Ein Landwirt fährt mit einer Pestizid- und Düngerspritze über ein Feld | picture alliance / dpa

Krebsrisiko Unkrautvernichter? Neue Glyphosat-Klage gegen Bayer

Stand: 22.06.2021 10:47 Uhr

Der Bayer-Konzern wird die Belastungen durch die Übernahme der US-Agrarchemiefirma Monsanto nicht los. In den USA ist erneut eine Klage wegen dessen Unkrautvernichters Glyphosat eingereicht worden.

Die Klagen im Zusammenhang mit dem umstrittenen Unkrautvernichter Roundup, der das Pestizid Glyphosat enthält, nehmen für den Bayer-Konzern kein Ende. Nach einer längeren Pause ist nun wieder eine Klage in den USA anhängig. Bei dem Fall geht es um einen Mann in Kalifornien, das Mittel für seine Krebserkrankung verantwortlich macht.

Streit mit zehntausenden Klägern

Bayer muss sich weiterhin mit rund 30.000 Klägern aus noch anhängigen Klagen einigen. In den vergangenen Jahren hatte der Konzern Vergleiche mit rund 96.000 Klägern erreicht. Allein in ersten Quartal 2021 hat Bayer dafür rund zwei Milliarden Euro zur Beilegung der Rechtsstreitigkeiten aufgewendet. Die Kosten für die Vergleiche werden bislang auf 11,6 Milliarden Euro geschätzt.

Drei Glyphosat-Prozesse hatten die Leverkusener zudem in erster Instanz verloren - mit millionenschweren Schadenersatzzahlungen - und in zwei der Berufungsverfahren Niederlagen erlitten. Dass im Juli in den USA weitere Glyphosat-Klagen vor Gericht kommen, hatte Vorstandschef Werner Baumann kürzlich bereits angekündigt.

Rückschlag bei Vergleichsverhandlungen

Einen empfindlichen Rückschlag bei der Beilegung von noch möglichen Klagen hatte Bayer Ende Mai hinnehmen müssen. Der zuständige Richter verweigerte seine Zustimmung zu einem Vertragsentwurf für künftige Vergleiche. Bayer kündigte daraufhin ein Maßnahmenpaket aus rechtlichen und kommerziellen Schritten an.

Unter anderem hat das Unternehmen eine Plattform eingerichtet, auf der aktuelle wissenschaftliche Studien zu den gesundheitlichen Risiken von Glyphosat vorgestellt werden. Die Mehrzahl der Experten attestiert dem Unkrautvernichter keine krebserregende Wirkung, zuletzt auch die US-Umweltbehörde EPA, die feststellte, dass "keine bedenklichen Risiken für die menschliche Gesundheit bestehen". Ob dies allerdings die Richter an den US-Gerichten in ihren Urteilen beeinflussen kann, muss der Konzern nun abwarten.

Die Bayer-Aktie reagierte am Morgen kaum auf die Nachricht. Allerdings war das Papier in der vergangenen Woche durch schwache Studienergebnisse des Tübinger Impfstoff-Herstellers CureVac belastet worden. Dessen Corona-Impfstoffkandidat hatte nur eine geringe Wirksamkeit gegen eine Infektion gegen Covid-19 erzielt. Bayer war Anfang des Jahres eine Kooperation mit CureVac eingegangen.

Über dieses Thema berichtete B5 Aktuell in der Börse am 22. Juni 2021 um 08:15 Uhr.