Teil eines Etiketts mit der Inhaltsangabe des Wirkstoffs Glyphosat | picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Umstrittener Unkrautvernichter Bayer gewinnt weiteren Glyphosat-Prozess

Stand: 10.12.2021 10:13 Uhr

Nach einem ersten Erfolg im Oktober hat Bayer auch einen zweiten Prozess um mögliche Krebserkrankungen durch den Unkrautvernichter Glyphosat in den USA gewonnen. Kommt nun ein höchstrichterliches Votum?

Im jahrelangen Streit über die gesundheitlichen Schäden durch den Unkrautvernichter Glyphosat hat der DAX-Konzern Bayer in den USA einen zweiten juristischen Sieg errungen. Ein Geschworenengericht in Kalifornien befand, dass das Mittel nicht die Ursache der Krebserkrankung einer Frau gewesen sei. Die Klägerin hatte ihre Erkrankung auf den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup zurückgeführt, den sie über mehrere Jahre verwendet hatte.

"Das Urteil der Jury zu unseren Gunsten beendet das Verfahren und bestätigt, dass Roundup nicht die Ursache der Krebserkrankung von Donnetta Stephens ist. Wir haben großes Mitgefühl für Donnetta Stephens, teilen aber die Ansicht der Jury, dass Roundup nicht die Ursache ihrer Krankheit ist", erklärte der Leverkusener Agrarchemie- und Pharmakonzern.

Das Urteil ist das fünfte dieser Art im Zuge der Klagewelle in den USA wegen Glyphosat. Bislang hat Bayer im Streit über den angeblich krebserregenden Unkrautvernichter drei Prozesse in erster Instanz mit millionenschweren Schadenersatzzahlungen verloren und in allen bisherigen Berufungsverfahren Niederlagen erlitten. Ins Haus geholt hat sich Bayer die Klagewelle mit der 63 Milliarden Dollar schweren Übernahme des amerikanischen Glyphosat-Herstellers Monsanto. Sie hat den Aktienkurs von Bayer um über 60 Prozent einbrechen lassen. Fast 30 Milliarden Euro an Börsenwert wurden dadurch vernichtet.

Warten auf den Supreme Court

Am Morgen reagieren die Aktionäre mit Kursgewinnen auf den zweiten juristischen Erfolg. Doch die Freude der Anleger hielt sich in Grenzen, denn eine endgültige Entscheidung im Streit um den Unkrautvernichter ist das Urteil nicht.

Eine Grundsatzentscheidung in der Sache dürfte es für Bayer erst durch das oberste Gericht der USA geben. Der Supreme Court will heute über die Annahme einer Beschwerde von Bayer in einem Glyphosat-Fall beraten. Ob die Richter den wegweisenden Fall zur Verhandlung annehmen, wird dann voraussichtlich am kommenden Montag bekanntgeben, wie aus dem Tagungskalender des Supreme Court hervorgeht. Die Entscheidung ist von enormer Bedeutung für den Fortgang der Causa Glyphosat.

Dabei geht es um die Frage, ob Monsanto nach geltendem US-Recht überhaupt einen Warnhinweis auf den Behältern des Unkrautvernichters hätte anbringen dürfen. Denn die Entscheidung darüber obliegt der US-Umweltbehörde EPA. Die aber stuft Glyphosat als sicher ein und sah keine Notwendigkeit für eine solche Änderung.

Rückstellungen von 4,5 Milliarden Dollar

Zunächst geht es darum, ob der Supreme Court den Fall überhaupt zur Überprüfung annimmt. Schon die Annahme des Verfahrens wäre für Bayer ein positives Zeichen, denn der Supreme Court macht dies sehr selten und nur wenn er Korrekturbedarf sieht. Experten zufolge käme eine höchstrichterliche Entscheidung zugunsten von Bayer für den DAX-Konzern einem Befreiungsschlag gleich. Der Leverkusener Konzern verspricht sich davon, die Glyphosat-Streitigkeiten dann beenden zu können. Vor allem mögliche künftige Klagen stehen dabei im Fokus.

Für den Fall, dass der Supreme Court sich mit dem Glyphosat-Verfahren nicht befassen will oder letztlich gegen Bayer entscheidet, hatte der Konzern im Sommer Rückstellungen von 4,5 Milliarden Dollar gebildet. Mit dem Geld würde Bayer dann ein Programm aufsetzen, um in den kommenden 15 Jahren mit den Forderungen neuer Kläger umzugehen. Zuvor hatte Bayer bereits rund elf Milliarden Dollar für ein Vergleichspaket zur Beilegung von US-Klagen zurückgestellt.