Preisschild "Inflationsbrot, es muß nicht alles teurer werden, 2,50€" in einer Bäckereiauslage

Bäckereien in der Energiekrise Kreative Ideen gegen die Brot-Inflation

Stand: 18.09.2022 12:30 Uhr

Bäckereien kämpfen mit steigenden Energie- und Rohstoffpreisen. Um ihr Brot trotzdem vergleichsweise günstig anbieten zu können, werden einige von ihnen kreativ und bieten "Inflationsbrote" an.

Von David Zajonz, WDR

In der Auslage der Bäckerei von Mario Fritzen sticht sein "Inflationsbrot" direkt hervor. "Es muss nicht alles teurer werden", hat der Bäcker auf das Preisschild geschrieben. Das "Inflationsbrot" kostet in seinem Geschäft in Kürten östlich von Köln 2,50 Euro für 750 Gramm - deutlich weniger als seine anderen Sorten.

David Zajonz

"Das ist eine einfache Rezeptur - ein Weizenmischbrot, das ohne viel Schnickschnack hergestellt wird", sagt Bäcker Fritzen. Er sieht das "Inflationsbrot" als Angebot für Kundinnen und Kunden mit wenig Geld, die dennoch in einer Handwerksbäckerei einkaufen wollen. Gewinn mache er damit nicht.

Preissteigerungen bei Energie und Rohstoffen

Die Bäckereien in Deutschland haben an allen Ecken und Enden mit Preisexplosionen zu kämpfen. Nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks betreiben rund 70 Prozent von ihnen ihre Öfen mit Gas. Auch diejenigen, die auf Strom und Öl angewiesen sind, müssen große Preissteigerungen hinnehmen. Hinzu kommt, dass Rohstoffe wie Zucker, Mehl und Butter teurer geworden sind. Die Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro pro Stunde ab Oktober führen die Betriebe als weiteren Preistreiber an.

Die Krise trifft eine Branche, die ohnehin schon in Schwierigkeiten ist. Vor acht Jahren gab es bundesweit noch etwa 12.600 Bäckereibetriebe, im vergangenen Jahr waren es bereits weniger als 10.000. Den Betrieben macht unter anderem die Konkurrenz durch Discounter zu schaffen. Viele von ihnen befürchten, dass sie weitere Kunden an Supermärkte verlieren könnten, wenn sie die Preise für Brot und Brötchen zu sehr erhöhen.

Brot-Reste, um Mehl zu sparen

In Hilden bei Düsseldorf versucht Bäcker Roland Schüren, die Krise zu nutzen, um nachhaltiger zu produzieren. Für sein "Anti-Inflationsbrot" verwendet der Biobäcker Brotreste: "Wir haben 20 Prozent des Mehlanteils ersetzt durch übriggebliebenes Brot, was wir natürlich getrocknet, gemahlen und geröstet haben", sagt Schüren. Diese Reste werden eingeweicht dem Teig zugegeben, wodurch Mehl gespart wird.

Mit seinem "Anti-Inflationsbrot" verfolgt er auch einen Marketinggedanken: "Wir hoffen natürlich, dass Kunden, die dadurch kommen und dieses Brot kaufen, vielleicht noch auf die Idee kommen, noch etwas anderes bei uns im Laden mitzunehmen", erklärt der Bäcker. Es seien harte Zeiten für beide Seiten - Verbraucher und Bäckereien.

Mario Fritzen in seiner Bäckerei | WDR

Bäcker Mario Fritzen sieht sein "Inflationsbrot" als Angebot für Kundinnen und Kunden mit wenig Geld. Gewinn mache er damit nicht, sagt er. Bild: WDR

Bauunternehmen als Sponsor

Im münsterländischen Südlohn geht Bäcker Michael Tenk einen anderen Weg. Er lässt sich sein "Inflationsbrot" von einem örtlichen Bauunternehmen sponsern. Der Sponsor übernimmt 50 Cent pro verkauftem Brot, dafür prangen sein Logo und seine Internetseite auf dem Preisschild.

Von anderen Bäckern habe er für diese Idee positives Feedback bekommen, sagt Tenk: "Vielleicht machen es einige nach." Durch das Sponsoring werde der Kunde entlastet und der Betrieb nicht belastet.

"Es muss Hilfe kommen"

Mit ihren "Inflationsbroten" wollen die Bäcker zum einen gegen die steigenden Preise ankämpfen, zum anderen aber auch auf ihre schwierige Lage aufmerksam machen. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks warnt vor einer Pleitewelle, sollte es keine Entlastung durch den Staat geben.

"Es muss Hilfe kommen", sagt Fritzen. Andernfalls mache er sich Sorgen, dass er irgendwann nicht mehr über die Runden komme.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. September 2022 um 10:00 Uhr.