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Luxus rechnet sich Rekordgewinne bei Autoherstellern

Stand: 28.11.2022 09:59 Uhr

Die weltweit größten Autobauer fahren einer Studie zufolge weiter Rekordgewinne ein. Und trotz Konjunkturschwäche dürften sich ausgerechnet Premium-Autos weiterhin blendend verkaufen.

Trotz weltweiter Konjunktursorgen, Inflation und einer sich verschärfenden Corona-Lage in China bleiben die weltweit größten Autobauer von einer echten Krise bislang nicht nur verschont - sie fahren auch weiterhin Rekordgewinne ein. Das hat eine Studie der Unternehmensberatung EY ergeben.

"Unterm Strich war das dritte Quartal trotz der abflauenden Konjunktur und einer sehr schwierigen geopolitischen Lage für die Autoindustrie ein Traumquartal", sagte der Leiter der Mobilitätssparte Westeuropa bei EY, Constantin Gall. Die Versorgung mit Halbleitern verbessere sich langsam, und gerade die Nachfrage nach Premium-Fahrzeugen sei weiter hoch.

Luxus lohnt sich für Autohersteller

Anders sieht es bei den günstigeren Modellen aus, die in hoher Stückzahl verkauft werden und bei denen die Gewinnmarge geringer ist. Vor allem der Markt für Volumenhersteller könnte nach Einschätzung von EY-Branchenberater Peter Fuß künftig unter Druck geraten. "Wir erleben gerade, dass breite Bevölkerungsschichten in wichtigen Absatzmärkten erhebliche Kaufkraftverluste hinnehmen müssen. Das heißt, dass immer weniger Menschen sich ein neues Auto leisten können oder wollen."

Hersteller von hochpreisigen Autos werde es hingegen eher gelingen, Rabattschlachten zu vermeiden. Die Herausforderung für die Unternehmen bestehe nun darin, die Preisdurchsetzung möglichst auf dem aktuellen Niveau zu halten, so Fuß: "Rabattschlachten drücken die Marge und beschädigen das Image. Wenn es gelingt, das eigene Produkt begehrenswert und knapp zu halten, braucht man keine Rabatte. Das wird allerdings im Premiumsegment eher möglich sein als im Volumensegment."

Tesla besonders profitabel

Bei den Gewinnmargen hatte erneut Tesla die Nase vorn, der kalifornische Elektroautobauer arbeitet also besonders profitabel. Unter Gewinnmarge versteht man den prozentualen Anteil des Gewinns am Umsatz.

Tesla erzielte eine Marge von 17,2 Prozent und lag damit vor Mercedes-Benz (13,8 Prozent) und BMW (9,9 Prozent). Die Durchschnittsmarge der untersuchten Unternehmen lag mit 7,3 Prozent exakt auf dem Vorjahresniveau und damit deutlich über dem Vor-Pandemie-Niveau. Zwischen 2013 und 2019 hatte die Gewinnmarge der Autokonzerne im Durchschnitt 6,1 Prozent betragen.

Deutsche Hersteller stark  

Zwischen Juli und September lagen sowohl der Gesamtgewinn im laufenden Geschäft als auch der Gesamtumsatz der 16 analysierten Unternehmen EY zufolge auf dem höchsten Stand, der je in einem dritten Quartal verzeichnet wurde. Beim operativen Ergebnis (Ebit) hatte Mercedes-Benz weltweit die Nase vorne und lag mit rund 5,2 Milliarden Euro deutlich vor Volkswagen, die mit 4,7 Milliarden Euro an zweiter Stelle rangierten. BMW lag mit 3,7 Milliarden Euro auf Rang fünf. Der weltgrößte Autobauer Toyota hingegen schwächelte und musste einen Gewinnrückgang von 25 Prozent hinnehmen.

Beim Umsatz führte im dritten Quartal Volkswagen das Ranking mit 70,7 Milliarden Euro an, vor Toyota mit 66,3 Milliarden Euro. Stellantis liegt mit 42,1 Milliarden auf dem dritten Platz.

Rückenwind aus China

Auch im zuletzt zurückhaltenden chinesischen Markt ging es für die Autobauer wieder bergauf. Beim Absatz legten die deutschen Hersteller um 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal zu, nachdem sich die Zahlen zuletzt eher rückläufig entwickelt hatten. Am stärksten wuchs Mercedes-Benz mit einem Plus von 67 Prozent. Jedoch mussten die Stuttgarter zuletzt für einige Modelle in China auch die Preise senken. "In China wachsen die Bäume längst nicht mehr in den Himmel, der Markt ist sehr wettbewerbsintensiv und anspruchsvoll", sagte Fuß.

Interessant ist der Blick der Studienautoren auf die Entwicklung der Unternehmenswerte. Die Marktkapitalisierung der 16 größten Automobilhersteller ist im bisherigen Jahresverlauf, aller Rekorde zum Trotz, bis zum 10. November um 35 Prozent auf 1,293 Billionen Dollar gefallen. Besonders hart erwischte es Tesla, der Börsenwert des Unternehmens sank um 43,4 Prozent.

Gleichwohl bleibt Tesla mit einem Wert von 602 Milliarden Dollar zum Stichtag der mit weitem Abstand wertvollste Autobauer. Die restlichen 15 Konzerne sind zusammen rund 700 Milliarden wert.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. November 2022 um 11:40 Uhr.