Am frühen Morgen steigen Fahrgäste auf dem Hamburger Hauptbahnhof in Züge ein und aus. | dpa

Nach GDL-Streik Züge sollen schnell planmäßig fahren

Stand: 25.08.2021 08:21 Uhr

Der Streik der GDL ist seit der Nacht beendet, und nun heißt es bei der Deutschen Bahn: so schnell wie möglich zurück zum Normalbetrieb. Im Laufe des Tages sollen wieder alle Züge und S-Bahnen nach Plan fahren.

Seit 2 Uhr nachts ist der Streik der Lokführergesellschaft GDL offiziell beendet. Die Deutsche Bahn arbeitet nun daran, den Betrieb im Güter- sowie im Personenverkehr schnellstmöglich wieder in vollem Umfang aufzunehmen.

Bereits am Morgen sei der Personenverkehr "weitgehend normal gestartet", teilte die Deutsche Bahn mit. Im Laufe des Tages sollten wieder alle Züge im Regional- und Fernverkehr sowie sämtliche S-Bahnen planmäßig fahren. Das betrifft laut Unternehmensangaben etwa 860 Züge bei den Fernverbindungen und rund 21.000 Züge, die im Regionalverkehr und auf dem Streckennetz der S-Bahnen eingesetzt werden.

Im Güterverkehr befanden sich am Morgen noch etwa 220 Züge infolge des Streiks im Rückstau, wie die DB Cargo mitteilte. Doch auch hier sei mit einer "sehr dynamischen Auflösung der Streikfolgen in den nächsten Stunden" zu rechnen, so ein Sprecher der Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn.

Tickets bleiben weiterhin gültig

Trotzdem rät die Deutsche Bahn Reisenden weiterhin, sich vor ihrer Abfahrt über die Webseite, die App oder telefonisch zu informieren, ob die Züge planmäßig verkehren. Die während der Streiktage eingerichtete Sonderhotline bleibe auch am Mittwoch weiterhin unter 08000-996633 erreichbar.

Fahrkahrten für die Reise mit Fernzügen, die für den Zeitraum vom 23. bis einschließlich dem heutigen 25. August gebucht wurden und durch den Streik nicht genutzt wurden, behalten nach Angaben der Deutschen Bahn noch bis zum 4. September ihre Gültigkeit und könnten flexibel genutzt werden. Andernfalls haben Kunden auch die Möglichkeit, sich die Kosten für ihr Ticket erstatten zu lassen.

Kein Kompromiss in Sicht

Der Streik der GDL hatte am Samstagnachmittag im Güterverkehr begonnen und war in der Nacht von Sonntag auf Montag auch auf den Personenverkehr ausgeweitet worden. Es war bereits der zweite Ausstand in diesem Monat, Mitte des Monats hatten die Mitglieder der GDL schon einmal ihre Arbeit niedergelegt.

Die GDL will im aktuellen Tarifstreit unter anderem eine Lohnerhöhung von 3,2 Prozent durchsetzen, ebenso bessere Arbeitsbedingungen und eine Corona-Prämie von 600 Euro noch in diesem Jahr. Die Bahn hat der Lohnerhöhung bereits zugestimmt, allerdings will der Konzern sie nicht sofort, sondern in zwei Schritten zahlen: 1,5 Prozent zum 1. Januar 2022 und 1,7 Prozent zum 1. März 2023, bei einer Laufzeit bis Ende Juni 2024.

Die GDL schlug diese Offerte aus. Gewerkschaftschef Claus Weselsky kritisierte, die Manager wollten "sich unanständig bedienen" und "die kleinen Eisenbahner bei Brot und Wasser sitzen lassen". Dafür sei der Bahnvorstand verantwortlich. Solange keine Einigung zwischen der Gewerkschaft und der Deutschen Bahn erzielt wird, drohen weitere Streikmaßnahmen.

EVG spricht von "politischem Streik"

Der erneute Streik der GDL war vor allem in der Wirtschaft auf massive Kritik gestoßen, auch angesichts der bestehenden Lieferengpässe infolge der Corona-Pandemie. Doch auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) lehnte den Ausstand bei der rivalisierenden GDL ab.

Im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk betonte der EVG-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel, Gewerkschaften dürften und müssten zwar streiken, um ihre Forderungen durchzusetzen. Dabei müsse es sich aber "um Einkommen und Beschäftigungsbedingungen, um Arbeitszeit drehen". Der Streik der GDL sei politischer Natur, mit dem Ziel "ihr Überleben zu sichern und die EVG aus dem Unternehmen zu verdrängen".

Der Machtkampf zwischen der GDL und der größeren EVG schwelt schon länger. Die GDL sieht ihren Einfluss aufgrund des Tarifeinheitsgesetzes gefährdet. Dem Gesetz zufolge gelten in Betrieben mit mehreren Gewerkschaften nur die Tarifverträge der größeren Arbeitnehmervertretung.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 24. August 2021 um 17:05 Uhr.

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Moderation 25.08.2021 • 13:35 Uhr

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