Logo des US-Konzerns Apple an einer Fassade | AFP

Streit um Datenschutzregeln Kartellamtsbeschwerde gegen Apple

Stand: 26.04.2021 18:05 Uhr

Verbände der deutschen Medien- und Werbewirtschaft haben Wettbewerbsbeschwerde gegen Apple eingelegt. Es geht um neue Datenschutzregeln des US-Konzerns, von denen eigene Dienste aber ausgenommen sind.

Eine Gruppe deutscher Verbände aus der Medien- und Werbewirtschaft wirft Apple wegen anstehender neuer Datenschutzregeln unfairen Wettbewerb vor.

Auf iPhone und iPad werden Apps künftig die Nutzer um Erlaubnis fragen müssen, wenn sie für Werbezwecke ihr Verhalten quer über verschiedene Dienste und Websites verfolgen wollen. Da viele Nutzer dies ablehnen dürften, bangen diverse Anbieter um ihr Werbegeschäft.

Verbände kritisieren Ausnahmen für Apple-Dienste

Nun reichten acht Verbände eine Missbrauchsbeschwerde beim Bundeskartellamt ein. "Wir schauen sie uns jetzt erst einmal an", sagte ein Sprecher der Behörde. Apple entgegnete auf die Beschwerde: "Wir glauben, dass Privatsphäre ein grundlegendes Menschenrecht ist." Die Daten gehörten den Nutzern, "und sie sollten selbst entscheiden können, wie ihre Daten verwendet werden und von wem". Man habe Unterstützung von Behörden und Datenschützern für die Funktion bekommen.

Die Verbände kritisieren, der Konzern schließe "faktisch alle Wettbewerber von der Verarbeitung kommerziell relevanter Daten im Apple-Ökosystem aus". Gleichzeitig nehme Apple seine eigenen Dienste jedoch von den geplanten Änderungen aus und sammle selbst erhebliche Mengen Nutzerdaten.

Die Beschwerde reichten unter anderem der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft ZAW, die Organisation der Mediaagenturen OMG, der Markenverband sowie die Verlegerverbände BDZV und VDZ ein.

Viele Nutzer wollen nicht "getrackt" werden

Die neuen Regeln werden mit der nächsten Version des iPhone-Betriebssystems, iOS 14.5, greifen, die demnächst zum Download bereitstehen dürfte. Sie gelten dann auch auf iPads und der Fernsehbox Apple TV, aber nicht auf Mac-Computern.

Damit App-Anbieter einen Nutzer zur Personalisierung der Werbung erkennen können, haben Apple-Geräte eine spezielle Kennnummer, die IDFA. Künftig werden App-Anbieter die Nutzer ausdrücklich um Erlaubnis fragen müssen, wenn sie auf diese ID zugreifen wollen.

Branchenbeobachter gehen davon aus, dass viele Nutzer das Tracking zu Werbezwecken ablehnen werden. Die deutschen Verbände argumentieren, "der von Apple vorgegebene Informationsgehalt der Erklärung sei so oberflächlich gehalten, dass App-Entwickler ihre Nutzer nicht ausreichend über die Zwecke der Datenverarbeitung aufklären können".

Gemischte Reaktionen bei anderen Unternehmen

Apple hatte das neue Verfahren mit dem Namen "App Tracking Transparency" (ATT) bereits im vergangenen Sommer angekündigt - die Umsetzung aber aufgeschoben, um den App-Anbietern Zeit für die Umstellung zu geben.

In den vergangenen Monaten lief vor allem Facebook gegen Apples Pläne Sturm. Gründer und Chef Mark Zuckerberg warnte unter anderem wiederholt, das neue Verfahren werde das Geschäft von kleinen und mittleren Unternehmen belasten, die insbesondere in der Corona-Pandemie auf personalisierte Werbung angewiesen worden seien.

Die Macher der Foto-App Snapchat begrüßten dagegen die Änderungen und kündigten an, sich anpassen zu wollen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 27. April 2021 um 11:37 Uhr.