchern. Denn noch haben über Tausend Kläger dem Vergleich nicht zugestimmt.

Auch ein anderes Erbe Monsantos - angeblich mit der Chemikalie PCB verseuchte Gewässer in den USA - belastet Bayer weiter. Ein Bundesgericht in Los Angeles nannte die dabei getroffene Vergleichssumme in Höhe von 650 Millionen Dollar "bescheiden" und annulierte die Einigung.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Januar 2021 um 08:17 Uhr.

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Moderation 26.01.2021 • 20:53 Uhr

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