Berlin: Eine Fernbahn fährt am Karower Kreuz über eine neue Brücke. | dpa

Schienennetz und Bahnhöfe Bahn will 13,6 Milliarden Euro investieren

Stand: 03.02.2022 10:18 Uhr

Die Deutsche Bahn will bis Ende des Jahres Milliarden in die Modernisierung von Netz und Bahnhöfen investieren. Fahrgäste müssen sich auf viele Baustellen und Verspätungen einstellen.

Die Deutsche Bahn will in diesem Jahr 13,6 Milliarden Euro in die Modernisierung der Infrastruktur investieren. Das teilte Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla heute mit. Geplant sei die Erneuerung von insgesamt 1800 Kilometern Gleisen, 2000 Weichen, 140 Brücken und 800 Bahnhöfen. Dafür werde der Konzern "allein in diesem Jahr 4800 zusätzliche Ingenieure sowie Fachkräfte für Ausbau und Instandhaltung" des Netzes einstellen.

Die Fahrgäste der Deutschen Bahn müssen somit auch in diesem Jahr wieder viel Geduld mitbringen. Denn schon im vergangenen Jahr hatten unter anderem die zahlreichen Baustellen die Pünktlichkeitsquote im Fernverkehr auf 75 Prozent gedrückt. "Höhere Investitionen bedeuten auch mehr Bauvolumen in unserem Netz", betonte Pofalla. Dadurch werde es auch in diesem Jahr wieder zu deutlichen Einschränkungen kommen. Pofalla versprach, die "Zusammenarbeit mit der Bauindustrie weiter intensivieren und Bauarbeiten noch schneller und zuverlässiger" umzusetzen.

Digitalisierung steht im Vordergrund

Zu den wichtigsten Bauprojekten gehören weiterhin Digitalisierungsprojekte wie etwa die Umstellung auf das Leit- und Sicherungssystem ETCS (European Train Control System). "Im Mittelpunkt stehen die Arbeiten am Digitalen Knoten Stuttgart und dem Scandinavian-Mediterranean-Korridor von Hamburg über Erfurt und München bis zur österreichischen Grenze bei Kufstein", teilte die Bahn mit. In Donauwörth soll das bundesweit erste digitale Stellwerk für eine Hochgeschwindigkeitsstrecke in Betrieb gehen. Zudem steht die Modernisierung zahlreicher Bahnhöfe an, darunter die Hauptbahnhöfe in Dortmund, Dresden, Frankfurt und Hannover.

Außerdem plant die Bahn einen deutlichen Ausbau der Netzkapazitäten. So soll in diesem Jahr unter anderem die Hochgeschwindigkeitsstrecke Wendlingen-Ulm in Betrieb genommen werden. Mit ihr soll sich die Fahrzeiten zwischen Stuttgart und Ulm um eine Viertelstunde verkürzen. Weitere Projekte sind der viergleisige Ausbau auf der Strecke Karlsruhe-Basel sowie ein Tunnelbau auf der Stammstrecke in München. Außerdem will die Bahn auch auf kleinere Maßnahmen setzen, um das Schienennetz weniger störanfällig zu machen. So soll etwa der Einbau zusätzlicher Weichen und der Einsatz von Hilfsbrücken dafür sorgen, "dass auch bei Bauarbeiten der Zugverkehr verlässlich rollt", teilte das Unternehmen mit.

Investitionen für den Deutschlandtakt

Bis 2030 soll sich die Verkehrsleistung auf der Schiene nach dem Willen der Bundesregierung verdoppeln. Dafür schaffe man nun die Voraussetzungen: "Beides - mehr Kapazität und Digitalisierung - sind Voraussetzung für mehr und schnellere Verbindungen und den Deutschlandtakt", so der Konzern. So wolle man mehr Menschen vom umweltfreundlichen Verkehrsmittel Bahn überzeugen. "Jeder Euro in die Schiene ist deswegen auch ein Euro in den Klimaschutz", so Pofalla. 

Fahrplan Deutsche Bahn | picture alliance / ZB
Was ist der Deutschlandtakt?

Der Deutschlandtakt ist ein Konzept für einen abgestimmten Taktfahrplan für den Nah- und Fernverkehr. Durch diesen abgestimmten Fahrplan, der in ganz Deutschland gelten soll, soll die Bahn als "Verkehrsmittel der Zukunft" etabliert werden. So ist beispielsweise geplant, die wichtigsten deutschen Großstädte im Halbstundentakt anzufahren.

Der ehemalige Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hatte deshalb das "Zukunftsbündnis Schiene" ins Leben gerufen, in dem sich europaweit Politik, Wirtschaft und Verbänden zusammenschlossen. Sie wollen bis 2030 doppelt so viele Fahrgäste auf die Schienen bringen und den Marktanteil des Schienengüterverkehrs auf mindestens 25 Prozent steigern.

Der Investitionsrückstau, den Verbände seit langem kritisieren, wird sich allerdings auch mit dem Milliardenpaket nicht beheben lassen: Bahnchef Richard Lutz bezifferte den Rückstau auf der Schiene kürzlich auf knapp 60 Milliarden Euro.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. Februar 2022 um 12:15 Uhr.