Volkswagen ID.3

Ausbau der Angebote Hersteller bieten mehr Autos im Abo

Stand: 02.09.2021 09:16 Uhr

Um den Absatz anzukurbeln und sich als Mobilitätsanbieter zu profilieren, bieten die meisten Autobauer ihre Fahrzeuge inzwischen auch im Abonnement an. Ob sich das lohnt, ist nicht immer leicht zu erkennen.

Von Lothar Gries, tagesschau.de

Ab sofort bietet VW seine Elektroautos auch in einem Abonnement-Modell an. Für das "Volkswagen AutoAbo" stehen Konzernangaben zufolge 2000 bis 3000 Gebrauchtwagen der vollelektrischen Modelle ID.3 und ID.4 zur Verfügung. Kunden können die Autos zwischen drei und sechs Monate lang fest mieten und dann monatsweise verlängern. Den ID.3 gibt es ab 499 Euro, 800 Freikilometer pro Monat inklusive. Nur den Strom müssen die Kunden extra zahlen.

"Die Zahl der Menschen wächst, die ein Fahrzeug nicht unbedingt dauerhaft besitzen, es jedoch für einen definierten Zeitraum exklusiv nutzen möchten", sagte Vertriebsvorstand Klaus Zellmer. Dafür habe VW ein Angebot "zwischen Leasing und Sharing" entwickelt. VW sieht das Abo als Schritt zur Digitalisierung des Vertriebs. Bis zum Jahr 2030 könnte ein Fünftel des Umsatzes auf Abos und andere kurzzeitige Mobilitätsangebote entfallen, schätzt Zellmer.

Vom Taycan bis zum Aygo

Damit ist Volkswagen keinesfalls allein. Inzwischen bietet nahezu jeder Hersteller neben dem konventionellen Autokauf und Leasing auch Abomodelle an. Je nach Marke kann man gegen eine monatliche Gebühr ein oder mehrere Autos fahren - ohne dass weitere Kosten für Wartung und Reparaturen anfallen. Auch Versicherung und Kfz-Steuer sind bei solchen Abos abgedeckt.

Selbst Porsche hat inzwischen ein entsprechendes Angebot. So kostet ein Abo des Taycan, Porsches E-Modell, 2800 Euro im Monat. Doch es geht auch deutlich günstiger. Abos für den Kleinwagen Toyota Aygo sind bereits ab 219 Euro pro Monat erhältlich, etwa bei dem Münchner Start-Up Cluno. Auch andere Kleinwagen wie der Opel Corsa oder ein Fiat 500 können für weniger als 300 Euro im Monat abonniert werden.

Daimler konzentriert sich bei seinen Abo-Angeboten auf die Elektromodelle EQC und EQV. Damit sollen sich die Kunden mit der neuen Antriebstechnik vertraut machen, ohne sich etwa mit dem Lebenszyklus eines Akkus auseinandersetzen zu müssen, so Mercedes. Der einzige zusätzliche Kostenpunkt bestehe in den Ladekosten. Allerdings müssen sich die Kunden beim Abschluss eines Mietvertrags 24 Monate binden. Zudem erhebt Mercedes eine einmalige Startgebühr von 400 Euro. Bei der BMW-Tochter Mini gibt es Autos via "Mini Subscribe" für knapp 500 Euro im Monat im Abo.

Preise nicht immer transparent

Viele Anbieter werben damit, dass ein Abo flexibler und oftmals sogar billiger sei als ein Leasing-Vertrag. Doch auch für die Abo-Kunden sind die Preise keineswegs so transparent wie angekündigt. So ist das im Monatspreis enthaltene Kilometerpaket oft knapp bemessen. Darüber hinausgehende Fahrten kosten also extra. Dabei können sich die Kosten erheblich unterscheiden, zwischen 0,08 Euro pro Kilometer etwa für einen Fiat 500 bei finn.auto und 0,40 Euro für einen Porsche Taycan. Auch wird in manchen Fällen, wie bei Mercedes, eine sogenannte Startgebühr fällig.

Neben den Herstellern wollen auch die Autovermieter im Abo-Geschäft mitmischen - allen voran Deutschlands größter Autovermieter Sixt. Zudem sind Start-ups im Autoabo-Markt aktiv. Aus dem gut einen Dutzend Firmen sticht das Münchner Unternehmen Cluno mit besonders emsiger Werbung und günstigen Angeboten heraus. Finn.Auto, ebenfalls ein Start-up aus München, versucht, mit kostenloser Haustürlieferung zu punkten, und verspricht CO2-neutrales Fahren.

IAA Mobility beginnt in München

Den Autobauern sollen die neuen Abonnements dabei helfen, mehr Autos über das Internet zu verkaufen. VW will Ende dieses Jahres sein Angebot für Online-Leasing und Online-Sales starten. Gleichzeitig geht es den Herstellern darum, das angekratzte Image des reinen Fahrzeugproduzenten abzustreifen und sich als moderner, breit aufgestellter Mobilitätsanbieter darzustellen.

Unter diesem Motto steht auch die am 7. September beginnende Automesse IAA. Sie präsentiert sich an ihrem neuen Standort München als umfassende Mobilitätsmesse, die nicht mehr ausschließlich auf das Auto fokussiert ist. Damit, so die Hoffnung des Herstellerverbands VDA, sollen Autogegner besänftigt werden.

Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass klassische Verbrenner auf der "IAA Mobility" kaum ausgestellt sein werden. So präsentiert etwa Volkswagen nur voll elektrisch betriebene Modelle sowie ein einziges Hybridfahrzeug. Messebesucher können die Autos auf der sogenannten "Blue Lane" testen, einer zwölf Kilometer langen Versuchsstrecke, die bis in die Innenstadt reicht. Dort wiederum sind etliche Autobauer - etwa Audi - mit weiteren Ausstellungsflächen vertreten. Die dort gezeigten Konzeptfahrzeuge sollen nach dem Willen der Hersteller dazu beitragen, Antworten auf die Mobilität der Zukunft zu geben. Mit Protesten von Umweltaktivisten und Autogegnern müssen die Veranstalter dennoch rechnen. "No IAA", "No Future for IAA" oder "Smash IAA" heißen Gruppen, die gegen die Messe protestieren wollen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 03. September 2020 um 05:08 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

Avatar
Giselbert 02.09.2021 • 17:00 Uhr

@ 14:44 von asimo

"Ich fahre Fahrrad und Bahn/Bus. Autos lehne ich ab. Sie haben einen überproportional hohen Resourcenverbrauch ... " Lobenswert! Mir wäre das Unfallrisiko viel zu hoch, erst recht mit Kindern im Anhänger. Unterliegt man bei einem Unfall schon mit einem normalen Auto den SUV's oder LKW's, welche Chancen man mit dem Fahrrad hat, kann sich jeder selbst ausrechnen. Auch ist nicht jeder gesundheitlich so fit, dass er Fahrrad fahren kann. Außerdem ist's mit dem Umziehen auch leichter gesagt als getan, erst mal eine Wohnung in Arbeitsplatznähe bekommen. Und einen sicheren, langjährigen Arbeitsplatz aufgeben, nee danke, dieses Risiko gehe ich nicht ein!