Reisende warten vergeblich auf einen Zug am Berliner Hauptbahnhof, der sie nach Amsterdam befördert (Archivbild). | dpa

GDL-Streik beendet Bahn nimmt Kurs auf Normalbetrieb

Stand: 25.08.2021 02:47 Uhr

In der Nacht ist der Lokführerstreik zu Ende gegangen. Die Bahn will nun möglichst schnell zum Regelbetrieb zurückkehren. Doch die nächste Arbeitsniederlegung droht bereits.

Der Streik der Lokführergewerkschaft GDL bei der Deutschen Bahn ist beendet. Das sagten Vertreter beider Seiten nach dem planmäßigen Ende des Arbeitskampfes um 2.00 Uhr. Die Bahn erwartet am heutigen Mittwoch wieder einen weitgehend normalen Betrieb im Fern- und Regionalverkehr sowie bei den S-Bahnen. Kunden sollten sich dennoch vor Fahrtantritt über die Webseite, die App oder telefonisch informieren, ob ihr Zug wie geplant fährt.

Eine Lösung des Tarifkonflikts ist jedoch weiter nicht in Sicht. Es gibt Uneinigkeit darüber, wann die Beschäftigten Einkommenserhöhungen bekommen sollen. Gerungen wird auch um eine mögliche Corona-Prämie sowie die Betriebsrenten. Der Streik hatte in der Nacht zu Montag im Personenverkehr begonnen, im Güterverkehr schon am Samstag. Eine Bilanz der GDL steht noch aus. Es war ihr zweiter Arbeitskampf in diesem Monat. Weitere Streiks sind möglich.

Verkehrsminister Scheuer kritisiert den Streik

Die GDL rivalisiert mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) um Mitglieder bei der Bahn. Anders als die EVG will sie in diesem Jahr keine Nullrunde hinnehmen. Der EVG-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel forderte inzwischen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) auf, sich aus dem Tarifkonflikt bei der Bahn herauszuhalten. Zwar gehe es der GDL "nur bedingt um materielle Forderungen, sondern um politische Ziele", heißt es in Hommels Schreiben an den Politiker. "Dennoch sind wir davon überzeugt, dass diese Tarifrunde ausschließlich durch die Verhandlungspartner selbst gelöst werden muss." Scheuer hatte den GDL-Streik kritisiert und die Gewerkschaft aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

GDL schlug Offerte aus

Auch wenn sich die Lage für die Fahrgäste nun in absehbarer Zeit an den Bahnhöfen entspannen sollte, ist im Tarifkonflikt zwischen der Bahn und der GDL weiterhin keine Annährung in Sicht. Zahlreiche Beschäftigte trafen sich auch gestern zu Kundgebungen unter anderem in Köln und in München, um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen.

Die GDL und die Bahn streiten in dem Tarifkonflikt vor allem über die Laufzeit des Vertrags und den Start von Lohnerhöhungen. Die Gewerkschaft fordert unter anderem 3,2 Prozent mehr Geld sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro noch in diesem Jahr. Die Bahn will die Lohnerhöhung nicht sofort, sondern in zwei Schritten zahlen: 1,5 Prozent zum 1. Januar 2022 und 1,7 Prozent zum 1. März 2023, bei einer Laufzeit bis Ende Juni 2024. Die GDL schlug diese Offerte aus.

Machtkampf mit der EVG

Im ARD Mittagsmagazin sagte GDL-Chef Claus Weselsky, die Stimmung sei im Keller, da die Manager sich unanständig bedienten und die kleinen Eisenbahner bei Brot und Wasser sitzen lassen wollen. Dafür sei der Bahnvorstand verantwortlich.

Der GDL-Chef verteidigte den Bahnstreik, obwohl sich das Betriebsklima in den beiden zueinander konkurrierenden Gewerkschaften der Bahn, der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und GDL, weiter verschlechtert. "Wir drehen die Dinge nicht auf den Kopf, sondern hier werden Dinge absichtlich auf den Kopf gestellt, bloß um die GDL in Misskredit zu bringen. Und dagegen habe ich mich zu wenden."

Schon länger schwelt ein Machtkampf zwischen der GDL und der größeren EVG. Die Lokführer-Gewerkschaft sieht ihren Einfluss aufgrund des Tarifeinheitsgesetzes gefährdet. Dem Gesetz zufolge gelten in Betrieben mit mehreren Gewerkschaften nur die Tarifverträge der größeren Arbeitnehmervertretung. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Reiner Hoffmann, warf dem GDL-Chef vor, der wolle vor allem das Überleben der GDL sichern - diese steht im Wettstreit mit der deutlich größeren DGB-Gewerkschaft EVG.

Über dieses Thema berichteten die tagesschau am 25. August um 09.00 Uhr sowie das das Mittagsmagazin am 24. August 2021 um 13.00 Uhr, NDR Info um 17:05 Uhr und Inforadio am 25. August 2021 um 06:42 Uhr.

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Moderation 25.08.2021 • 08:45 Uhr

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