Eine Anzeige weist im Hauptbahnhof Stuttgart auf das Ende des Streiks der Lokführergewerkschaft GDL hin. | dpa

Nach Ende des GDL-Streiks Züge fahren wieder, werden aber voll

Stand: 13.08.2021 08:54 Uhr

Nach dem Ende des GDL-Streiks fahren viele Züge bereits wieder nach Plan. Die Bahn erwartet aber, dass es heute sehr voll wird. Nach ihren Angaben hat sich außer Lokführern fast niemand an dem Streik beteiligt.

Nach dem Ende des Streiks der Lokführer-Gewerkschaft GDL beginnt sich der Bahnverkehr zu normalisieren. Der Betrieb sei am Morgen weitgehend normal gestartet, teilte das Unternehmen mit. Vereinzelt könne es allerdings noch zu Einschränkungen kommen.

Ziel sei es, im Laufe des Tages sowohl im Fern- als auch im Regionalverkehr sowie bei den S-Bahnen wieder das komplette Angebot zu fahren. Erfahrungsgemäß geht dies im Nah- und S-Bahnverkehr deutlich schneller als im Fernverkehr, wo die Bahn nach Unterbrechungen durch Streiks oder Unwetter oft mit dem Problem zu kämpfen hat, dass Züge oder Personal nicht an den Ausgangsbahnhöfen sind, wo sie eigentlich sein müssten.

Tickets gelten flexibel

Die Bahn geht zudem davon aus, dass die Fernzüge heute sehr voll sein werden, weil viele Reisende eine für gestern oder vorgestern geplante Reise nachholen. Sie empfiehlt deshalb auf die Auslastung der Züge zu achten, die in der Fahrplanauskunft der Bahn angezeigt wird, und einen Platz zu reservieren. Kunden, die vom Streik direkt betroffen waren, können ihre Tickets innerhalb eines bestimmten Zeitraums flexibel nutzen - auch Sparpreistickets, bei denen eigentlich Zugbindung besteht.

Für das Wochenende sollen zusätzliche Züge zur Verfügung gestellt werden. Wegen der Ferien in vielen Bundesländern und der durch den Streik verschobenen Fahrten erwartet die Bahn die bislang reisestärksten Tage des Jahres.

Bahn: Kaum Beteiligung von Infrastuktur-Mitarbeitern

Die in der GDL organisierten Beschäftigten hatten am frühen Morgen ihren Ausstand beendet, der am Dienstagabend begonnen hatte. Die Gewerkschaft will heute in einer Pressekonferenz eine Bilanz des Arbeitskampfes ziehen. Sie hatte schon von einer starken Beteiligung ihrer Mitglieder gesprochen und will nächste Woche über das weitere Vorgehen entscheiden.

Die Bahn hat sich bereits dazu geäußert. Nach ihren Angaben beteiligten sich von den 19.700 Lokführern, die es bei der Bahn gibt, etwa 5400 an dem Streik. Sehr gering sei die Beteiligung von Beschäftigten aus anderen Bereichen gewesen. Laut einer Bahn-Sprecherin hätten sich 72 Stellwerker an dem Ausstand beteiligt sowie 30 Beschäftigte in der Instandhaltung und 18 Servicemitarbeiter an Bahnhöfen.

Diese Bilanz zeige, dass in der Infrastruktur "so gut wie niemand gestreikt" habe. "Das steht im kompletten Gegensatz zu den Ankündigungen der GDL-Führung, Beschäftigte im Netz, in den Werkstätten oder an den Bahnhöfen repräsentieren zu wollen", sagte die Bahnsprecherin. Folglich habe die GDL-Spitze ihr eigentliches Arbeitskampfziel "nicht erreicht".

Machtkampf mit der EVG

Neben der GDL gibt es bei der Bahn noch eine zweite Gewerkschaft, die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die deutlich größer ist. Anders als die EVG will die GDL in diesem Jahr keine Nullrunde bei den Gehältern akzeptieren. So will sie bei den Mitarbeitern im internen Machtkampf mit der EVG punkten.

Bei der GDL sind besonders viele Lokführer organisiert. Wenn sie die Arbeit niederlegen, hat das größere Auswirkungen auf den Betrieb der Bahn als etwa ein Streik von Service-Mitarbeitern.

Bundesregierung: Arbeitskampf dauert wohl länger

Die Bundesregierung macht Bahnreisenden derweil keine Hoffnung auf ein schnelles Ende des Arbeitskampfes. "Ich befürchte, dass es mit kurzfristig entschärfen schwierig wird", sagte der Bahn-Beauftragte Enak Ferlemann. Grund sei, dass es der Lokführergewerkschaft GDL im Hintergrund um politische Ziele gehe. "Deshalb ist meine Vermutung, dass es eine längere Auseinandersetzung geben wird."

Viel dürfte davon abhängen, ob die Deutsche Bahn ein neues, verbessertes Tarif-Angebot vorlegt. Die Bahn hatte der GDL zuletzt Lohnerhöhungen in zwei Schritten angeboten: 1,5 Prozent zum 1. Januar 2022 und 1,7 Prozent zum 1. März 2023, bei einer Laufzeit bis Ende Juni 2024. Der GDL reicht dies nicht. Sie fordert unter anderem frühere Lohnerhöhungen, eine kürzere Laufzeit und einen Corona-Bonus von 600 Euro.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. August 2021 um 09:00 Uhr.