In den USA sieht sich Bayer Schadensersatzklagen wegen der angeblich krebserregenden Wirkung von Glyphosat konfrontiert. | REUTERS

Produktionsprobleme Geht Bayer das Glyphosat aus?

Stand: 14.02.2022 15:59 Uhr

Das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat droht, knapp zu werden. Grund sind Produktionsprobleme beim Chemie- und Pharmakonzern Bayer.

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer kämpft bei der Herstellung seines Unkrautvernichters Glyphosat mit Problemen bei der Rohstoffversorgung. Bei einem der wichtigsten Rohstofflieferanten des Unternehmens sei es zu einem mechanischen Ausfall in der Produktionsanlage gekommen, was zu einer erheblichen Verringerung der Produktionsraten geführt habe, schrieb Bayer in einem Brief an Kunden, aus dem die Nachrichtenagentur Reuters zitierte.

Betroffen von den Problemen sei ein wichtiges Vorprodukt für die Herstellung von Glyphosat. Das beeinträchtige die Lieferfähigkeit von Bayer bei Glyphosat und glyphosathaltigen Produkten. Der Lieferant arbeite aber daran, die Produktion wieder aufzunehmen. Bayer habe zusätzliche Materialien beschafft und andere Maßnahmen ergriffen, um die Situation bestmöglich zu bewältigen.

Von Vertragspflichten vorerst befreit

Der Konzern erklärte höhere Gewalt offiziell zur Ursache des Produktionsausfalls. Dadurch wird der Konzern von seinen vertraglichen Pflichten vorübergehend befreit und kann daher haftungsrechtlich nicht belangt werden.

Bayer geht dem Schreiben zufolge aber davon aus, dass die Reparaturen an der Produktionslinie des Lieferanten rund drei Monate dauern werden. Der Brief richte sich an Kunden, die Glyphosat als Wirkstoff einkaufen. Betroffen ist aber auch die eigene Produktion der glyphosathaltigen Roundup-Unkrautvernichter von Bayer. Laut Bayer herrscht derzeit auf dem Markt für Pflanzenschutzchemikalien und -mittel ein historisch knappes Angebot.

Damit macht Glyphosat Bayer erneut Kummer. Bayer hatte sich durch den über 60 Milliarden Dollar teuren Kauf des US-Saatgutriesen Monsanto gewaltige Rechtsrisiken ins Haus geholt. Insgesamt wurden mehr als 100.000 Klagen gegen Bayer wegen angeblicher Krebsrisiken erhoben. Bisher hat das Schlamassel Bayer einen zweistelligen Milliardenbetrag in US-Dollar gekostet.