Toyota Werk im nordfranzösischen Onnaing | picture alliance/dpa/MAXPPP

Trotz Chipkrise Autobauer verdienen deutlich mehr

Stand: 25.03.2022 09:17 Uhr

Trotz des Chipmangels und der Corona-Krise haben die weltgrößten Autokonzerne im vergangenen Jahr erheblich mehr Gewinne eingefahren. Besonders Mercedes-Benz, Toyota und Volkswagen gelang ein hohes Plus.

Internationale Autohersteller haben trotz der Chipkrise im vergangenen Jahr deutlich mehr verdient. Der operative Gewinn (EBIT) der weltweit 16 größten Autokonzerne kletterte im Jahresvergleich um 168 Prozent auf insgesamt rund 134 Milliarden Euro, wie die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY ermittelte. Mit knapp 25 Milliarden Euro steht der weltgrößte Hersteller Toyota an der Spitze, gefolgt von Volkswagen und Mercedes-Benz.

"Die Top-Autokonzerne haben die Halbleiterkrise im vergangenen Jahr insgesamt bemerkenswert gut gemanagt", sagte Constantin Gall, EY-Experte für den Mobilitätsbereich in Westeuropa. Der Absatz sei zwar bei vielen Unternehmen rückläufig, die Gewinnsituation habe sich dagegen "teils hervorragend entwickelt".

Chipmangel sorgt für Produktionsausfälle

Seit Beginn der Corona-Pandemie hatte eine hohe Nachfrage und der Versorgungsengpass bei Halbleitern und anderen elektronischen Bauteilen laut dem Beratungsunternehmen Goldman Sachs in 169 Branchen für massive Probleme gesorgt - so auch in der Autoindustrie. Branchenweit führte der Mangel an Chips zu Produktionsausfällen.

Eine rasche Besserung ist nicht in Sicht. Die Autobauer rechnen auch in diesem Jahr weiter mit Engpässen bei den elektronischen Bauteilen. "Auch 2022 werden wir nicht alle Autos bauen können, die wir verkaufen könnten", sagte VW-Chef Herbert Diess im Februar. Daimler-Chef Ola Källenius und BMW-Chef Oliver Zipse hatten sich in den vergangenen Monaten ähnlich geäußert.

Margen dennoch auf Rekordniveau

Dem Gewinn der Hersteller schadet die Krise aber nicht - im Gegenteil. "Die Margen lagen 2021 auf Rekordniveau", sagte EY-Experte Gall im Hinblick auf das Verhältnis von Gewinn zu Umsatz bei den weltweit größten Konzernen. Allein im dritten Quartal waren die Betriebsergebnisse im Jahresvergleich um elf Prozent auf insgesamt 23,1 Milliarden gestiegen - ein bislang noch nie erreichtes Niveau.

Die Strategie, die knappen Chips vor allem in vergleichsweise teure Autos einzubauen und gleichzeitig Rabatte einzuschränken, habe sich für die Unternehmen ausgezahlt. Bei der Gewinnmarge schneidet laut EY der US-Elektroautobauer Tesla im Vergleich der Branchenriesen am besten ab. Er erzielte demnach einen Wert von 12,1 Prozent und lag damit knapp vor BMW und Mercedes-Benz, die jeweils zwölf Prozent erreichten.

Der US-Elektroautobauer erzielte in den letzten drei Monaten des Jahres den sechsten Auslieferungsrekord in Folge. Fast eine Million Autos verkaufte Tesla im Gesamtjahr - 87 Prozent mehr als 2020. Am meisten Fahrzeuge verkauften 2021 Toyota, Volkswagen und General Motors.

Weitere Lieferengpässe durch Ukraine-Krieg

Die Chipkrise traf EY zufolge insbesondere die deutschen Hersteller, deren Absatz um vier Prozent sanken. Volkswagen etwa hatte im vergangenen Jahr wegen der fehlenden Halbleiter in seinem Stammwerk massiv die Produktion herunterfahren. Der Autobauer fertigte 330.000 Fahrzeuge weniger als ursprünglich geplant. Konkurrenten aus Japan legten hingegen um fünf Prozent zu, aus Südkorea sogar um sieben Prozent.

Die Branche kämpfe auch in diesem Jahr mit Problemen, sagte EY-Partner Peter Fuß. "Zum einen hemmt der Mangel an Halbleitern und anderen Vorprodukten und Rohstoffen die Produktion. Zum anderen stellt auch der Krieg in der Ukraine eine enorme Belastung für die Branche dar." Prognosen für dieses Jahr seien angesichts dieser Unsicherheiten kaum möglich. Die Branche fahre auf Sicht - "und die Neuwagenpreise werden eher steigen als fallen", sagte der Experte.

Der anhaltende Angriff Russlands bremst die deutschen Autohersteller, weil Zulieferer einzelne Teile nicht rechtzeitig liefern können - besonders Kabel aus der Ukraine. VW, BMW und Mercedes mussten bereits die Produktion drosseln.