Abgestellte Züge der Deutschen Bahn stehen auf Gleisen am Münchner Hauptbahnhof | dpa

Tarifkonflikt bei der Bahn Nach dem Streik ist vor dem Streik

Stand: 24.08.2021 17:39 Uhr

Nach vier Tagen endet in der Nacht der Lokführerstreik bei der Bahn. Was hat der Arbeitskampf der Gewerkschaft GDL gebracht? Ist eine Tarifeinigung in Sicht? Was ist das größte Problem in dem Konflikt?

Von Johannes Frewel, RBB

Vier Tage Lokführerstreik: Tausende Fern-, Regionalzüge, S-Bahnen und Güterzüge blieben bundesweit im Depot. In einigen ostdeutschen Regionen fielen 90 Prozent der Verbindungen aus. In München fuhr hingegen jede zweite S-Bahn mehr oder weniger nach Fahrplan.

Wenn nun nach Streikende in der kommenden Nacht der Verkehr wieder anläuft, steht für die Deutsche Bahn eins im Vordergrund: Vor allem der morgendliche Berufsverkehr solle wieder ganz normal unterwegs sein, verspricht Bahn-Sprecher Achim Stauß. "Wir sind zuversichtlich, dass der Zugverkehr morgen nach dem Streik wieder planmäßig läuft, weitgehend ohne Einschränkungen." Das sei nach dem ersten GDL-Streik auch gelungen. "Ich bin optimistisch, dass wir morgen wieder das komplette Zugangebot bieten können."

Problematisches Dreiecksverhältnis

Eigentlich sollte das neue Tarifeinheitsgesetz derlei Arbeitskämpfe bei der Deutschen Bahn regulieren. Doch das hat offenkundig nicht geklappt. Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband pro Bahn bilanziert die Hintergründe. Das Problem sei nicht so sehr das Verhältnis zwischen der GDL und der Bahn. "Das Problem ist, dass wir ein Dreiecksverhältnis haben, dass wir zwei Gewerkschaften haben und die eine Gewerkschaft immer besser sein will als die andere", sagt er mit Blick auf die mit der GDL konkurrierende, größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).

"Das Tarifeinheitsgesetz, das die Probleme lösen sollte, hat sie nicht gelöst. Das ist das viel größere Problem", sagt Naumann. "Denn wenn die Bahn jetzt der einen Gewerkschaft nachgibt, kommt die andere und stellt dieselben Forderungen. Das hat die EVG ja bereits angekündigt."

GDL rechnet mit langem Arbeitskampf

Für die GDL hat die zweite Streikwelle wenig Ertrag gebracht. Der Arbeitgeber Bahn signalisierte zwar Entgegenkommen. Man könne gern über eine Corona-Prämie für Lokführer verhandeln. Ein konkretes Angebot, wie hoch die Prämie sein und wann sie gezahlt werden solle, blieb allerdings aus.

GDL-Chef Claus Weselsky rechnet wegen der Salamitaktik des Arbeitgebers mit einem langen Arbeitskampf und eskalierenden weiteren Streiks, um einen Tarifabschluss zu erzwingen. "Wir werden bei zukünftigen Arbeitskampfmaßnahmen nicht mehr verhindern können, dass diese länger und auch über Wochenenden gehen", sagte er. "Wer unbelehrbar ist und die Bahnkunden als willfährige Spielmasse betrachtet, der kann auch von einer Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer nicht erwarten, dass sie aus Rücksicht auf die Kunden auf die Grundrechte verzichtet."

Wann die dritte Streikwelle beginnt, ist unklar, dass sie kommt, ist hingegen sehr wahrscheinlich. Aus Sicht der Lokführer hat sich die Bahn bei der Hauptforderung nach 3,2 Prozent mehr Geld nicht bewegt. Sie bietet für dieses Jahr eine Nullrunde und will erst 2022 und 2023 die Löhne in zwei Schritten anheben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. August 2021 um 17:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Anna-Elisabeth 24.08.2021 • 23:56 Uhr

@23:44 von Taeler

//Ich würde der Gewerkschaft Ihre Wünsche erfüllen. Gleichzeitig würde ich die Fahrpreise und Frachtkosten erhöhen. Weiter müsste die Bahn endlich einmal einen Gewinn erwirtschaften und die Bahninfrastruktur auf eigene erwirtschafteten Einnahmen selbst stemmen. Dann könnte man sehen, wie die Industrie und die Fahrgäste darauf reagiert.// Sie können sich darauf verlassen, dass Fahrpreise und Frachtkosten teurer werden, ohne dass auch nur ein einziger Bahnmitarbeiter einen Cent mehr Lohn bekommt.