Ein von Pfizer zur Verfügung gestelltes Bild zeigt die Produktion der Corona-Tablette Paxlovid (Archivbild). | EPA

Arzneimittel-Markt Die Medikamente gegen Covid-19

Stand: 28.02.2022 15:46 Uhr

Durch den Start des Vakzins Novavax wächst die Auswahl an Corona-Impfstoffen. Für Infizierte gibt es für jedes Stadium der Erkrankung mittlerweile mindestens ein Medikament. Das beschert den Herstellern Milliardenumsätze.

Von Lilli-Marie Hiltscher, tagesschau.de

Im Kampf gegen die weltweite Corona-Pandemie rücken neben den Impfungen inzwischen Medikamente zur Behandlung der Krankheit verstärkt in den Blickpunkt. Fünf Medikamente sind nach Angaben der europäischen Arzneimittelbehörde EMA derzeit in der EU speziell für die Behandlung von Covid-19-Erkrankungen zugelassen. Zwei weitere befinden sich in der Prüfung. Auf ihnen ruhen die Hoffnungen der Patienten auf Heilung. Den Pharmaunternehmen versprechen sie Umsätze in Milliardenhöhe.

Lilli Hiltscher

"Anti-Corona-Pille"

Paxlovid, das vom US-Konzern Pfizer hergestellt wird, ist eines der bereits zugelassenen Medikamente. Es ist zur Behandlung der Krankheit in einer frühen Phase bei Patienten gedacht, die entweder nicht geimpft seien oder besondere Risiken für einen schweren Verlauf hätten, erklärt Maria Vehreschild, Ärztin an der Uniklinik Frankfurt. "Denn bei Patienten, die geboostert sind, kann man in der frühen Phase der Erkrankung durch ein Medikament kaum etwas bewirken."

Das Medikament enthält zwei Wirkstoffe, deren Aufgabe es ist, die Vermehrung des Virus im Körper zu blockieren. Ende Januar wurde die "Anti-Corona-Pille", die hauptsächlich im Freiburger Werk des Konzerns produziert wird, von der EMA zugelassen. Paxlovid ist eines von zwei Medikamenten, die als Tablette eingenommen werden können. Die Pillen sind auf dem Markt für Corona-Medikamente eine kleine Revolution, denn bis zur Zulassung gab es nur Mittel, die durch eine Infusion verabreicht wurden.

Pfizer ist Pandemie-Gewinner

Schon jetzt hat Pfizer für sein Medikament Bestellungen im Wert von 22 Milliarden US-Dollar erhalten - unter anderem aus Deutschland. In diesen Tagen wird die erste Teillieferung von 40.000 Einheiten hierzulande verfügbar sein, wie das Bundesgesundheitsministerium gegenüber tagesschau.de mitteilte. "Neben der Liefervereinbarung mit der deutschen Bundesregierung liegen entsprechende Vereinbarungen beispielsweise für die USA, das Vereinigte Königreich, Israel, Australien, Südkorea, Belgien und Bahrain vor. Wir gehen derzeit davon aus, dass wir bis Ende 2022 mindestens 120 Millionen Packungen produzieren können - davon circa 30 Millionen in der ersten Jahreshälfte 2022", so eine Sprecherin des Konzerns auf Anfrage von tagesschau.de.

Pfizer ist der große Gewinner dieser Pandemie: Kein anderes Unternehmen konnte bisher Verträge in dieser Größenordnung für sein Medikament aushandeln. Zusätzlich winken dem US-Pharmariesen in diesem Jahr dank der Lieferungen mit dem Corona-Impfstoff Einnahmen in Höhe von rund 32 Milliarden US-Dollar. Schon 2021 bescherte der Impfstoff Comirnaty, der gemeinsam mit der deutschen Firma BioNTech entwickelt wurde, dem Konzern Einkünfte von mehr als 36 Milliarden US-Dollar.

EMA prüft die Zulassung von Molnupiravir

Für die ambulante Behandlung einer Corona-Erkrankung gibt es neben Paxlovid außerdem Molnupiravir vom US-Pharmakonzern Merck Sharp & Dohme. Molnupiravir, das in Europa unter dem Namen Lagevrio bekannt ist, wurde in Großbritannien als weltweit erste Tablette zur Behandlung von Covid-19 bereits im November 2021 zugelassen. Das Mittel von Merck verhindert die Ausbreitung des Virus im Körper und muss dafür wie Paxlovid in den ersten fünf Tagen nach einer Infektion eingenommen werden. Molnupiravir erhöht die Anzahl der Mutationen im genetischen Material des Virus, sodass sich das Virus nicht mehr vermehren kann.

Die EMA prüft derzeit eine Zulassung für den europäischen Markt, hat aber schon eine vorläufige Empfehlung für das Medikament ausgesprochen. Die deutsche Bundesregierung hat bereits 80.000 Dosen bestellt: "Insgesamt haben wir mit 32 Ländern Vereinbarungen über zehn Millionen Therapieeinheiten geschlossen, darunter Australien, Kanada, Dänemark, Deutschland, Japan, Korea, Malaysia, Neuseeland, Slowenien, Serbien, Singapur, Schweiz, Thailand, UK und den USA", sagte eine Sprecherin auf Anfrage von tagesschau.de.

Bereits im vergangenen Jahr konnte Merck mit seinem Medikament 952 Millionen Dollar einstreichen. Für das laufende Jahr, in dem der Konzern mindestens 20 Millionen Therapiezyklen herstellen und verkaufen will, rechnet das Unternehmen nach eigenen Angaben mit Einnahmen in Höhe von fünf bis sechs Milliarden US-Dollar.

AstraZeneca setzt auf Medikament

Auch das Medikament von AstraZeneca, Evusheld, wird derzeit von der EMA geprüft. Der britisch-schwedische Pharmakonzern vertreibt wie Pfizer neben einer Impfung nun auch ein Medikament zur Behandlung einer Infektion mit dem Coronavirus. In den USA ist das Mittel schon seit September vergangenen Jahres zugelassen. Die Bundesregierung hat bereits erste Verträge mit dem Konzern geschlossen.

Nachdem der Impfstoff von AstraZeneca vor allem durch negative Schlagzeilen auffiel und in westlichen Ländern kaum noch verimpft wird, hofft der Konzern nun auf Umsätze durch das Medikament. Denn die Einnahmen aus den Impfstoffverkäufen blieben mit rund vier Milliarden Dollar weit hinter denen der Konkurrenz zurück und im laufenden Jahr werden sie voraussichtlich weiter sinken. Bislang konnte der Konzern mit dem Medikament rund 85 Millionen Dollar einnehmen, für 2022 werden Zuwächse erwartet.

Remdesivir wird bei schweren Verläufen eingesetzt

Bereits zugelassen durch die EMA ist Xevudy, das vom britischen Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline hergestellt wird. Auch in Deutschland werde das Mittel genutzt, erklärt Ärztin Vehreschild. Es werde ebenfalls am Anfang einer Erkrankung als Infusion verabreicht. Der Wirkstoff Sotrovimab bindet sich an das Spike-Protein des Virus. Dadurch kann es nicht in die Körperzellen eindringen. Die Firma verdiente damit im vergangenen Jahr 958 Millionen britische Pfund und rechnet für 2022 mit ähnlichen Einnahmen auf Grundlage der bisher geschlossenen Lieferverträge.

Neben den Therapiemöglichkeiten, die vor allem zu Beginn einer Erkrankung eingesetzt werden, ist seit 2020 Veklury mit dem Wirkstoff Remdesivir in der EU zugelassen. Vehreschild von der Frankfurter Uniklinik betont, dass es sich dabei um ein Mittel handelt, dass zu einem Zeitpunkt eingesetzt wird, wenn die Erkrankung bereits fortgeschritten ist: "Remdesivir wird verabreicht, wenn der Patient bereits eine Lungenentzündung hat und Sauerstoff benötigt." Das Medikament stört die Produktion des genetischen Materials des Virus und soll verhindern, dass sich das Virus in den Zellen vermehrt.

Im vergangenen Jahr machte das irische Pharmaunternehmen Gilead Sciences, das Remdesivir produziert, einen Umsatz von 5,5 Milliarden Dollar mit dem Medikament. Damit trug Veklury 20 Prozent zum Jahresumsatz bei. Für 2022 prognostiziert das Unternehmen einen Umsatz von rund zwei Milliarden Dollar, der ausschließlich mit dem Medikament erwirtschaftet wird. Allerdings verwies das Unternehmen auch auf die dynamische Pandemieentwicklung. Denn durch neue Varianten können Medikamente schnell überholt sein. Dieses Schicksal ereilte bereits Ronapreve, das von den dem Schweizer Pharmaunternehmen Roche und der US-Firma Regeneron gemeinsam entwickelt wurde. Das Medikament ist nach ersten Erkenntnissen bei der Omikron-Variante nicht wirksam und wird in Deutschland auch nicht mehr eingesetzt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Januar 2022 um 17:34 Uhr.