Leere Bahngleise sind vor dem Hauptbahnhof in Leipzig (Sachsen) zu sehen.  | picture alliance / dpa

Einschränkungen zu erwarten Bahn tauscht viele Betonschwellen aus

Stand: 19.08.2022 15:08 Uhr

Bis mindestens Ende des Jahres will die Deutsche Bahn viele Betonschwellen austauschen. Damit begonnen hatte sie bereits im Juni - nach dem Zugunglück in Oberbayern. An den bisher untersuchten Schwellen hatten sich teils Unregelmäßigkeiten gezeigt.

Nach dem Zugunglück in Burgrain nahe Garmisch-Partenkirchen tauscht die Deutsche Bahn massenhaft Betonschwellen aus und sperrt dafür auch Streckenabschnitte. Das wird laut Bahn-Angaben noch bis mindestens Ende des Jahres den Zugverkehr an vielen Stellen ausbremsen.

"Ziel ist es, dass nahezu alle betroffenen Strecken bis Ende des Jahres wieder regulär befahrbar sind", teilte der Konzern mit. "Klar ist aber auch: Der Austausch der Schwellen wird sich teilweise bis in das kommende Jahr ziehen." Aktuell gebe es aufgrund der Untersuchungen an den Bauteilen an rund 165 Stellen im Schienennetz Einschränkungen für die Fahrgäste. Betroffen sind demnach schwerpunktmäßig die Bundesländer Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Überall, wo Auffälligkeiten bei der Untersuchung von 200.000 Schwellen festgestellt wurden, habe man bereits etwa mit Langsam-Fahrstellen reagiert: "Umleitungen, längere Fahrzeiten oder auch Schienenersatzverkehr lassen sich durch die Arbeiten nicht vermeiden."

Keine Rückschlüsse auf Unfallursache

An den untersuchten Schwellen seien teilweise "Unregelmäßigkeiten in der Materialbeschaffenheit" festgestellt worden, teilte der Konzern mit. Mehrere technische Gutachten deuteten auf einen Herstellerfehler hin. Weitere Details wurden zunächst nicht bekannt.

Rückschlüsse auf die Unfallursache in Oberbayern ließen sich aus diesen Erkenntnissen nicht ziehen, hieß es. Dazu liefen die Untersuchungen weiter, ein Ergebnis stehe noch nicht fest.

In Burgrain war Anfang Juni ein Regionalzug entgleist. Fünf Menschen, darunter ein Teenager, starben bei dem Unfall. Es gab zahlreiche Schwer- und Leichtverletzte. Die Bahn begann einige Wochen später damit, bundesweit rund 200.000 Betonschwellen zu überprüfen und auszutauschen.

Regressansprüche werden geprüft

Bei den Bauteilen handelt es sich laut Bahn um den gleichen Bautyp wie auf dem Streckenabschnitt des verunglückten Zugs. An wie vielen der untersuchten Schwellen nun Auffälligkeiten entdeckt wurden, ist noch unklar. Die Bahn schätzt den entstandenen Schaden auf einen dreistelligen Millionenbetrag. Sie prüft eigenen Angaben zufolge Regressansprüche gegen den Schwellenhersteller.

Der Austausch trifft das Bahn-Netz in einer ohnehin extrem angespannten Lage. Wegen Niedrigwassers können viele Schiffe nicht fahren und Industrie und Gewerbe wollen auf die Schiene ausweichen. Diese ist aber ohnehin überlastet, wozu auch Militärtransporte im Zuge des Ukraine-Kriegs sowie das an vielen Stellen ohnehin marode Netz beitragen.

Zum Herbst und Winter setzt die Bundesregierung zudem verstärkt auf Kohle- und Öl-Transporte für Kraftwerke, da Gas weniger zur Strom-Erzeugung eingesetzt werden soll. Diese Transporte sollen Vorrang auf dem Netz erhalten. Auch leidet die Bahn unter Personalmangel.

Über dieses Thema berichtete MDR Sachsen-Anhalt am 03. August 2022 um 06:00 Uhr.