Fabrikneue Autos stehen in einer Reihe hintereinander

Herstellerverband ACEA Autoabsatz in der EU auf Rekordtief

Stand: 17.02.2022 10:19 Uhr

In der EU sind die Zulassungszahlen für Neuwagen im Januar auf einen historischen Tiefstand gefallen. Lieferengpässe und Materialmangel belasten die Branche. Entspannung ist zumindest vorerst nicht in Sicht.

Der Mangel an Halbleitern lässt die Zulassungszahlungen von Neuwagen in Europa weiter sinken. Im Januar 2022 wurden rund 683.000 Pkw in der Eurozone verkauft - so wenige wie noch nie in einem Januar. Die Zahl der Neuzulassungen sank damit erneut und unterschritt das bisherigen Rekordtief vom Januar 2021 um sechs Prozent, wie der Branchenverband ACEA mitteilte.

Vor allem in Osteuropa konnten die Autobauer mehr Fahrzeuge verkaufen: In der Slowakei und in Rumänien wurden Zuwächse von mehr als 50 Prozent erzielt. Einen Lichtblick gab es auch in Spanien und Deutschland, wo die Behörden mehr Neuwagen zuließen. In absoluten Zahlen konnte die Abwärtsbewegung in vielen westeuropäischen Ländern aber nicht gestoppt werden. Vor allem in den großen Absatzmärkten wie Italien und Frankreich gingen die Zulassungenszahlen erneut um fast ein Fünftel zurück.

Im Vergleich der großen Autohersteller musste besonders der französische Stellantis-Konzern Einbußen hinnehmen. Gegenüber dem Vorjahr sanken die Zulassungszahlen der Marken Peugeot, Opel oder Citroën um mehr als 15,1 Prozent. Deutlich zulegen konnten Hyundai und Kia: Hier stieg die Zahl der Neuzulassungen um mehr als 25 Prozent.

Halbleiterknappheit verhindert Rückkehr zur Normalität

Der Mangel an Mikrochips wirke sich "immer noch negativ auf die Autoverkäufe in der gesamten Region aus", erklärte der Branchenverband. Die Engpässe bei Halbleitern hatten bereits im Gesamtjahr 2021 zu einem deutlichen Einbruch auf dem EU-Neuwagenmarkt geführt: Die Zahl der Neuzulassungen war mit 9,7 Millionen Fahrzeugen auf den niedrigsten Wert seit Einführung der Statistik im Jahr 1990 gefallen.

"Auf dem EU-Neuwagenmarkt geht es weiter abwärts", kommentierte die Unternehmensberatung EY. Die Chipkrise sei nach wie vor der alles beherrschende Faktor, der eine Erholung der Lage verhindere, erklärte EY-Automobilmarktexperte Peter Fuß: "Die Hersteller könnten sehr viel mehr Neuwagen verkaufen, wenn sie lieferfähig wären." Denn obwohl die Auftragsbücher der Hersteller voll sind, können sie ihre Produktion nicht daran anpassen. "Der Chipmangel verhindert allerdings eine Rückkehr zur Normalität", so Fuß.

Ökonomen: Entspannung nicht in Sicht

Zwar steigern die meisten Autohersteller ihre Produktion wieder: "Nach den saisonbereinigten Zahlen des Automobilverbands VDA dürfte für Januar ein kräftiges Plus gegenüber dem Vormonat zu Buche stehen", so Analysten der Commerzbank. Allerdings wird die Halbleiterknappheit auch im laufenden Jahr das beherrschende Thema sein: Der Anteil der Unternehmen, die sich durch Lieferengpässe behindert fühlen, liegt nach Angaben der Commerzbank noch immer bei mehr als 60 Prozent.

Zum Vergleich: "Im langfristigen Durchschnitt klagten gut fünf Prozent der Unternehmen über Materialknappheiten", so die Analysten. Mit einer Entspannung der Lage sei vorerst nicht zu rechnen: "Noch immer sind viele Güter auf Containerschiffen blockiert, die derzeit Häfen nicht anlaufen können, um ihre Fracht zu löschen. Die engen Kapazitäten in den Häfen sorgen auch dafür, dass die Frachtraten hoch bleiben."

Mercedes verhängt Bestellstopp

Auch die deutschen Autobauer sind von der Krise stark betroffen: Mercedes in Deutschland verhängte bereits einen Bestellstopp für die aktuelle Version der E-Klasse-Limousine. Aufgrund weltweit steigender Orderzahlen sei das Produktionsvolumen ausgeschöpft, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Das T-Modell der E-Klasse könne aber weiter bestellt werden. Der Hersteller hatte im vergangenen Jahr vor allem wegen der Halbleiterkrise fünf Prozent weniger Autos ausgeliefert als 2020.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. Februar 2022 um 12:00 Uhr.