Eine Anzeigetafel am Stralsunder Hauptbahnhof zeigt während des bundesweiten 48-stündigen Lokführer-Streiks Zugausfälle an.  | dpa

Deutsche Bahn Gewerkschaft droht mit weiteren Streiks

Stand: 11.08.2021 20:39 Uhr

Noch während der Streik bei der Bahn in vollem Gange ist, droht der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Weselsky, bereits mit neuen Ausständen. Man brauche einen langen Atem, sagte er vor Gewerkschaftern.

Nachdem der Streik der Lokführer erhebliche Probleme im Nah- und Fernverkehr verursacht hat, rechnet die Bahn auch am Donnerstag mit zahlreichen Zugausfällen. Noch vor dem für die Nacht zum Freitag angekündigten Streikende drohte Claus Weselsky, Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), bereits mit weiteren Arbeitsniederlegungen.

Man werde mit der ersten Maßnahme nicht durchkommen, sagte Weselsky vor Gewerkschaftern. "Von daher brauchen wir einen langen Atem." Insbesondere die von der Bahn vorgeschlagene lange Laufzeit von 40 Monaten müsse vom Tisch. Zu seinen Gefolgsleuten sagte Weselsky: "Ich verspreche Euch nicht, dass es am Freitag schon vorbei ist. Aber wir gehen sorgsam mit unserer Tarifmacht um." Eine Entscheidung über weitere Arbeitskampfmaßnahmen soll in der kommenden Woche fallen.

Starke Einschränkungen auch am Donnerstag

Bereits die aktuelle Arbeitsniederlegung der Lokführer hatte den Personenverkehr der Deutschen Bahn heute weitgehend lahmgelegt. Auch am Donnerstag wird sich die Lage für Pendler und Touristen laut der Bahn nicht entspannen. Nach dem Ersatzfahrplan werden erneut drei Viertel der Fernzüge nicht fahren, während es in den Regio-Netzen zu unterschiedlichen Störungen kommen soll. Die Bahn setzt nach eigenen Angaben alles daran, am Freitag wieder den Regelbetrieb zu fahren.

Wegen des Streiks kündigte die Bahn allerdings "besondere Kulanzregelungen" an. Bereits gebuchte Fahrkarten für betroffene Strecken behalten ihre Gültigkeit demnach bis zum 20. August, die Zugbindung entfällt. Auch eine kostenfreie Erstattung der Zugtickets ist möglich. 

Zusätzliche Sorgen bereitet in Corona-Zeiten der Platzmangel in den wenigen verbliebenen Zügen. "Die Züge werden dadurch natürlich voller als sie es sonst sind. Das macht die Sache nicht gerade leichter, denn wir versuchen ja in Pandemiezeiten möglichst viel Abstand zu bieten", sagte ein Bahnsprecher.

Streik gefährdet Lieferketten

Laut Bahn gefährdet der Streik auch die Lieferketten der deutschen und europäischen Industrie. Momentan stünden rund 190 Güterzüge im Stau, berichtete das Unternehmen. Mit großem Aufwand und enger Zusammenarbeit mit anderen Bahnbetrieben fahre die Güterverkehrs-Tochter DB Cargo die versorgungsrelevanten Züge etwa zu Kraftwerken oder großen Industriebetrieben.

Viele Reisende hatten die GDL-Ankündigung vom Dienstag mitbekommen und stiegen auf andere Verkehrsmittel um. Wegen des Passagierandrangs setzt die Lufthansa bis einschließlich Freitag größere Flugzeugtypen auf ihren innerdeutschen Flügen ein, wie eine Sprecherin berichtete. Auch Fernbus-Anbieter Flixbus sowie Mietwagen-Anbieter verzeichneten eine deutlich erhöhte Nachfrage. Ungewöhnlich lange Staus gab es im Berufsverkehr hingegen nicht. In der Mehrzahl der Bundesländer sind Schulferien.

GDL fordert mehr Gehalt und Corona-Prämie

Die Lokführergewerkschaft kämpft für mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder bei der Deutschen Bahn. Anders als die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) will sie in diesem Jahr keine Nullrunde bei den Gehältern akzeptieren. So will die GDL bei den Mitarbeitern im Machtkampf mit der EVG punkten.

Die Lokführergewerkschaft GDL will die Bahn mit dem zweitägigen Streik zu einem verbesserten Angebot im Tarifstreit bringen. Sie fordert unter anderem Lohnerhöhungen wie im öffentlichen Dienst von rund 3,2 Prozent sowie eine deutliche Corona-Prämie im laufenden Jahr. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll 28 Monate betragen. Auch um Betriebsrenten wird gerungen.

Die Bahn will die Erhöhung auf spätere Stufenzeitpunkte verteilen, bei einer Vertragslaufzeit von 40 Monaten. Hinzu kämen von ihrer Seite Leistungen zur Altersvorsorge und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. August 2021 um 20:00 Uhr.