Ein ICE der vierten Generation fährt auf einer Strecke im Sonnenlicht | dpa

Deutsche Bahn Wieder mehr Zugreisende

Stand: 29.07.2021 13:35 Uhr

In der Corona-Krise war die Auslastung der Züge zeitweise auf nur noch 20 Prozent gefallen. Nun berichtet die Bahn von steigenden Passagierzahlen. Doch aus den roten Zahlen kommt der Konzern in diesem Jahr wohl noch nicht.

Die Deutsche Bahn zeigt sich trotz eines erneuten Milliarden-Verlusts im ersten Halbjahr zuversichtlicher. Seit April verzeichne man eine spürbare Besserung mit mehr Reisenden und mehr Gütern. "Der Aufwärtstrend der vergangenen Wochen bestätigt uns: Die Menschen wollen wieder Bahn fahren", sagte Bahn-Chef Richard Lutz. "Wir sind gerüstet für mehr Reisende und Wachstum." Tatsächlich ist der Umsatz in den ersten sechs Monaten um gut zwölf Prozent gestiegen.

Gleichzeitig betonte Lutz die Bedeutung der Bahn für den Umweltschutz in Deutschland und Europa: "Das verheerende Hochwasser hat uns einmal mehr bewusst gemacht, wie gravierend die Folgen des Klimawandels bereits sind. Deshalb ist die Schiene wichtiger denn je für eine nachhaltige Entwicklung."

Verluste vor allem im Fernverkehr

Dennoch ist ein Ende der roten Zahlen vorerst nicht in Sicht. Im laufenden Jahr rechnet der Konzern mit einem Verlust vor Steuern und Zinszahlungen von zwei Milliarden Euro. Besonders der Fernverkehr ist weiter defizitär. Die Sparte fuhr allein im ersten Halbjahr einen Betriebsverlust von über einer Milliarde Euro ein. Dabei lag die Auslastung der Züge zeitweise nur bei 20 Prozent, davor waren es über 50 Prozent.

Güterbahn und Nahverkehr schrieben ebenfalls rote Zahlen, schnitten aber deutlich besser ab. Die Speditionstochter Schenker glänzte im ersten Halbjahr sogar mit einem Rekordgewinn von fast 630 Millionen Euro. Trotzdem beendete die Bahn das erste Halbjahr mit einem Verlust von 1,4 Milliarden Euro.

Belastung durch "Geisterzüge"

Als besondere Belastung erwies sich der Wunsch des Bundes, die Züge während der Corona-Einschränkungen trotz geringer Auslastung fahrplanmäßig weiterfahren zu lassen. Dadurch waren auf manchen Strecken oft weitgehend leere Waggons auf den Schienen unterwegs. Immerhin blieb der Verlust im ersten Halbjahr deutlich unter dem Vorjahreswert von 3,7 Milliarden Euro.

Nicht nur die Folgen der Corona-Krise muss der Konzern schultern - er muss nun auch zusätzliches Geld aufbringen, um die Flutschäden in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zu beheben. Die Bahn beziffert die erwarteten Mehrausgaben auf 1,1 Milliarden Euro. Zudem droht ein Streik der Lokführer-Gewerkschaft GDL.

Die hat am Morgen ein Gesprächsangebot des Konzerns zurückgewiesen. Dieses Angebot sei unaufrichtig, so die GDL. Der Arbeitgeber wolle den Geltungsbereich ihrer Tarifverträge einschränken. Erst nach einem positiven Abschluss der laufenden Tarifrunde sei die GDL zu einem solchen Gespräch bereit. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) als dritte Beteiligte hat sich noch nicht dazu geäußert. Die Bahn und die Lokführergewerkschaft befinden sich in einem festgefahrenen Tarifkonflikt. Bei der Gewerkschaft läuft eine Urabstimmung über Streiks.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. Juli 2021 um 06:36 Uhr.