Ein Arbeiter stellt Teile aus einer leichten Magnesium-Aluminium-Legierung für die Autoindustrie her | picture alliance / Ruan Xuefeng

Trotz Pandemie Autobauer verdienen so gut wie nie zuvor

Stand: 29.11.2021 11:07 Uhr

Ungeachtet der Probleme mit Lieferengpässen sprudeln bei den großen Autoherstellern die Gewinne - was auch mit ihrer Modellpolitik zu tun hat. Viele Zuliefererbetriebe stecken dagegen in der Krise.

Die 16 weltgrößten Autokonzerne haben nach einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsfirma Ernst & Young (EY) trotz Chipmangel und Pandemie-Folgen Gewinne in Rekordhöhe erwirtschaftet. Im vergangenen Quartal seien die Betriebsergebnisse im Jahresvergleich um elf Prozent auf insgesamt 23,1 Milliarden gestiegen - ein bislang noch nie erreichtes Niveau.

Chips für teure Autos

Die Unternehmen hätten die Halbleiterkrise bislang "bemerkenswert gut überstanden", so die EY-Experten. So würden die knappen Chips vor allem in "hochpreisige und margenstarke Fahrzeuge eingebaut". Außerdem gewährten die Hersteller seit einigen Monaten weniger Rabatte, weil die Nachfrage das Angebot übersteigt. "Eine derartig gute Preisdurchsetzung hat die Branche schon sehr lange nicht erlebt", sagte EY-Branchenexperte Constantin Gall. "Selbst wenn sich die Halbleiterkrise im Lauf des kommenden Jahres entschärft, dürften die Preise noch eine Weile oben bleiben."

Trotzdem herrsche bei den Autobauern keine Feierstimmung: "Im Gegenteil", sagte EY-Partner Peter Fuß. Auch Unternehmen, die bislang noch ausreichend Halbleiter hatten, dürften Materialknappheit und Preissteigerungen zunehmend zu spüren bekommen. Corona könnte zu weiteren Produktionsausfällen und Logistikstörungen führen.

Zulieferer leiden

"Zudem stellt die aktuelle Situation die Zulieferer vor enorme, teils existenzielle Schwierigkeiten - und letztlich sitzen Hersteller und Zulieferer im selben Boot, die Hersteller sind auf solvente Zulieferunternehmen angewiesen", sagte Fuß.

Nach einer Untersuchung der der Unternehmensberatung PwC sind nur noch 24 Prozent ihrer Zulieferer finanziell solide aufgestellt. 42 Prozent dagegen seien "inzwischen in einer finanziell angespannten Lage", teilte PwC mit. Die Chipkrise bremse ihre Transformation zur Elektromobilität aus. Die Berater hatten 494 Zulieferer aus 35 Ländern unter die Lupe genommen.

Belastung durch Energiepreise

Im Sommer hätten Autobauer und Zulieferer noch von Nachholeffekten und der steigenden Nachfrage nach Elektroautos profitiert, sagte PwC-Branchenexperte Thomas Steinberger. Inzwischen hätten die Autobauer aus Sorge um die Lieferketten ihre Bestellungen hochgefahren.

"Diese werden jedoch aktuell nicht abgerufen, da die Autohersteller aufgrund des Chipmangels nur verzögert Fahrzeuge ausliefern können", erklärte Steinberger. Jetzt kämpften Zulieferer mit überhöhten Lagerbeständen bei steigenden Rohstoff- und Energiepreisen.

Ex- und Importe brechen ein

Die Engpässe haben zu niedrigeren Absatzzahlen geführt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im Zeitraum Juli bis September Autos im Wert von 23,1 Milliarden Euro exportiert. Das waren 17,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Pkw-Importe gingen im Vergleich zum Vorjahr allerdings noch stärker zurück - um knapp 30 Prozent auf 11,2 Milliarden Euro.

Der Rückgang ist auf Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren zurückzuführen. Bei den reinen Elektrofahrzeugen waren dagegen erneut starke Zuwächse zu verzeichnen: Von Juli bis September wurden 69.800 reine Elektrofahrzeuge im Wert von 2,9 Milliarden Euro exportiert, womit dieser um knapp 27 Prozent zum Vorjahreszeitraum anstieg. Bei den Importen war das Plus noch größer: Mit 59.700 Elektrofahrzeugen für 1,7 Milliarden Euro stieg der Wert um mehr als 58 Prozent.