Icon der Apple-Anwendung "App-Store" | dpa

Regeln für App-Tracking Kartellamt nimmt Apple unter die Lupe

Stand: 14.06.2022 14:48 Uhr

Das Bundeskartellamt geht dem Verdacht nach, dass Apple im Umgang mit Nutzerdaten von Apps den Wettbewerb behindert. Möglicherweise habe der Konzern für Konkurrenten strengere Regeln als für die eigenen Angebote.

Die deutschen Wettbewerbshüter nehmen Apple wegen des Umgangs mit Konkurrenz-Apps ins Visier. Es besteht laut Bundeskartellamt der Anfangsverdacht, dass der kalifornische Konzern auf seiner Plattform eigene Angebote bevorzuge oder andere Unternehmen behindere.

Gefahren durch Apples Ökosystem?

Die Bonner Behörde gab heute den Start der Untersuchung bekannt. Bereits seit Juni vergangenen Jahres läuft ein Verfahren des Bundeskartellsamts "zur Feststellung einer überragenden marktübergreifenden Bedeutung für den Wettbewerb". In diesem Verfahren geht es generell um die Feststellung einer marktübergreifenden Bedeutung, die Apple durch sein "Ökosystem" auf verschiedenen Märkten wie Computer, Tablets oder so genannte "Wearables" erreicht hat.

In der nun gestarteten Überprüfung nehmen die Kartellwächter das von Apple im vergangenen April eingeführte App-Tracking-Verfahren ATT unter die Lupe. Mit diesem Verfahren können Nutzer selbst entscheiden, ob Apps sie "tracken", also persönliche Daten sammeln und ihre Informationen an Dritte weitergeben dürfen oder nicht. Für viele Werbeunternehmen sind solche Daten wertvoll, wenn sie etwa personalisierte Werbung schalten wollen.

Zweifel auch bei der EU-Kommission

Offenbar besteht hier der Verdacht, dass Apple seine eigenen Apps von diesen Daten-Beschränkungen ausnehmen könnte, um sich damit Vorteile gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen. "Ein Konzern wie Apple, der die Regeln in seinem Ökosystem und speziell im App Store einseitig festlegen kann, sollte diese aber wettbewerbskonform gestalten", so Bundeskartellamts-Präsident Andreas Mundt. "Daran bestehen begründete Zweifel, wenn Apple Regeln für Dritte festlegt, die aber ausgerechnet für Apple nicht gelten sollen."

Apple kündigte an, mit dem Bundeskartellamt zusammenzuarbeiten. Ein Firmensprecher teilte auf Anfrage mit, dass die ATT-Regeln für alle Entwickler gelten würden - auch für Apple. Behörden und Datenschützer hätten dieser Funktion zugestimmt.

An dieser Gleichbehandlung hatte bereits im vergangenen Jahr auch EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager erste Zweifel angemeldet. Tracking könne sich schnell zum Thema Wettbewerbsschutz verwandeln, so Vestager. Die EU hat Apple außerdem wegen Wettbewerbsverstößen beim mobilen Bezahlen im Visier. So verstößt der Konzern nach vorläufigen Ermittlungen der Kommission gegen europäische Wettbewerbsvorschriften, weil die Möglichkeiten zu kontaktlosem Bezahlen eingeschränkt werden. Apple droht hier eine Kartellstrafe.

Werbesparte gedeiht prächtig

Nach Recherchen der "Financial Times" hat die Einführung der Tracking-Vorschriften bereits im vergangenen Jahr zu einer "Umleitung" von Werbegeldern zu Apple geführt. Die Werbe-Sparte des Konzerns habe ihren Marktanteil in den ersten sechs Monaten nach Einführung der neuen App-Regeln von 17 auf 58 Prozent verdreifacht, berichtete die Zeitung. Der Anteil von Konkurrenten wie Google, Facebook oder Snap am Werbegeschäft ist demnach im gleichen Zeitraum deutlich kleiner geworden.