Amazon | picture alliance / NurPhoto

Streit mit Kartellbehörde Amazon soll Milliardenstrafe in Italien zahlen

Stand: 09.12.2021 13:28 Uhr

Die italienischen Wettbewerbshüter haben gegen den US-Konzern Amazon eine Milliardenstrafe wegen Missbrauchs seiner Marktposition verhängt. Auch soll ein Treuhänder künftig das Unternehmen überwachen.

Der US-Logistikriese Amazon soll wegen Missbrauchs seiner Marktmacht nach dem Willen der italienischen Wettbewerbshüter eine Strafe von 1,13 Milliarden Euro zahlen. Der Konzern habe seine Stellung als Vermittler von Logistikdiensten auf der eigenen Plattform missbraucht und anderen Dienstleistern und Anbietern geschadet, teilten die Kartellwächter mit. Dies seien Verletzungen des EU-Rechts.

Konkret wirft die Behörde Amazon vor, seinen eigenen Dienst - Fulfillment by Amazon (FBA), in Deutschland "Versand durch Amazon" genannt - begünstigt und damit Konkurrenten benachteiligt zu haben. Hierbei übernimmt der Versandkonzern die Logistik für andere Händler. Dadurch hätten Warenanbieter eine bessere Sichtbarkeit erhalten oder ihre Produkte unter dem Siegel "Amazon Prime" anbieten können, hieß es. Dies sei entscheidend für den Verkaufserfolg auf der Seite Amazon.it. Nach Ansicht der Wettbewerbsbehörde wendet Amazon bei Händlern, die den FBA-Service nicht nutzen, außerdem strengere Qualitätskontrollen an als bei anderen. Dies könne zu einer Sperrung von Konten führen.

Konzern legt Berufung ein

Die Wettbewerbshüter forderten Amazon dazu auf, seine Geschäftspraktiken zu ändern. Dazu wird dem Unternehmen zur Kontrolle ein Treuhänder zur Seite gestellt. Der US-Konzern kündigte an, gegen die Entscheidung Berufung einzulegen.

Amazon erklärte, FBA sei "ein komplett optionaler Service", die Mehrheit der Drittanbieter bei Amazon verwende ihn nicht. "Wenn sich Verkäufer für den Versand durch Amazon entscheiden, tun sie dies, weil er effizient, bequem und preislich wettbewerbsfähig ist", so das Unternehmen. Die verhängte Geldbuße und verordneten Maßnahmen seien "ungerechtfertigt und unverhältnismäßig".

EU-Staaten wollen strengere Regeln

Erst im November hatte Italiens Kartellbehörde Strafen in Höhe von insgesamt rund 200 Millionen Euro gegen Amazon und Apple wegen Absprachen beim Verkauf von Apple- und Beats-Produkten verhängt. Amazon soll 68,7 Millionen Euro zahlen. Nach Angaben der italienischen Wettbewerbshüter hatten die beiden US-Unternehmen im Herbst 2018 vereinbart, dass in Italien nur Amazon sowie einige ausgesuchte Händler Produkte von Apple und Beats verkaufen dürfen. Der für seine Kopfhörer bekannte Audiotechnikhersteller Beats gehört seit 2014 zu Apple.

Die EU-Länder wollen die Spielregeln für US-Technologiekonzerne verschärfen. Neben Amazon sind auch Google, Facebook, Apple und Microsoft ins Visier europäischer Behörden geraten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Dezember 2021 um 12:00 Uhr.