Logo des britischen Pharmakonzerns AstraZeneca.

Konzern ändert Strategie AstraZeneca peilt Impfstoff-Gewinne an

Stand: 12.11.2021 13:56 Uhr

Zu Beginn der Pandemie hatte AstraZeneca erklärt, seinen Impfstoff gegen Covid-19 zum Selbstkostenpreis zu verkaufen. Nun weicht der Konzern diese Linie auf. In Industrieländern soll das Vakzin nun mit kleinen Gewinnen vertrieben werden.

Der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca hat angekündigt, den gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelten Impfstoff gegen Covid-19 künftig mit Gewinn vermarkten zu wollen. Das Unternehmen teilte mit, das Vakzin künftig mit "bescheidener Rentabilität" vertreiben zu wollen. Der Konzern spricht demnach mit Industrieländern über Lieferungen, die kleine Gewinne einbringen sollen. Der Schritt erfolgte nach der Ankündigung von AstraZeneca, eine Impf- und Immuntherapieeinheit einzurichten, um seine Covid-19-Produkte und seine anderen Behandlungen für virale Atemwegserkrankungen zusammenzuführen.

Konzernchef Pascal Soriot sagte, man habe das Projekt begonnen, um zu helfen, "aber wir haben auch gesagt, dass wir in der Zukunft einen Übergang zu kommerziellen Bestellungen haben werden." Es werde aber nie sehr teuer: "Denn wir wollen, dass der Impfstoff für jeden weltweit bezahlbar bleibt."

Für Entwicklungsländer bleibt Impfstoff gemeinnützig

AstraZeneca hatte zu Beginn der Pandemie mitgeteilt, den mit der Universität Oxford entwickelten Impfstoff gemeinnützig zu vertreiben und lediglich zum Selbstkostenpreis zu verkaufen. Zudem hatte sich das Unternehmen der Initiative COVAX angeschlossen, um die Entwicklungsländer mit dem Impfstoff zu versorgen. Für sie soll der Impfstoff auch weiterhin gemeinnützig bleiben.

Das Unternehmen schrieb im dritten Quartal trotz eines kräftigen Umsatzsprungs rote Zahlen. Höhere Kosten für Forschung und Entwicklung und den Vertrieb, aber auch die Übernahme des US-Biotechnologieunternehmens Alexion sorgten nach Steuern für einen Verlust von rund 1,44 Milliarden Euro. Die Aktien fielen daraufhin zeitweise um knapp sechs Prozent und waren Schlusslicht im Londoner Auswahlindex FTSE.

Corona-Impfung spült Geld in die Kassen

Vor allem der Verkauf des Corona-Impfstoffes sorgte für den gestiegenen Umsatz. Die Corona-Impfungen hatten AstraZeneca im Berichtszeitraum etwas mehr als eine Milliarde Dollar in die Kassen gespült - allerdings etwas weniger als in den drei Monaten zuvor. Im Oktober hatte AstraZeneca in den USA eine Notfallzulassung für ein Antikörper- Mittel für Corona-Patienten beantragt.

Das Unternehmen ist erst mit dem Beginn der Corona-Pandemie und der Partnerschaft mit Oxford in das Geschäft mit den Impfstoffen eingestiegen. Dann hatten Lieferverzögerungen, Diskussionen über die Daten und Bedenken über eine seltene Nebenwirkung auf die Blutgerinnung dazu beigetragen, dass AstraZeneca Marktanteile in Industrieländern an Konkurrenten verliert, die Vakzine auf Basis der neuen mRNA-Technologie entwickelt haben.