Logo des US-Konzerns Apple an einer Fassade | AFP
FAQ

Neuerungen bei Apple Kein Tracking mehr - was bedeutet das?

Stand: 28.04.2021 09:07 Uhr

Dank einem Betriebssystem-Update werden Apple-User künftig nicht mehr von Apps "verfolgt". Was steckt hinter der neuen Strategie des Tech-Konzerns?

Seit dem Update auf das Betriebssystem iOS 14.5 ist das Tracking durch Apps auf Apple-Endgeräten automatisch deaktiviert. Der Konzern schmückt sich mit dem Image des Datenschützers - doch die Konkurrenz tobt und klagt. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist bei iOS 14.5 neu?

Mit dem Betriebssystem 14.5 müssen App-Entwickler die iPhone-Nutzer nun um Erlaubnis bitten, bevor sie ihre Daten und Bewegungen tracken dürfen. Dies gilt aber nur für neu installierte Apps. iOS 14.5 kann auf allen iPhones installiert werden, auf denen auch iOS 14.0 läuft. Dies gilt bis hin zum iPhone 6s aus dem Jahr 2015.

Was genau wird verfolgt?

Dank der individuellen Nummer, die jedes iPhone besitzt, bekannt als IDFA (Identifier for Advertisers), können die Vorlieben der Nutzer über die installierten Apps von den Werbekonzernen verfolgt werden. Denn beim Surfen hinterlassen die Nutzer jedes Mal Spuren, einschließlich ihrer IDFA. Die Apps senden die Daten an mehrere Konzerne, etwa Facebook, Google oder TikTok, die sie dann an die Werbeindustrie weiterleiten. Die wiederum kann damit ein Profil des Nutzerverhaltens erstellen, um auf diese Weise individualisierte Werbung zu schalten - natürlich bevorzugt auf den Daten sammelnden Apps von Facebook & Co.

Kann man das Tracking nicht längst ausschalten?

Tatsächlich besteht bei iPhones mit älteren Betriebssystemen als iOS 14.5 die Möglichkeit, das Tracking der Apps abzuschalten. Dazu reicht es in der Einstellungen-App, die mit dem Zahnrad, zum Bereich Datenschutz zu gehen. Dort findet sich der Menüpunkt "Werbung" oder in der neueren Version "Tracking". Hier gibt es die Auswahl "Ad-Tracking beschränken" oder "Apps erlauben, Tracking anzufordern". Bei älteren Geräten muss "Ad-Tracking beschränken" aktiviert werden, um das Tracking zu verhindern. Bei neueren "Apps erlauben, Tracking anzufordern" deaktivieren.

Was passiert, wenn ich das Tracking verweigere?

Wenn iPhone-Nutzer im Fall einer Anfrage zum Tracking das Daten-Sammeln verweigern, wird die entsprechende App für immer vom Zugriff auf die IDFA ausgeschlossen. Und Apple erwartet, dass Apps keine anderen Daten wie Telefonnummern oder E-Mails weiterleiten.

Bekommt man dann keine Werbung mehr?

Ganz verhindern lassen sich die Werbeanzeigen zwar nicht, sie sind aber nicht mehr personalisiert. Damit wird dem werbebasierten Geschäftsmodell, auf dem viele kostenlose Apps wie Facebook basieren, ein schwerer Schlag versetzt. Denn mit digitaler Werbung lassen sich Schätzungen zufolge 350 Milliarden Dollar pro Jahr einnehmen. Eine Einschränkung der personalisierten Werbeanzeigen bekämen daher in erster Linie Konzerne wie Facebook, Snap, Twitter oder TikTok zu spüren, die die gesammelten Daten von mehreren Milliarden Nutzern teuer verkaufen.

Warum macht Apple das?

Apple hat die Privatsphäre seiner Kunden zu einem wichtigen Verkaufsargument für seine Produkte gemacht, allen voran dem iPhone. Damit hofft das Unternehmen, seine Anteile auf dem Markt für Premium-Handys zu verteidigen und auszubauen. Zudem plant Apple, sein eigenes "datenschutzorientiertes" Werbegeschäft auszubauen. Denn auch Apple sammelt fleißig Daten seiner Nutzer. Und nicht zuletzt wird durch das Vorgehen auch der Konkurrenz ein Schlag versetzt.

Warum klagt die Konkurrenz?

Wenn sich viele Apple-Kunden künftig dazu entscheiden, das Tracking zu verbieten, wie Branchenbeobachter erwarten, befürchten die großen Online-Dienste wie Facebook oder Google, dass ihnen dadurch Werbeeinnahmen entgehen. Denn die Werbekonzerne zahlen mehr, wenn sie auf den Nutzer zugeschnittene Anzeigen schalten können. Zudem müssen sich Apps, die keine von ihnen gesammelten Daten mehr verkaufen können, andere Einnahmequellen erschließen. Dazu gehören höhere Verkaufspreise und Abonnements. Davon wiederum erhält Apple eine Provision von 15 bis 30 Prozent, wenn sie über den App Store angeboten werden. Gegen diese Praxis hat der "Fortnite“-Entwickler Epic Games eine Kartellklage eingereicht. Wie die ausgeht, steht noch nicht fest.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. April 2021 um 17:15 Uhr.